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Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

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  • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

    "So gesehen wäre das Rezept zur geistigen Gesundheit ja wirklich ganz einfach "

    Sie legen sich nicht auf die Lauer, wenn es ein paar schöne Tage gibt, um zu befürchten, dass es bald wieder abwärts gehen muss - zwangsläufig so wie ein psychologischer Imperativ.
    Sie zählen die Tage (anfangs macht man das sogar mit Stunden) und addieren jeden problemlosen Tag ohne Erwartung eines Minimum. Dann werden Sie feststellen, dass es immer mehr werden und man die großen Intervalle dann plötzlich wie ein Geschenk empfindet (das man sich selbst beschert hat).

    "Vielleicht doch mehr Selbstlüge und -betrug und Verdrängung?"

    Das ist ein verhängnisvolles Denken und gehört schnellstens abgestellt.

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    • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

      So gesehen wäre das Rezept zur geistigen Gesundheit ja wirklich ganz einfach: Ich feile etwas an meinen Einstellungen, mache bewußt wieder mehr schöne Aktivitäten auch mit anderen, dadurch verstärkt sich der Wahrheitsgehalt meines Umdenkens – et voilà: Ich bin die Depri irgendwann ganz quitt.
      :-) Du siehst ja wie einfach es ist.;-)
      Sicher erscheint das Rezept recht einfach und es ist ja auch nicht bei jedem gleich, aber es durchzuhalten und gerade die Zweifel im Zaum zu halten ist nicht ohne und überhaupt nicht einfach. Wie du es ja selber bemerkst.

      Ich denke mal das bei dir auch das Medikament so langsam eine stabilere Wirkung erreicht hat, das bewirkt natürlich auch das du noch klarer siehst und dir scheint es auch zu gelingen das was du erkannt hast umzusetzen. Aber das klappt halt nicht immer, mal fällt es einem verdammt schwer oder man schafft es gar nicht und mal klappt es wunderbar. Das ist ja auch die Tücke einer Depression, dieses hin und her, sogar die Gedanken ändern sich mit der Stimmung. Da gilt es mit den Maßnahmen, die man an besseren Tagen locker, leicht einleiten kann, die düsteren Tage abzudämpfen indem man versucht konsequent weiter zu machen obwohl es einem dann nicht mehr so einfach erscheint und gar nicht leicht fällt.
      Aber je mehr du über das was dir hilft, an den Tagen an denen es gut geht, herausfindest desto besser kommst du an schlechteren Tagen klar und dann werden die guten Zeiten tatsächlich immer länger, auch wenn es noch nicht durchgehend so ist.

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      • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

        "So gesehen wäre das Rezept zur geistigen Gesundheit ja wirklich ganz einfach "

        Sie legen sich nicht auf die Lauer, wenn es ein paar schöne Tage gibt, um zu befürchten, dass es bald wieder abwärts gehen muss - zwangsläufig so wie ein psychologischer Imperativ.
        Tja, das ist eben mein innerer Zweifler. Selbst an guten, erfolgreichen Tagen lauert der irgendwo aus bloßer Gewohnheit im Hintergrund und flüstert...
        Aber ich arbeite ja daran, ihn im Zaum zu halten, wie Tired ja auch schon geschrieben hat.

        Sie zählen die Tage (anfangs macht man das sogar mit Stunden) und addieren jeden problemlosen Tag ohne Erwartung eines Minimum. Dann werden Sie feststellen, dass es immer mehr werden und man die großen Intervalle dann plötzlich wie ein Geschenk empfindet (das man sich selbst beschert hat).
        So in etwa läuft's bei mir ja aktuell mit meinem Positiv-Tagebuch. Ich führe das im Augenblick doch ziemlich konsequent. Und gerade heute bin ich auch wieder sehr angenehm überrascht gewesen, wie schön der Tag doch war. Nix herausragendes, aber viele schöne Kleinigkeiten, die den Tag in Summe lebenswert gemacht haben.
        Und eigentlich ist das mit jedem Tag so, über den ich Buch führe. Wenn ich's nicht mal für 2-3 Tage zeitlich nicht schaffe und mir dann die Erinnerung hier und da schwer fällt, dann kommen jeden Tag gut und gerne 10-15 schöne Ereignisse und Begebenheiten zusammen. (klar geht's hier nicht um Masse, ist ja kein Wettbewerb - nur mal ne Zahl als Anhaltspunkt)
        Und heute beim Schreiben hab ich dann auch plötzlich festgestellt, wie mein ganzes Denken plötzlich auf Positiv gepolt war - mit einem Mal konnte ich dann eine ganze Zeit lang auch nur noch an andere schöne Dinge aus den letzten 1-2 Tagen denken

        So gesehen: Ein Schritt nach dem anderen, ein Tag nach dem anderen.
        Und irgendwann ist das Ganze vielleicht wirklich nur noch ein schlechter Traum, der in der Erinnerung verblaßt.

        "Vielleicht doch mehr Selbstlüge und -betrug und Verdrängung?"

        Das ist ein verhängnisvolles Denken und gehört schnellstens abgestellt.
        So hatte ich das ja auch nicht gemeint.
        Mir ging es um die theoretische Abgrenzung von Verarbeitung und Verdrängung, darum, daß Leute glauben, es ginge ihnen gut und sie hätten keine Probleme - und in Wirklichkeit ignorieren sie (unabsichtlich, mangels Achtsamkeit) einfach, daß sie doch Probleme, Streß, etc. haben. Weil sie eben gelernt haben, "nur" zu funktionieren und alles andere (unabsichtlich, oder vielleicht auch etwas bewußter) zu verdrängen. Deswegen Selbstlüge. Daß eine solche Haltung auf Dauer in eine Depression münden kann, daran habe ich mittlerweile wenig Zweifel.
        Immerhin bin ich selbst ja auch so ein Grenzfall: Zwar war mir durch meine Gastritis bereits klar, daß ich Streß habe und damit nicht richtig zurecht komme - aber daß es sich so zuspitzen könnte, hatte ich nun wieder auch nicht kommen sehen. Im Gegenteil hatte / habe ich meine Gastritis ja durch die Pantoprazol ja sogar ganz gut im Griff.

        @Tired:
        Ich denke mal, daß ich auf einem guten Weg bin, genau solch eine Einstellung nach und nach zu verinnerlichen. Trotz der vereinzelten Tage, an denen ich immer mal etwas unruhiger bin, spüre ich doch, daß ich wieder zunehmend gelassener werde - oder endlich mal; vielleicht bin ich in den letzten Jahren nie so richtig gelesen gewesen Natürlich will ich jetzt den Tag nicht vor dem Abend loben (das ist wieder mein Zweifler *g*), aber unter'm Strich muß ich gestehen, daß es doch recht gut läuft.
        Sicher tragen da auch nicht nur die Citalopram, sondern auch die Vitamin D-Tropfen zu bei. Außerdem nehme ich mittlerweile auch Omega-3-Kapseln zu mir und gehe ca. alle 2 Wochen mal für 10 bis 15 Minuten auf die Sonnenbank. Zusätzlich eben verstärkt die Unternehmungen, die in den Jahren seit der Geburt des Kleinen zu kurz gekommen sind. etc. etc. etc.

        Ich hoffe einfach mal das Beste - im Augenblick bin ich guter Dinge.

        Ich schaffe das, jawoll

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        • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

          :-) Du siehst ja wie einfach es ist.;-)
          Recht hast Du – spüre das grad im Augenblick wieder:

          Ich sitz mal wieder im Büro rum, hab nix vernünftiges zu tun und fühl mich ziemlich überflüssig. Wir haben heute früh neue Büromöbel bekommen, die stehen jetzt. Aber schon den ganzen Vormittag ist irgendwie Flaute gewesen: 2-3 Anrufe kamen rein, 1-2 Anrufe habe ich getätigt – und ansonsten Ebbe. Und so ist das nicht nur heute mit dem Möbelaufbau – so geht das teilweise tagelang.
          => Und ich sitz hier, frag mich, welchen Sinn es hat, hier zu sitzen (ja, sie bezahlen mich „dafür“ ), und ich muß verstärkt darauf achten, daß meine Gedanken nicht wieder zu stark ins Negative und Schwermütige abdriften.


          Heute früh, während der Aufbauaktion, hab ich mir dann auch unseren neuen selbstgemachten Kalender für 2014 angesehen, in dem Bilder von unseren Sohn, Familie etc. sind. Und obwohl ich mich einerseits sehr drüber freuen konnte, machte sich andererseits irgendwo eine gewisse Melancholie bemerkbar beim Betrachten.

          Hab dann mal etwas eingehender darüber nachgedacht, weshalb.
          Und hab den Eindruck, es könnte damit zu tun haben, daß mir seit der Geburt unseres Sohnes und mit seinem kontinuierlichen Größerwerden die Vergänglichkeit meines eigenen Lebens stärker (un)bewußt wird und mit zu schaffen macht. Bis der Kleine geboren war, verlief mein Leben eigentlich rund 10 Jahre lang in geordneten, regelmäßigen Bahnen. Ich konnte immer alles tun. Alles hatte irgendwie mehr Zeit, die Zeit selbst verlief auch „langsamer“, und das Lebensziel, eigene Kinder zu haben, war noch Zukunft. Meine Mutter lebte noch. Sicher hab ich auch zu jener Zeit mal melancholische Phasen gehabt, und vielleicht hätten die sich bis heute ohnehin so entwickelt, wie es nun geschehen ist.
          Aber trotzdem – irgendwie hatte ich Zeit mit meinem Leben. Wenn man so will, bin ich in der Zeit auch nicht „gealtert“.

          Seit der Kleine damals geboren und meine Mutter wenige Tage vor seiner Geburt gestorben ist, hat sich natürlich viel verändert. Und wenn ich mir die Photos des Kleinen aus den vergangenen Jahren so anschaue und daran zurückdenke, befällt mich so’n bissel ne (leichte) Schwermut. Vor vier Jahren gab’s ihn noch nicht; dann war er ein Baby; hat laufen und sprechen gelernt; und mittlerweile ist er schon dreieinhalb, wird zunehmend selbständiger und größer – und die Zeit fliegt vorbei.

          Klar weiß ich, daß mein Leben noch lange nicht vorbei ist, daß ich im günstigsten Fall mit Glück sogar noch mehr Leben vor mir als hinter mir habe Rein vernunftmäßig.
          Aber trotzdem nagt das Bewußtsein darüber, was schon alles vorüber ist und nicht mehr wiederkehrt, wohl doch an mir… Quasi so ne Art kleine „Third-life-crisis“
          Ich vermute, daß das in meine Depression mit reinspielt.

          Wobei sich für mich hier die spannende Frage nach der Henne und dem Ei stellt:
          Hat mir das schon vor der depressiven Episode zu schaffen und gemacht und diese mit ausgelöst bzw. verstärkt?
          Oder sind diese Gedanken eher ne Folge der depressiven Episode?


          Auf jeden Fall zieht mich das grad mal wieder ein bißchen runter. Nicht dramatisch, aber es trübt die Aufrechterhaltung positiver und schöner Gedanken gerade doch wieder merklich. Und das nicht zum

          Und ich gehe wahrscheinlich recht in der Annahme, daß auch die Lösung dieses Problems – das Akzeptieren der Vergänglichkeit und des Älter-Werdens – in der Geduld, der Zeit und dem ruhigen, aber beharrlichen Ändern meiner Einstellung liegt, richtig?


          Deswegen – ist schon so, wie Du das mit Deinen Smilies angedeutet hast: Nur weil es theoretisch einfach ist, heißt das noch lange nicht, daß auch die Umsetzung einfach ist… *puuh* Okay, will’s mir jetzt auch nicht schwerer einreden als es ist. Aber so’n kleiner Brocken ist das alles irgendwie schon.

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          • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

            Und ich gehe wahrscheinlich recht in der Annahme, daß auch die Lösung dieses Problems – das Akzeptieren der Vergänglichkeit und des Älter-Werdens – in der Geduld, der Zeit und dem ruhigen, aber beharrlichen Ändern meiner Einstellung liegt, richtig?
            Boa, das kenn ich nur zu gut und in einer ähnlichen Krise hänge ich auch gerade. Das habe ich immer mal von Zeit zu Zeit, wenn ich mich richtig erinnere hatte ich sogar mal ein Thread zu solch Themen aufgemacht, aber dieses mal ist es echt übel.
            Was soll ich sagen, die Lösung des Problems liegt sicher in der Akzeptanz und der Weisheit, den Lauf des Lebens mit positiveren Augen zu sehen. Wie man das hin bekommt ist mir allerdings bisher verborgen geblieben, irgendwie kann ich solch Weise und irgendwo auch gleichmütigen Sichtweisen, die es einfacher machen, nicht verinnerlichen.
            Im Grunde ist es eine Sinn und Glaubensfrage, damit ist man auch beileibe nicht alleine. Nicht selten kommt es vor das gerade Menschen die alles erreicht haben und eher die Macher sind, plötzlich der Sinnfrage hinterher jagen, sich mit Glauben und Vergänglichkeit beschäftigen. Es ist der Punkt an dem du auch mal Zeit zum Nachdenken hast und dich nicht mehr abstrampeln musst und dieser Umstand beschwört bei manchem eine Lebenskrise herauf.

            Das mit der Melancholie beim Bilder anschauen kenne ich auch, bei mir hängt es wohl (auch?) vorwiegend damit zusammen das ich an alte Zeiten erinnert werde und wie es fast immer ist, die alten Zeiten waren in der Vorstellung auch die besten, obwohl ich genau weiß das es eher sehr schlechte waren und viele Leute die dabei waren gibt es halt nicht mehr. Deshalb schaue ich mir recht selten Bilder aus bestimmten Zeitabschnitten an, eigentlich niemals.

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            • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

              Naja, ich bin lange Zeit - mal auf jeden Fall bis Anfang Dreißig - davon ausgegangen, das Älter-werden können mir nichts anhaben. Einer meiner Lieblingssprüche zu der Zeit war "Ich messe mein Leben in Vierteljahrhunderten - also stören mich die 30 und 40 nicht"
              Irgendwie stelle ich grad fest: Denkste...! Die 40 rücken näher, und jetzt greift vermutlich, was Du auch schreibst:

              Im Grunde ist es eine Sinn und Glaubensfrage, damit ist man auch beileibe nicht alleine. Nicht selten kommt es vor das gerade Menschen die alles erreicht haben und eher die Macher sind, plötzlich der Sinnfrage hinterher jagen, sich mit Glauben und Vergänglichkeit beschäftigen. Es ist der Punkt an dem du auch mal Zeit zum Nachdenken hast und dich nicht mehr abstrampeln musst und dieser Umstand beschwört bei manchem eine Lebenskrise herauf.
              Genau so fühlt es sich bei mir in der Hinsicht an:
              Ich hab in meinem Leben bisher wirklich sehr viel erreicht: Ich hab ein gutes Abi und Studium hingelegt; ich hab schon während meines Studiums nebenher in ner Firma gejobbt und in den letzten 2-3 Jahren auch recht verantwortungsvolle Aufgaben erhalten; einen guten Berufsstart hingelegt und (bis 2008) gute Chefs gehabt; und bis vor 2-3 Jahren auch verantwortungsvolle und fordernde Aufgaben; in meiner zweiten Freundin mit 25 die beste und liebste Frau kennengelernt, die ich mir wünschen kann - und die ich dann geheiratet habe; ich habe den süßesten und liebsten kleinen Knuddel-Sohn, den man sich vorstellen kann; ich habe eine Vielzahl von Hobbies und denke, daß ich vor allem auch ziemlich gut Modelldioramen bauen kann (Fantasy-Zinnfiguren); und ich habe zwar nicht viele, aber dafür sehr gute Freunde - auch, wenn der Kontakt durch die größeren Entfernungen seit Ende des Studiums hier und da doch (deutlich) seltener geworden ist.

              Ich hab also wirklich allen Grund, mit meinem Leben zufrieden und auf mich stolz zu sein.

              Und trotzdem fühlt sich - vielleicht gerade deshalb, wie Du ja auch schreibst - der Gedanke an mein weiteres Leben irgendwie merkwürdig an. Ich weiß, daß ich noch so viel machen und erleben kann, daß ich mein Leben noch lange nicht zu Ende gelebt habe. Und gleichzeitig fühlt es sich manchmal doch schon recht abgeschlossen an (einen passenderen Ausdruck finde ich grad nicht). Ist objektiv betrachtet natürlich Quatsch: Allein schon den Kleinen wachsen zu sehen, ist in der Momentaufnahme jedesmal eine tolle und schöne Sache Selbstverständlich will ich seine Einschulung miterleben, wie er weiter wächst und lernt, seinen Schulabschluß, Lehre / Studium, Familie, Großvater werden... Mit meiner Frau und meinen Freunden kann ich auch noch so viel unternehmen, daß mir eigentlich nicht langweilig werden dürfte.
              Aber vorhin im Auto auf der Heimfahrt ging mir durch den Kopf, daß ich mir über den vor mir liegenden Lebensabschnitt bisher nie viele Gedanken gemacht habe. Zu Jugendzeiten war das Abi Etappenziel, danach das Studium, Freundin finden, Jobeinstieg, heiraten, irgendwann Familie gründen und 1-2 Kinder kriegen. Und dann...? Weiter hab ich nie gedacht, wie mir plötzlich bewußt wurde.

              Gleichzeitig kommt die massive, grundsätzliche Unterforderung im Job hinzu und mein mittelprächtiger Chef, der immer wieder Mikromanagement betreibt und sich in alles reinhängt. Klar hab ich auch mal den ein oder anderen Vormittag, wo ich unter Druck gerate und nichts schnell genug gehen kann, wo ich kaum hinterherkomme, alles festzuhalten, nachzuvollziehen, zu telefonieren und den nächsten Schritt zu planen.
              Aber leider (oder zum Glück ) beschränkt sich das auf einzelne Vormittage, ist nicht vorherseh- und -planbar, und insbesondere nachmittags ist mal auf jeden Fall regelmäßig Ebbe... Oder ich sitze in sinnlosen Besprechungen, zu denen ich wenig beizutragen habe bzw. die mich nur am Rande betreffen. Im besten Fall nimmt mein Chef daran teil - dann steht eh schon vorher fest, wer den größten Redeanteil hat und was nachher gemacht wird (nämlich das, was er will).

              Ergo entsteht hier natürlich auch wieder Unzufriedenheit, und durch die größeren Durststrecken, in denen ich nicht gefordert bin oder schlichtweg gar nichts zu tun habe, hat mein Gehirn natürlich reichlich Zeit, ins Grübeln zu geraten und eins nach dem anderen schlecht zu reden. :/


              Ist also nicht auszuschließen, daß Du mit Deiner Aussage recht hast, und meine jetzige Lebensphase und die Art und Weise, wie ich sie aufnehme und mit ihr umgehe, ein weiteres Puzzlestück in meinem Psychopuzzle ist.

              Ich seh schon: Das ist ein recht komplexes Sammelsurium an kleineren und ein paar größeren Einzelstücken, die da wahrscheinlich bei mir zusammengekommen sind.

              (... und jetzt meldet sich wieder der Zweifler in mir : Ist das alles in den Griff und hinzukriegen ?!?!??? )


              Aber: Ich schaffe das, jawoll

              Das mit der Melancholie beim Bilder anschauen kenne ich auch, bei mir hängt es wohl (auch?) vorwiegend damit zusammen das ich an alte Zeiten erinnert werde und wie es fast immer ist, die alten Zeiten waren in der Vorstellung auch die besten, obwohl ich genau weiß das es eher sehr schlechte waren und viele Leute die dabei waren gibt es halt nicht mehr. Deshalb schaue ich mir recht selten Bilder aus bestimmten Zeitabschnitten an, eigentlich niemals.
              Für mich ist diese Erfahrung recht neu. Eigentlich habe ich das so noch nie empfunden, wenn ich mir alte Bilder angesehen habe, und es ist auch jetzt nicht immer und bei jedem Bild so. Aber ich find's doch schon auffällig...
              Vielleicht legt sich das auch wieder - immerhin sind ja doch auch schöne Erinnerungen mit dem Ansehen der Bilder verbunden.

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              • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                Für mich ist diese Erfahrung recht neu. Eigentlich habe ich das so noch nie empfunden, wenn ich mir alte Bilder angesehen habe, und es ist auch jetzt nicht immer und bei jedem Bild so. Aber ich find's doch schon auffällig...
                Vielleicht legt sich das auch wieder - immerhin sind ja doch auch schöne Erinnerungen mit dem Ansehen der Bilder verbunden.
                Wenn die Bilder mit Erinnerungen verbunden sind die dich deprimieren ist es ja auch verständlich das du beim Ansehen so fühlst, ich denke es wird sich wieder legen, wenn du deine Depression und deren Ursachen überwunden hast.
                Möglicherweise ist es ähnlich wie bei einer Trennung, schließlich haben Erinnerungen an vergangene Zeiten auch etwas von Trennung an sich.
                Anfangs machen dich Bilder und Erinnerungen die mit der Ex verbunden sind traurig, aber irgendwann treten die schönen Zeiten in den Vordergrund und du schaust die Bilder mit anderen Augen und positiveren Gedanken an.

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                • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                  Moin,

                  bin gestern nochmal verstärkt in mich gegangen, hatte den nächsten Termin beim Psychotherapeuten und gestern Abend auch nochmal kurz mit meiner Frau gesprochen:

                  Es sieht alles danach aus, als könnte der/ein Auslöser für meine aktuelle Situation tatsächlich ne „Mid-Life-Crisis“ sein. Etwas verfrüht… aber ok… so isch äs Läbe äbe

                  Ich hab für meine aktuelle Lebensphase einfach keine ausreichend erfüllenden und mein Denken ausfüllenden Ziele mehr vor Augen. Wie schon zuvor beschrieben, hab ich bis jetzt wirklich alles erreicht, was ich erreichen wollte. Nicht unbedingt immer so, wie es geplant war – aber gut genug, um grundsätzlich zufrieden zu sein. Intellektuell bin ich nicht mehr richtig gefordert. Es fehlt an anspruchsvollen Aufgaben, Projekten und Zielen, die mich vom Grübeln abhalten würden – und so ne Chance nutzt mein bisher eher „Glas-halb-leer“-geprägtes Negativ-Denken offenbar, um sich verstärkt auszutoben.
                  Sicher bin ich immer schon ein Grübler und Bundesbedenkenträger gewesen, keine Frage. Auch ein kleiner Kontrollfreak und Perfektionist. Und sehr wahrscheinlich wäre ich früher oder später so oder so in dieser oder einer ähnlichen Situation gelandet.
                  Aber das es jetzt passiert (ist), schiebe ich mittlerweile doch sehr auf meine „Ziellosigkeit“ in Kombination mit den veränderten äußeren Umständen (Kind, Job, Tod meiner Mutter).

                  Hatte ich echt nicht erwartet, in sowas und noch dazu so früh reinzuschlittern… Ich hab nun wirklich alles, was ich mir wünschen kann, und Hobbies ohne Ende. Und trotzdem… irgendwie… fühl ich mich ziel- und orientierungslos.


                  Ergo scheint ein Lösungsschritt für meine Depri auch die Definition neuer (Lebens)Ziele zu sein. Denn sinnvoll (positiv) beschäftigt zu sein, bringt (positive) Erfolgserlebnisse und dürfte mich wieder mehr vom (Negativ-)Grübeln abhalten.

                  Nur wo krieg ich die her…?
                  Der nächste große „gottgegebene“ Lebensabschnitt – die Rente – ist noch 30 Jahre hin. Und wirklich darauf hinarbeiten ist jetzt auch nicht wirklich möglich – eine Verrentung ist ja nun nicht das gleiche wie ne Abschlußprüfung.
                  Die einzelnen Werdegangs-Schritte meines Sohnes sind primär seine Ziele, die ich zwar gern mitverfolge und an denen ich teilhaben möchte – aber es sind eben nicht originär meine, an denen ich selbst arbeiten kann und die mich so ausfüllen, wie meine alten in der Vergangenheit.

                  Meine Frau meinte schon, das wäre dann die Phase, wo Männer sich ein Motorrad und / oder ne Geliebte zulegen würden Aber beides ist jetzt nicht so mein Ding.


                  Wie geht ihr alternativ mit euren „Mid-Life-“Krisen um? Wo bekommt ihr eure „Ziele“ für diesen Lebensabschnitt her? Definiert man sich und sein Leben ab einem solchen Punkt tatsächlich „einfach“ nur mehr über Familie, Freunde und Hobbies? „Muß“ ich mein Leben ab sofort womöglich wirklich stärker danach ausrichten und mir dort meine neuen Ziele suchen? (Das Wort „muß / müssen“ jetzt bitte nicht zu eng auslegen )


                  Puuuh… ne Mid-Life-Crisis… mit 37… irgendwie faß‘ ich das grad immer noch nicht richtig Klingt das alles im Gesamtkontext überhaupt plausibel?
                  (Naja – aber mein einziges Problem ist er nun sicher auch nicht; eher ein Mit-Auslöser, wie gesagt.)

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                  • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                    Wie geht ihr alternativ mit euren „Mid-Life-“Krisen um? Wo bekommt ihr eure „Ziele“ für diesen Lebensabschnitt her? Definiert man sich und sein Leben ab einem solchen Punkt tatsächlich „einfach“ nur mehr über Familie, Freunde und Hobbies? „Muß“ ich mein Leben ab sofort womöglich wirklich stärker danach ausrichten und mir dort meine neuen Ziele suchen? (Das Wort „muß / müssen“ jetzt bitte nicht zu eng auslegen )
                    Ich denke jeden trifft diese Krise aus anderen Gründen und ich denke auch, viele Männer kaufen sich ein tolles, sportliches Auto und testen ihren Marktwert, was dann eine junge Geliebte einbringt.
                    Ich vermute das Frauen davon mindestens genauso betroffen sind, vielleicht sogar noch mehr da sie sich meist mehr um die Kinder kümmern, um alles was da dran hängt und wenn die aus dem Haus sind muss ein neuer Lebensinhalt her. Nur Frauen beginnen dann eher mit der Selbstverwirklichung, packen es beruflich noch mal an, beginnen mit malen, schreiben oder suchen sich eine ehrenamtliche Tätigkeit, ihre Krisen finden etwas leiser statt.
                    Vielleicht sind sie einfach emotionaler, oder sozusagen etwas meditativer gestrickt und suchen sich dann eher Aufgaben die auch ausfüllen und etwas zurück geben.
                    Das was man gegen die Midlive-Crisis tun kann ergibt sich wohl aus der Ursache, man muss mal in sich hinein horchen was einem fehlt, wonach man sich sehnt, was liegen geblieben ist.
                    Ist es der Gedanke ob das schon alles war und es besteht ein gewisser Nachholbedarf ist man womöglich schon damit zufrieden wenn man sich vom soliden Typen zum geselligen Kumpel entwickelt, jüngere Frauen/Männer umwirbt. Wenn der Drang besteht noch etwas besonderes zu leisten bieten sich wohl eher andere Ziele an, ein Marathon, die Fortbildung mit der man lange geliebäugelt hat.
                    Was meistens gut kommt weil es eine große innere Befriedigung verschafft, ist wenn man etwas tut das anderen zugute kommt und man einfach etwas Unterstützung, oder auch Zuneigung weitergibt.
                    Oder halt die Selbstverwirklichung, indem man tut was man schon immer mal tun wollte, sich aber nie getraut hat.

                    Die Frage ist, was würde dich ausfüllen, erfüllen?
                    Vielleicht hast du eine Ahnung was es wäre das dir gut tun könnte, wenn du mal mit deinem Inneren Zwiesprache hältst.
                    Nur mal als Beispiel:
                    Wir sind uns ja einig das Sport gut ist und du gehst ja auch gelegentlich Joggen, es gibt aber auch Menchen die können mit gelegentlichem Sport nach Feierabend nichts anfangen, die brauchen gleich ein festes Ziel, müssen mit anderen in Wettstreit treten um das durchhalten zu können, bzw. Spaß dran zu finden ansonsten bringt es ihnen nicht so vie. Vielleicht ist es bei dir ähnlich, es reicht nicht das du etwas alleine für dich tust, weil du einer bist der gerne so etwas teilt und sich auch gerne an/mit anderen Misst?

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                    • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                      Moin,

                      danke Dir für Deine Antwort

                      Mir geht's aktuell ganz passabel. Grundsätzlich gut.

                      Aber eine Frage hätte ich da (mal wieder ):

                      So ne Woche nach der Krise im November ging es mir ja für 2-3 Wochen ca. ziemlich gut, ich hab mich ziemlich normal gefühlt, hatte ich hier ja auch geschrieben. Dachte schon, ich wär richtig über den Berg und hatte schon überlegt, wann und wie ich das Citalopram absetzen könnte.

                      Speziell in den letzten 2 Wochen ist's aber so, daß ich mich speziell morgens beim Aufstehen und auch im Laufe des Vormittages doch immer tendenziell etwas weniger gut fühle. Nicht ausgesprochen schlecht. Aber doch etwas bedrückter, was dann auch wieder zu mehr Grübeleien führt.
                      So ab Mittag herum legt sich das dann langsam, nachmittags und abends fühle ich mich zumeist "normal".


                      Wodran könnte das liegen?

                      => Ich hab (offenbar) ne Mid-Life-Crisis mit Hang zu depressive(re)n Phasen, ok. Aber im November / Dezember - hab ich den Eindruck - ging es mir gleichmäßig etwas besser / "normaler", und jetzt, wo es schon länger her ist und ich die Citalopram seit gut 4-5 Wochen wirklich ohne Unterbrechung durchnehme, fühlt es sich wie beschrieben etwas "schlechter" an...

                      Hätte doch eher erwartet, daß ich mich weiter stabilisiere, dazumal ich ja in den letzten Monaten auch einige Erkenntnisse gewonnen und Dinge verändert habe, die mich doch irgendwo auch motiviert haben und weiter motivieren, daß diese Phase auch wieder ein Ende haben wird.

                      Verstehe das grad nicht so richtig...

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                      • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                        Moin Alex,

                        das ist vollkommen normal.

                        Du musst das insgesamt sehen, das Ganze über einen längeren Zeitraum.
                        Dann siehst du das du seltener eine schlechte Stimmung hast, die besseren Phasen sind mehr geworden und halten auch länger an.
                        Eigentlich ist es das was interessiert, ob du dich morgens schlechter fühlst und es bis vor kurzem nicht so war ist gar nicht so aussagekräftig, denn wenn du die letzten Monate auf einmal betrachtest ist es eindeutig besser geworden und es wird sicherlich "insgesamt" weiter bergauf gehen.
                        Ich denke mal das es dir morgens, im Gegensatz zu vorher, auch besser geht. Eine Zeit lang ging es dir sogar gut, aber es ist nun mal so das es einem nicht durchgehend gut geht und eine niedergedrückte Stimmung kommt immer mal wieder durch, was einfach so ist und die zeigt sich sogar bei vielen besonders am Morgen.

                        Das Medikament kann dir nicht eine durchgehend gute Stimmung bescheren, da diese schwankt, das ist auch bei gesunden so. Also schwankt auch die Wirkung des Medikaments da man es gar nicht so gut einstellen kann das es alle Veränderungen auffängt, denn es kann sich ja nicht automatisch daran anpassen und mehr wirken wenn es schlechter geht und weniger wenn es gut geht.
                        Wie gesagt, das die Stimmung abfällt haben viele Menschen, gerade am Morgen. Vielleicht ist auch gerade so eine Phase in der es etwas schlechter geht und die Medikamente fangen das auch ganz gut auf, aber eben nicht durchgehend und kontinuierlich perfekt.
                        Ich denke mal das es auch gerade um diese Tageszeit so ist weil man da noch nicht richtig in die Gänge gekommen ist, im Laufe des Tages wird man motivierter und kann das ein wenig beeinflussen, nach dem Aufstehen ist mal halt noch nicht so fit das man es so gut unter Kontrolle hat und auch so gut abgelenkt ist, wie später am Tag.

                        Es ist ja auch ganz einleuchtend das es so ist, wenn man es von der anderen Seite aus sieht.
                        Ich gehe jetzt mal von mir aus: "Auch" wenn ich keine Medikamente nehme, habe ich habe sehr oft über den Tag verteilte Phasen in denen es mir durchaus auch mal besser geht und leider auch wieder schlechter, das wechselt manchmal in sehr kurzen Abständen.
                        Weshalb sollte ich dann annehmen das Medikamente einfach so dafür sorgen können das es keine Phasen mehr gibt, zumal auch gesunde wechselnden Stimmungen ausgesetzt sind?

                        Wenn ich ein Medikament nehme ändert sich nichts daran das meine Stimmung auf und ab geht, beim Auf ist alles in Ordnung, beim Ab fällt mir natürlich auf das es schlechter geht, solche Schwankungen nach unten machen sich nun mal mehr bemerkbar, das kann ein Medikament nicht vollkommen abstellen.
                        Je nachdem wie es dir ohne Medis gerade gehen würde fallen diese Ab´s mal schwächer, oder gar nicht merklich aus, oder auch vordergründiger was Angst macht wieder in ein Loch zu fallen, das ist aber mit Antidepressiva nicht abzustellen, eben weil sich das Medikament nicht den Stimmungen anpasst sondern selber immer den gleichen Spiegel hat, egal ob es dir gerade besser oder schlechter geht. Das merkt man natürlich auch da es nicht die ganze Bandbreite der Stimmungsschwankungen abdecken kann, es hält sie aber in Schach.
                        Wenn die Medis kontinuierlich so wirken würden das es dir durchgehend gut ginge, dann hieße das das du selber keinerlei Stimmungsschwankungen hast, oder sich diese nur in einem festen Rahmen bewegen der von dem Medikament gut abgedeckt wird, sie können aber nicht deine gesamte Stimmungspallette abdecken und so bist du halt immer noch gewissen Schwankungen ausgesetzt. Die sind aber dann händelbarer als wenn du kein Medikament nehmen würdest, du kannst klarer denken und versuchen das bewusst zu beeinflussen, was du ja auch tust.

                        Lange Rede kurzer Sinn;-) Alles im grünen Bereich bei dir, auch das es morgens schlechter als später am Tag geht, ist absolut normal.
                        Ich hoffe du konntest mir folgen, manchmal verzettel ich mich ohne es zu bemerken und dann passt es nicht mehr so wie es gedacht war.:-)

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                        • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                          "..daß ich mich speziell morgens beim Aufstehen und auch im Laufe des Vormittages doch immer tendenziell etwas weniger gut fühle. "

                          Das kann einen sehr plausiblen neuro-physiologischen Grund haben: In der Nacht ist die Serotoninversorgung oft zu niedrig, braucht einige Stunden am Vormittag, um in Gang zu kommen. Daher fühlt man sich morgens etwas antriebsgemindert und in der Stimmung beeinträchtigt.
                          Über die sogenannte Hypothalamus-Hypophysen-Achse kann man da Einfluss nehmen.
                          Es hilft z.B. recht verlässlich das sogenannte Orthostase-Programm, dass ich kürzlich hier schon mal beschrieben habe. Wenn Sie es nicht finden, bitte Bescheid geben.

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                          • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                            Hab's gefunden, denke ich:
                            Da schreibe ich mal im Telegrammstil:

                            Orthostase-Syndrom = Absinken des Blutdrucks
                            macht ähnliche Symptome. ausgelöst durch "Versacken" des Blutes in die Bein- und Beckenvenen. Lässt sich schwer nachweisen, Hilfe: Beine hoch heben und radfahrähnliche Bewegungen machen.
                            Ist es das?

                            Ansonsten geht's mir grad im Tagesverlauf mal wieder kontinuierlich schlechter:
                            Wir haben gemütlich gefrühstückt, waren mit dem Kleinen auf dem Spielplatz, haben blauen Himmel, die Sonne scheint - und ich verrenn mich wieder in meine negativen Grübeleien, zweifle daran, das jemals in den Griff zu kriegen, verstehe mal wieder nicht, warum es nicht besser wird - und prompt steigt seit ner Viertelstunde etwa dieses blöde "Depri-Gefühl" in der Brust wieder hoch.
                            Ich hätte eigentlich allen Grund, mich gut und motiviert zu fühlen - und ich fühl mich eher demotiviert und hab Angst, daß der Antrieb wieder aus geht.

                            Verflixt noch eins - was ist los mit mir?
                            Klar bin ich nie ein Quell übersprudelnder Lebensfreude und Optimismuses gewesen. Aber sind meine bisherigen "Glas-halb-leer"-Muster wirklich so tief eingegraben, daß ich da immer wieder abrutsche?
                            Warum helfen mir die bisher gewonnenen Erkenntnisse - zu hoher Perfektionismus, Kontrollzwang, Negativ-Affirmations-Spirale, Mid-Life-Crises - und die ganzen Dinge, die ich schon begonnen habe zu ändern, nicht, daß es - zwar langsam vielleicht - aber kontinuierlich bergauf geht?

                            Dazumal es an diesem Wochenende - speziell heute - auch meine Frau wieder enorm streßt, daß ich mich nicht gefangen kriege... :/
                            Und zudem steht sie grad in der Küche und gibt sich tierisch Mühe mit dem Essen - und ich weiß noch nicht mal, ob ich nen Bissen runterbekommen werde...

                            Ich möchte doch nur mein "normales" Leben zurück.

                            Ist das wirklich nur ne Mid-Life-Crisis? Ist das normal, daß man dabei solche Motivations- und Antriebsstotterer hat?

                            Warum wirkt meine positive Affirmation nicht dauerhaft...?

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                            • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                              Warum wirkt meine positive Affirmation nicht dauerhaft...?
                              Weils halt seine Zeit dauert und durch die Erkenntnis was zu tun ist, ist ein Anfang gemacht aber noch nicht der Krieg gewonnen.
                              Weil du eine Erkrankung hast die immer mal wieder schlechter wird und deine positiven Gedanken und Unternehmungen verlieren offensichlich all ihre Wirkung sobald es mal wieder schlechter wird, dann siehst du nur noch die momentane, schlechtere Verfassung.
                              Bei Depressionen ist der schwierigste Faktor die nötige Geduld aufzubringen und auch zu lernen die kleinen Erfolge zu sehen, sich darüber zu freuen. Es geht bei einer solchen Erkrankung fast immer nur in kleinen Schritten voran, es gibt fast immer wieder schlechtere Tage, wenn man das hinnimmt und darauf vertraut das sich die Wolken auch wieder verziehen wird es ein Stück leichter.
                              Dein Beitrag kommt mir so vor als würdest du deine Gegenmaßnahmen wie eine starke Medizin sehen, nicht eine die es einem langsam besser gehen lässt, sondern eine die du eine Zeit lang nimmst und sobald sie wirkt bist du kontinuierlich und für immer geheilt und Rückschläge nicht mehr möglich, wenn sie doch kommen sind sie gefährlich und verderben alles bisher erreichte.
                              So ist das aber nicht, das Erreichte wird sich fortsetzen, aber die "Rückfälle" musst du als Bestandteil deiner Erkrankung akzeptieren und damit leben, auch die werden weniger werden aber nicht im Zeitraffer, sondern oftmals in Zeitlupe. Selbst nach Wochen der Beschwerdefreiheit kann es einem mal wieder mies gehen, da muss man durch und am Besten begegnet man dem wenn man sich möglichst wenig beeindrucken lässt und "nicht" damit beginnt alles was so gut klappte infrage zu stellen. Dir fehlt die Geduld und wenn du eine schlechtere Zeit hast scheint dir auch der Blick für das was du schon erreicht hast verloren zu gehen, aber gerade das solltest du dir in solchen Zeiten so bewusst wie möglich machen.

                              Der Satz sagt eigentlich alles aus:

                              "und ich verrenn mich wieder in meine negativen Grübeleien, zweifle daran, das jemals in den Griff zu kriegen, verstehe mal wieder nicht, warum es nicht besser wird - und prompt steigt seit ner Viertelstunde etwa dieses blöde "Depri-Gefühl" in der Brust wieder hoch.
                              Ich hätte eigentlich allen Grund, mich gut und motiviert zu fühlen - und ich fühl mich eher demotiviert und hab Angst, daß der Antrieb wieder aus geht."

                              Sobald ein Tief kommt erliegst du ihm, vergisst das es durchaus schon Fortschritte gab, du willst zu viel auf einmal und das alles möglichst sofort.
                              Der Hemmschuh ist auch das du dem Ganzen zu viel Aufmerksamkeit schenkst, eine viertel Stunde hast du eins schlechtes Gefühl und schon nimmt es einen Raum ein der viel zu groß ist.
                              Alles was du gegen deine Depris machst ist richtig und gut, aber die Ergebnisse die du verlangst sind zu hoch gesteckt und die Gesamtergebnisse scheinen nicht mehr zu zählen, wenn eine schlechtere Phase kommt.
                              Du steigerst dich dann in ein Schreckensszenario hinein, was bewirkt das es dir noch schlechter geht.

                              Hat deine heutige Stimmung vielleicht auch etwas damit zu tun das morgen Montag ist?

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                              • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                Dein Beitrag kommt mir so vor als würdest du deine Gegenmaßnahmen wie eine starke Medizin sehen, nicht eine die es einem langsam besser gehen lässt, sondern eine die du eine Zeit lang nimmst und sobald sie wirkt bist du kontinuierlich und für immer geheilt und Rückschläge nicht mehr möglich, wenn sie doch kommen sind sie gefährlich und verderben alles bisher erreichte.
                                An Deiner Vermutung ist was wahres dran, glaube ich, wenn ich so drüber nachdenke...

                                beginnt alles was so gut klappte infrage zu stellen. Dir fehlt die Geduld und wenn du eine schlechtere Zeit hast scheint dir auch der Blick für das was du schon erreicht hast verloren zu gehen, aber gerade das solltest du dir in solchen Zeiten so bewusst wie möglich machen.
                                Du sagtest es ja weiter oben selbst: Offenbar scheint gerade das mit der Geduld das schwierigste daran zu sein.

                                Der Satz sagt eigentlich alles aus:
                                "und ich verrenn mich wieder in meine negativen Grübeleien, zweifle daran, das jemals in den Griff zu kriegen, verstehe mal wieder nicht, warum es nicht besser wird - und prompt steigt seit ner Viertelstunde etwa dieses blöde "Depri-Gefühl" in der Brust wieder hoch.
                                Ich hätte eigentlich allen Grund, mich gut und motiviert zu fühlen - und ich fühl mich eher demotiviert und hab Angst, daß der Antrieb wieder aus geht.
                                Sobald ein Tief kommt erliegst du ihm, vergisst das es durchaus schon Fortschritte gab, du willst zu viel auf einmal und das alles möglichst sofort.
                                Der Hemmschuh ist auch das du dem Ganzen zu viel Aufmerksamkeit schenkst, eine viertel Stunde hast du eins schlechtes Gefühl und schon nimmt es einen Raum ein der viel zu groß ist."
                                Naja, n bissel mehr als Viertelstunde hat's insofern schon gedauert, als ich wahrscheinlich insgesamt schon wieder viel zu viel darauf lauere, wann's mir wieder schlechter gehen könnte. Also eher das, was Dr. Riecke oben auf der Seite vermutete. Damit ist dann der Sache genug Vortrieb gegeben, daß dann 2-3 Stunden reichen, um mich verrückt zu machen, und dann kommt ne Viertelstunde später wieder das "Depri-Gefühl".
                                Wie gesagt: Also mehr als ne Viertelstunde, am vom Gru

                                Alles was du gegen deine Depris machst ist richtig und gut, aber die Ergebnisse die du verlangst sind zu hoch gesteckt und die Gesamtergebnisse scheinen nicht mehr zu zählen, wenn eine schlechtere Phase kommt.
                                Du steigerst dich dann in ein Schreckensszenario hinein, was bewirkt das es dir noch schlechter geht.
                                Jepp, auch das dürfte vollkommen richtig sein.

                                Hab mich eben noch mit meiner Frau unterhalten:
                                Wahrscheinlich wirken da wirklich auch viel Verhaltensweisen und Vorgaben meiner Eltern und auch von ihr, als der Kleine noch ein Baby war, hinein. Ich überleg mir zum Beispiel, was ich schönes machen könnte. Und nen Sekundenbruchteil später kommt mein innerer Zweifler und sagt: "Ach, wozu denn, macht wahrscheinlich eh keinen richtigen Spaß, so richtig Lust hab ich da drauf auch nicht, und überhaupt isses auch egal." Nur daß er das nicht bei ein oder zwei Dingen sagt, sondern eigentlich bei allen, permanent. Meine Frau brachte mich dann auf den Gedanken, daß das eigentlich die Worte meines Vaters sind. So argumentiert er nämlich in den letzten 15-20 Jahren bei fast allem, nahezu immer, wenn mir miteinander telefonieren oder uns sehen, fallen solche Worte in dieser oder ähnlicher Form.
                                Naja, und als der Kleine noch klein war, bin ich eben auch sehr stark eingeschränkt gewesen. Hab meine Frau unterstützt usw, normal eben.
                                Aber da sich auch mein Freundeskreis räumlich entfernt hat und die beiden Freunde, die am Ort wohnen, mehr mit sich selbst beschäftigt sind, fehlen mir mittlerweile wahrscheinlich auch viele Aktivitäten, die ich früher gern gemacht habe und wahrscheinlich irgendwo brauche.

                                Meine Frau meinte: "Dieses Kein-Bock und Egal bist eigentlich nicht Du, so wie ich Dich kenne. Du bist jetzt auch nicht der Hans-Dampf gewesen, aber doch etwas aktiver. Und das fehlt Dir womöglich, und damit kommst Du nicht zurecht. Du würdest gern etwas machen, unternehmen, etc., und im gleichen Moment kommen meine Stimme, als der Kleine noch ein Baby war, und die Deines Vaters und machen die Motivation wieder kaputt. Das macht Dich unglücklich."
                                "Aber erstens ist der Kleine mittlerweile größer; jeder von uns kann 1-2x die Woche etwas für sich machen. Und Dein Vater ist Dein Vater und nicht Du. Also mach Dich locker, Du hast alle Möglichkeiten."

                                Naja...
                                ... nur irgendwie fühlt sich das nicht so an, als ob ich alle Möglichkeit hätte. Allein schon, weil wir durch den Kleinen in den Unternehmungen ja doch eingeschränkter sind. Und weil eben mein Freundeskreis sich ziemlich verlaufen hat. Und immer etwas allein zu machen, find ich jetzt auch nicht so prickelnd.

                                Andererseits bin ich aktuell wahrscheinlich kein allzu guter Gesellschafter. Wenigstens geht mir mein Thema immer wieder durch den Kopf, oder ich bringe es früher oder später sogar zur Sprache.

                                Irgendwie ätzend... ich frag mich schon die ganze Zeit, worüber ich mich früher mit den Leuten unterhalten habe...

                                Hat deine heutige Stimmung vielleicht auch etwas damit zu tun das morgen Montag ist?
                                Hmmm. Ich denke nicht.
                                Oder vielleicht nur, weil der Montag morgen etwas anders ablaufen wird: Hab um 8h45 endlich den Termin beim Psychiater, den ich vor drei Monaten ausgemacht hatte. Mit Wartezeit.
                                Und danach dann doch weiter ins Büro, wo eigentlich ein ganztägiger Workshop für die Führungsriege der Abteilung stattfindet. Mein Chef war mittelmäßig begeistert, als ich ihm sagte, daß ich vorher noch nen Arzttermin habe...

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                                • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                  Und nen Sekundenbruchteil später kommt mein innerer Zweifler und sagt: "Ach, wozu denn, macht wahrscheinlich eh keinen richtigen Spaß, so richtig Lust hab ich da drauf auch nicht, und überhaupt isses auch egal." Nur daß er das nicht bei ein oder zwei Dingen sagt, sondern eigentlich bei allen, permanent.
                                  Das sind ganz typische Gedanken die man bei solchen Tiefs hat und genau deshalb fällt es auch noch schwerer dem etwas entgegenzusetzen.
                                  Es wäre ja wirklich kein Beinbruch eine Depression zu haben wenn man einfach umdenken könnte, das ist aber leider sehr schwer.

                                  Vielleicht sind die Worte deines Vaters auch Ausdruck einer Depression?

                                  Jedenfalls hast du sie registriert und sie passen genau auf deine Stimmung.
                                  Es liegt aber, denke ich, nicht nur daran das dein Vater dir diese Worte ins Gedächtnis gelegt hat, denn so ziemlich jeder Depressive hat fast identische Gedankengänge im Bezug auf das "Wieso sollte ich das tun wo es doch so sinnlos ist".
                                  Nicht umsonst werden Depressionen mit Worten wie, Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Antriebslosigkeit usw. beschrieben, das sind zwar nicht die richtigen Begriffe für das "Gefühl" der Depression (ich finde das ist absolut unbeschreiblich, ohne Worte), aber für die Folgen, unter denen sich man dann etwas greifbareres vorstellen kann.
                                  Du denkst vielleicht das es bei anderen anders ist, einfacher und klarer, weil es auch klarer beschrieben wird was da vor sich geht. Das ist aber meiner Meinung nach ein großer Irrtum, es wird nur klarer beschrieben weil man sich auf eine Wortwahl festgelegt hat die andere auch nachvollziehen können, der eigentliche innere Kampf und Schmerz, das Gefühl das von einem Besitz ergreift kann nicht vollkommen zutreffend beschrieben werden.
                                  So denkt man das es bei einem selber anders, langwieriger oder komplizierter ist und nicht mehr weg geht, dabei ist es bei allen sehr ähnlich, es fehlen nur die wirklich treffenden Beschreibungen in denen man sich vollkommen wieder findet, aber wo sollen die her kommen wenn man selber gar nicht weiß wie man es beschreiben soll.

                                  Ich will damit sagen das dein Denken und Fühlen in deiner Situation vollkommen normal ist und du möglicherweise nur daran zweifelst weil du nirgends eine Beschreibung findest die richtig auf dich passt und es selber nicht so gut beschreiben kannst, so das du denkst das es andere falsch einschätzen und eine falsche Vorstellung davon haben.
                                  Das ist aber nicht so weil es allen anders geht als dir, sondern eher weil es ihnen fast genauso geht und nur das ganze Gefühls und Denkspektrum nicht einfach in Worte zu fassen ist, also kommen Beschreibungen und Äußerungen heraus die harmloser erscheinen als das was wirklich gefühlt wird und gemeint ist.
                                  Es wird aber verstanden und deshalb gibt es auch erfolgreiche Therapiemöglichkeiten die sich aus Medikamenten, Psychotherapie und Eigeninitiative zusammensetzen, nur das Umsetzen ist halt schwerer als man vermuten würde und verhältnismäßig auch langwierig, auch weil einen die schlechten Tage immer mal wieder etwas zurück werfen.

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                                  • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                    "Ist es das?"

                                    Ja, gut gesucht.

                                    Selbst wenn Sie keine typischen Orthostase-Symptome bei sich bemerken, sind die Übungen sehr sinnvoll - auch bei Antriebsminderung und Stimmungstief. Den Wirkungsmechanismus erkläre ich später, wenn unbedingt gewünscht (sehr umfangreich).
                                    Aber Sie sollten es probieren. 2 Wochen genügen, um den Effekt deutlich zu merken, dann macht man aus eigenem Antrieb sowieso weiter und möchte nicht mehr darauf verzichten.

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                                    • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                      Hallo nochmal,

                                      zunächst - ich kann's nicht oft genug schreiben - nochmals vielen vielen Dank an Sie und Dich Tired. Die Antworten, die ich von Ihnen/Dir erhalte, sind wirklich super und hilfreich

                                      Vielleicht sind die Worte deines Vaters auch Ausdruck einer Depression?
                                      Aufgrund meiner neueren Erfahrungen meiner Meinung nach: Ganz eindeutig JA.
                                      Aber das Thema ist schwierig bei ihm, wie bei vielen aus der 1950er-Generation: Männer sind stark, Männer weinen nicht, Männer machen das mit sich selbst aus.
                                      Er hat sich zwar soweit offenbar gut im Griff und wahrscheinlich auch besser als ich. Aber ändert meiner Meinung nach nichts daran, daß er eine hat. Wahrscheinlich hat er nur von Kindesbeinen an besser gelernt, sich mit sowas und sich selbst zu arrangieren. Who knows...?

                                      Würde jetzt aber zu weit führen, das auszuwalzen

                                      Jedenfalls hast du sie registriert und sie passen genau auf deine Stimmung.
                                      Es liegt aber, denke ich, nicht nur daran das dein Vater dir diese Worte ins Gedächtnis gelegt hat, denn so ziemlich jeder Depressive hat fast identische Gedankengänge im Bezug auf das "Wieso sollte ich das tun wo es doch so sinnlos ist". ...
                                      Du denkst vielleicht das es bei anderen anders ist, einfacher und klarer, weil es auch klarer beschrieben wird was da vor sich geht. Das ist aber meiner Meinung nach ein großer Irrtum, es wird nur klarer beschrieben weil man sich auf eine Wortwahl festgelegt hat die andere auch nachvollziehen können, der eigentliche innere Kampf und Schmerz, das Gefühl das von einem Besitz ergreift kann nicht vollkommen zutreffend beschrieben werden. ...
                                      So denkt man das es bei einem selber anders, langwieriger oder komplizierter ist und nicht mehr weg geht,
                                      Ganz im Gegenteil! Ich will's mal so herum ausdrücken und entschuldige mich schon jetzt für den religiösen Vergleich:
                                      Aber nach allem, was ich gelesen und an mir erfahren habe, habe ich offenbar / hoffentlich nur eine leichte depressive Episode (warum will ich immer zuerst EpiDoSe schreiben ) - und das kam mir schon wie die Hölle vor. Da ich aber eben weiß, daß es weitaus schlimmer und andauernder sein kann - sonst würd's ja auch keine Suizidversuche geben -, war das bei mir wahrscheinlich nur der Vorhof zur Vorhölle oder so...

                                      Kurzum: Mir hat's gereicht, ausreichend eben, um mir Angst vor weiteren Wiederholungen zu machen. Und Du hast vollkommen recht: Der Seelenschmerz, den man empfindet, läßt sich nicht beschreiben oder in Worte fassen. Hab's am Freitag bei nem Bürokollegen versucht, der mich fragte, wie sich diese Akku-leer und die wahrhaft schmerzende Verzweiflung angefühlt hätten. Ich hab's am Ende damit zusammengefaßt, daß ich ihm gewünscht habe, daß er so etwas hoffentlich nie erleben muß.

                                      Deswegen:
                                      Gerade jetzt im Augenblick kann ich wieder klarer denken - war 45 Minuten laufen und hab geduscht -, und sehr vielen Depressionspatienten dürfte es um einiges schlechter gehen als mir. Immerhin kann ich noch versuchen, ambulant damit fertigzuwerden.

                                      Und ich denke schon - auch wenn die Worte bei jedem Depressiven ähnlich oder genauso klingen -, daß mein Vater mir da unabsichtlich durchaus nen gewissen Keim gelegt bzw. vorgelebt hat. Hat jetzt nichts mit Vorwürfen zu tun - aber Blut ist dicker als Wasser, mal wieder (s. auch meine Mutter weiter oben).



                                      Ansonsten hab ich mich grad wieder ganz gut gefangen, und sowohl beim Laufen als auch beim Duschen bin ich, glaube ich, der / einer Wurzel meines ganzen Problems etwas besser auf den Grund gegangen:

                                      Mein innerer Zweifler scheint (wenigstens teilweise) mein inneres Kind zu sein, daß nach etlichen Enttäuschungen in den letzten 3-5 Jahren zunehmend beleidigt in der Ecke sitzt und den Trotzkopf spielt.

                                      Wie komme ich darauf?

                                      => Ich bin vergleichsweise introvertiert, Beziehungen und Freundschaften zu schließen, fällt mir nicht gerade allzu leicht, aber ich definiere mich und mein Selbstwertgefühl wahrscheinlich überdurchschnittlich stark über die (positive) Aufmerksamkeit, die ich von Frau, Familie, Freunden und Bekannten erhalte. Schon immer, schon zu Schulzeiten und auch danach. Paßt "super" zusammen => Introvertiert, schwer Freunde finden, aber danach das Selbstwertgefühl ausrichten.

                                      Ich hab meiner Frau eben noch von nem Freund in der 8. Klasse erzählt, der zum Halbjahreswechsel quasi von einem Tag auf den anderen (nach den Halbjahresferien) absolut nichts mehr von mir wissen wollte. Das hat damals ziemlich an meinem Ego gekratzt, hab bis heute nicht verstanden, was da passiert ist. Nicht, das mir das jetzt täglich nachginge - nur als Anekdote.

                                      Auf jeden Fall hat sich mein Leben auf diesem Sektor in den letzten 5,6,7 Jahren massiv geändert:

                                      1. Vor rund 7 Jahren noch in Aachen vor unserem Umzug 70km weiter weg (aus beruflichen Gründen) waren auch mit dem Freundeskreis spontane Treffen und Unternehmungen deutlich häufiger. Wir kannten uns vom Studium her, wir kannten die Stadt und die Stammkneipe, die Lieblingspizzeria etc. - und wenn man was machen wollte, hat es häufig ausgereicht, vormittags anzurufen, und dann haben wir uns nachmittags schon getroffen. Spontan Eis-essen nach der Pizza? => Kein Problem.
                                      Dann kam erst unser Umzug, kurz darauf der des einen Freundes nach Düsseldorf, und ein dritter hat sich an den Bodensee begeben - nicht gerade um die Ecke, um sich einmal in der Woche zu treffen. Lediglich einer ist noch in Aachen geblieben - aber bis dahin sind's eben auch 70km.
                                      Enttäuschungen für mein inneres Kind - das will eigentlich mit den Kumpels "spielen"

                                      2. Der Freund, der nach Düsseldorf ging, wohnt mit seiner Frau mittlerweile seit rund 3-4 Jahren auch in der Nähe, 2km oder so. Sind extra wegen uns hierher gezogen. Aber die beiden sind mit ihrem eigenen Leben so beschäftigt und immer wieder verplant, daß gemeinsame Unternehmungen immer seltener stattfinden. Selbst ein spontaner oder auch geplanter Bastel(nachmit)tag ist schon so selten wie Weihnachten geworden, obwohl ich mehrfach im Jahr nachfrage. Nicht, daß er gar nix mehr mit mir zu tun haben wollte - aber er und seine Frau haben eben fast immer was anderes "besseres" vor. Und in nem halben Jahr kriegen sie ihr erstes Kind... Immerhin spielen wir noch ca. 1x pro Woche über's Internet für ne halbe Stunde bis Stunde World of Tanks. Freitag haben wir uns zum Football spielen (Playstation) und Star Wars gucken bei ihm getroffen. Aber mehr ist kaum drin, und irgendwie sind auch diese Termine in letzter Zeit zunehmend ein Ringen. Naja, kaum ein Wunder, wenn die beiden ein Kind erwarten, ok, klar. Aber:
                                      Enttäuschungen für mein inneres Kind - das will mit dem Freund "spielen" / basteln.

                                      3. Ich hab nen total netten Arbeitskollegen, wir sind seit gut 3 Jahren oder so befreundet. Haben ne Zeitlang Badminton gespielt, bis er nen Bandscheibenvorfall hatte, und treffen 1x alle 1-2 Wochen zum Mittagessen. Und er kennt auch meine Probleme. Aber er wohnt in der Nähe der Firma - 40km von hier. Für ein Feierabendbierchen fast schon zu weit. Dazumal auch er Familie mit 2 Kindern hat. Auf meine Andeutung bzw. Angebot, daß wir uns auch mal abends nach der Arbeit auf nen Kaffee oder so treffen könnten, ist er bis jetzt noch nicht eingegangen.
                                      Enttäuschung für mein inneres Kind - das will doch mal wieder Badminton spielen, quatschen, etc.

                                      4. Zuguterletzt: Noch vor rund 4 Jahren konnten meine Frau und ich spontan etwas gemeinsam unternehmen, ich mußte sie mit niemandem teilen. Jetzt ist da der Kleine... Selbst die schönen, ruhigen Fernsehabende sind mittlerweile seltene Mangelware, weil derjenige von uns beiden, der den Kleinen ins Bett bringt, dabei meistens selbst so weit eingelullt ist, daß er sich nicht mehr aufraffen kann... Wenigstens mir geht das mittlerweile meistens so, meiner Frau aber auch manchmal.
                                      Enttäuschungen für mein inneres Kind - das will doch auch mal wieder umsorgt werden und daß ich mit meiner Frau was schönes mache - und wenn's nur TV-gucken ist.


                                      Was in dem Zusammenhang vorhin nach dem Laufen richtig gut tat: Ich bin nach Hause gekommen, meine Frau und der Kleine saßen aneinandergekuschelt auf dem Sofa und hörten das Hörspiel "Grüffelokind" (ja, das heißt so ) - und meine Frau sagte lächelnd zu mir: "Komm doch her, kuschel mit." Da ging mir irgendwie das Herz auf. Meinte zwar, ich müßte erst duschen gehen, aber meine Frau meinte dann weiter lächelnd: "Ach was, kannst Du auch gleich noch machen." Also hab ich mir nur fix andere Sachen angezogen und mich dann zu den beiden / zu ihr auf's Sofa gekuschelt. Dabei durchgeatmet, meine Frau streichelte mich ein wenig - und ich konnte beinahe körperlich spüren, wie das, was von meinem Depri-Gefühl nach dem Laufen noch übrig war bzw. zurückkommen wollte, mit jedem Atemzug weniger und weniger wurde.

                                      Und jetzt sitze ich hier und fühle mich zu 90-95% normal


                                      Aber ich hab das Gefühl, ich bin einer tieferen Wurzel meiner Depri beigekommen. Diese Themen - Freunde, Bekannte - beschäftigt mich nämlich eigentlich auch schon seit längerem, und ich hatte ja auch eingangs mal geschrieben, daß mir Anerkennung und Zuwendung von anderen sehr wichtig ist.
                                      Wenn ich jetzt noch berücksichtige, daß mir die beiden Saunabesuche mit dem Freund aus Bonn und meinem Bruder sehr gut taten, könnte in dieser Richtung offenbar echt das Übel liegen.

                                      Alles übrige, was ich bisher analysiert habe, spielt da wahrscheinlich mehr oder weniger stark als Katalysator mit rein (Perfektionismus & Kontrollzwang - es läuft eben nicht so, wie ich / mein inneres Kind das will). Oder ist mehr ne Konsequenz bzw. Folgesymptom aufgrund der Unzufriedenheit (negative Gedankenketten, negative Affirmation, etc. - wenn eh alles nicht so läuft, wie ich / mein inneres Kind das will, dann hat das auch alles keinen Sinn mehr).


                                      Nur: Wie krieg ich das beseitigt oder relativiert?

                                      Der Freundeskreis ist nunmal weiter verteilt als ehemals, die beiden Freunde hier am Ort kann ich kaum stärker zwingen, gemeinsam etwas zu unternehmen, und mit dem Kleinen ist die traute Zweisamkeit in der ehemals "gewohnten" Häufig- und Regelmäßigkeit eben Geschichte. Ein Babysitter findet sich jetzt auch nicht immer. Und selbst für nen TV-Abend müßte zumindest ich mal meinen inneren Schweinehund überwunden bekommen, der aktuell abends lieber neben dem Kleinen einschlafen möchte - wozu um 20h30 / 21h00 noch für ne Stunde aufstehen...?

                                      Hab schon überlegt, hier in nen Tennisverein oder so zu gehen.
                                      Aber mal abgesehen davon, daß der Sport sicher guttut, ist das irgendwie nicht das gleiche. (Da scheint wieder der Zweifler durch...)

                                      Wie kann ich mich mit meinem inneren Kind arrangieren?
                                      Und geht das irgendwann irgendwie auch von allein wieder, wenn ich mit der Zeit mehr und mehr Dinge akzeptiere? Oder muß ich da aktiver drangehen?

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                                      • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                        Das sich Freundschaften verlaufen gehört leider irgendwie dazu, ich habe da auch Probleme und der harte Kern meiner Freunde besteht immer noch aus Jugendfreunden.

                                        Geselligere Menschen haben da oft eine Art Fluktation, lernen ständig neue Leute kennen und haben nicht so Probleme wenn wieder welche wegfallen.
                                        Deshalb finde ich deine Idee vom Verein gar nicht schlecht, nicht in erster Linie wegen dem Sport, sondern eher weil du dort neue Kontakte knüpfen kannst. Wenn der Verein auch noch am Ort ist, oder in der Nähe, dann lernst du Menschen kennen die greifbarer für ein Feierabendbierchen sind.

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                                        • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                          "..weil du dort neue Kontakte knüpfen kannst. "

                                          Besonders kommunikativ sind Gruppensportarten wie Volleyball. Es geht da auch gemischt und nicht immer so verbissen und ernsthaft zu wie oft im Badminton, wo man schnell in eine Rangliste gedrängt wird und Leute nicht immer gern gesehen sind, die sich "nur mal richtig bewegen" wollen, aber bei dem hallenintensiven Sport anderen den Platz weg nehmen.

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                                          • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                            Ja, so in der Richtung waren eben auch meine Überlegungen. Wobei Volleyball oder Basketball weniger meins ist, zumindest von Schulzeiten her. Ich spiele gern Fußball, aber auch nur leidlich gut... mehr Enthusiasmus als Können
                                            Mal sehen... grundsätzlich hab ich auch nichts gegen Ranglisten, solange es eben nicht zu verbissen zur Sache geht.

                                            Ansonsten geht's mir heute besser als gestern. Hab zwar den ganzen Vormittag und den frühen Nachmittag immer mal wieder Anflüge "uff, wozu das alles," etc. Aber ich hab mich heute besser im Griff als gestern. Ist nur echt erstaunlich: Es gibt Phasen, da fällt mir das Positiv-Denken relativ leicht, und der Depri-Anflug verzieht sich dann auch zügig; dann wieder fällt's mir etwas schwerer, 1-2 weniger gute Gedanken, um prompt kommt das Depri-Gefühl zurück. Grad heute hab ich echt den Eindruck, als könnte ich's rufen und wegschicken, fast so wie ich es wollte. Mag blöd klingen.


                                            Der Psychiater-Termin heute Morgen war irgendwie wenig ergiebig:
                                            Das wesentliche Kern-Resultat war, daß er aufgrund meiner Schilderungen und aktueller Stimmung meinte, ich hätte rezidive Depressions-Episoden, und ich sollte die Citalopram um 10 auf 30mg erhöhen. Das für 3 Wochen, gucken ob's reicht, und dann ggfs. nochmal um 10 auf 40mg erhöhen. Folgetermin in 6 Wochen am 20. März. Ansonsten kognitive Verhaltenstherapie mit meinem PT (er selbst hat aktuell allerdings keine Zeit und Termine frei, weitere PT-Patienten aufzunehmen). 70% aller Menschen seien harmonie-bedürftig; (tiefenpsychologische) Ursachenanalyse sei im Augenblick aufgrund meiner schwankenden Stimmungslage wenig sinnvoll und hilfreich (wortwörtlich "vielleicht ist in Ihrer Kindheit auch Ihr Hamster gestorben").
                                            Irgendwie komisch... einerseits scheint er mit schwer kompetent und fix zu sein mit seinen Analysen und Diagnosen; andererseits fehlt mir irgendwie so n bissel das zusammenhängende Futter dahinter. Auf den Gedanken, die Citalopram-Dosierung zu erhöhen, bin ich in der letzten Zeit auch schon gekommen... :/
                                            Neurologisch alles in Ordnung.
                                            Aber ich hatte mehr erwartet.

                                            Allerdings hab ich meine Zweifel: Eigentlich will ich die CP-Dosis nicht erhöhen. Die 20 mögen aktuell nicht optimal sein. Aber mit 20 ging's mir auch schon sehr gut. Es schwankt eben. Und je höher die Dosis nachher ist - bis 40 -, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit potentieller NW'en und die Zeit des Ausschleichens später inkl. der Absetzreaktionen.
                                            Deshalb würde ich eigentlich erstmal gern weiter bei den 20 bleiben. Falls es irgendwann nicht mehr auszuhalten wäre oder echt dauerhaft schlimmer würde, könnte ich den Joker dann immer noch zücken.

                                            Was denkt ihr; wie sind eure Ratschläge; was würdet ihr tun? (PS: Schon klar, daß mir keiner die Entscheidung abnehmen kann. Und belastbare Dosierungsvorgaben / -Anweisungen kann ich hier auch nicht erhalten. Geht mir nur um alternative Sichtweisen.)


                                            Um abschließend kurz nochmal auf meine Fragen bzgl. meines inneren Kindes / Zweiflers von oben zurückzukommen:
                                            Ist es denkbar, daß der Zweifler mein inneres, trotziges Kind ist?
                                            Und wie kann ich mich mit ihm arrangieren? Die Zeit vergeht nun einmal, das Leben verändert sich. Es muß doch Möglichkeiten geben, daß ich und mein inneres Kind das besser akzeptieren können.
                                            Und wie aktiv bzw. auf welche Weise kann/soll/muß ich das anpacken, damit es im Laufe der Zeit mit Geduld Erfolg hat?

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                                            • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                              Deshalb würde ich eigentlich erstmal gern weiter bei den 20 bleiben. Falls es irgendwann nicht mehr auszuhalten wäre oder echt dauerhaft schlimmer würde, könnte ich den Joker dann immer noch zücken.
                                              Warum willst du dich unnötig quälen?

                                              Ich würde auf jeden Fall zumindest auf 30 erhöhen, schauen wie es ist und wenn es immer noch nicht gut geht auch durchaus die 40 nehmen.
                                              Ich hatte damals 60mg genommen, mit NW gab es keine Probleme, da du die Cita bis jetzt gut verträgst wird das schon hinhauen.
                                              Beim Ausschleichen hatte ich zwar Absetzsymptome, aber die lagen wohl eher daran das Wirkung auf die Panikattacken wegfiel, also weniger an dem Medikament.
                                              Es gab aber keine Probleme die sehr schlimm waren, ich glaube Cita ist recht problemlos in der Verträglichkeit sowie beim Absetzen.
                                              An deiner Stelle würde ich mich nicht zwingen das alles auszuhalten, ich denke es ist auch wichtig das du erst mal den Kopf frei bekommst und dir nicht mehr so viele Gedanken machst und das kann durch eine Erhöhung erreicht werden.
                                              Es ist ja kein Problem wieder runter zu gehen wenn du dich eine Weile gut fühlst und zu schauen ob weniger ausreicht.
                                              Ich denke auch wenn man schon Medikamente nimmt dann sollte man sich auch nicht scheuen sie zu erhöhen, um die best wirksame Dosierung für sich zu erreichen. Alles andere sind halbe Sachen, etwas weniger nehmen und stattdessen die Restdepris aushalten finde ich nicht gut und auch vollkommen sinnlos.
                                              Davon hast du nichts außer das es sich vielleicht länger hinzieht, aber je besser die Medis wirken desto entspannter kannst du an dir arbeiten.
                                              Auch in der Therapie würdest du vielleicht besser voran kommen wenn das Medikament gut wirkt und wenn dann die Therapie ihre Wirkung tut kannst du schauen ob und um wie viel du wieder reduzieren kannst.

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                                              • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                                Ich hab die Dosis in den letzten 2 Tagen jetzt noch nicht erhöht. Zwar meinte bisher jeder, den ich fragte, ich sollte doch erhöhen, das Medikament würde ich ja gut vertragen, und dann würde es auch nicht schaden. Eben auch Du.

                                                Andererseits meinte aber meine Frau auch, daß durch eine bessere Grundentspannung aufgrund der Dosiserhöhung womöglich gleichzeitig auch die Gefahr größer werden könnte, zu schnell in alte Denkmuster zurückzuverfallen. So frei nach dem Motto „Eigentlich hab ich ja gar kein Problem…“.
                                                So hatte ich in den letzten zweieinhalb Monaten durchaus schon 1-2x den Gedanken, daß ich mich schon soweit wieder gefangen und genug verstanden und gelernt hätte, um bspw. den Psychotherapeuten abzusagen oder auch den Psychiatertermin vorgestern. Eine Fehleinschätzung, wie ich ja zwischendurch immer wieder sehe.

                                                So gesehen bin ich nach wie vor unentschlossen – ein leichtes, gut erträgliches Depri-Grundrauschen alle paar Tage oder Wochen als „Gedächtnisstütze“, daß ich an mir arbeiten muß, ist vielleicht sogar eher ne nützliche Chance. Oder?
                                                Durch ne Dosiserhöhung fürchte ich vielleicht weniger, daß der „Wolf“ vor der Tür lauert – aber ich lerne vielleicht auch nicht so gut, ihn zu akzeptieren, wenn er doch da ist, oder daß ich ihn mit den richtigen Gedanken verscheuchen kann. Und gerade das habe ich in den letzten zwei Tagen gut beobachten können, hatte ich ja vorgestern auch schonmal geschrieben:

                                                Es ist fast so, als könnte ich ihn heraufbeschwören: Habe ich Angst, daß der Depri-„Wolf“ vor der Tür lauert, dauert es im Prinzip nur ein paar Sekunden, und ich glaube wirklich, daß er vor der Tür lauert. Selbst, wenn er in Wirklichkeit vielleicht gar nicht da ist. Aber früher oder später wird er schon allein durch mein Daran-Glauben kommen und lauern.
                                                Setze ich in einem solchen Moment schnell kurze, positive Gedanken dagegen – wortwörtlich „Hoffnung, Zuversicht, Glück, alles ist gut“ -, verschwindet die Angst fast immer augenblicklich, und das „Wolfsgespenst“ zieht sich zurück.
                                                Zumindest ist das im Augenblick so.

                                                Ich kann gerade noch nicht richtig einschätzen, was das für meinen Heilungsprozeß bedeutet – ob es vielleicht sogar ein richtig positives Entwicklungsstadium ist Und ob es von Dauer ist. Aber irgendwie ist es beruhigend, daß ich – zumindest im Augenblick eben – eine Form von Kontrolle zu haben scheine. Und ich hoffe, daß es nicht nur eine scheinbare Kontrolle ist, sondern eine echte, die ich immer besser verstehen und nutzen lerne. Denn dann wird mir die Depression auf kurz oder lang nicht mehr viel anhaben können.

                                                Und genau aus diesem Grund zweifle ich noch ein wenig, ob die Dosiserhöhung den gewünschten Nutzen bringt. Nicht zuletzt würde meine oben beschriebene Erkenntnis ja auch bedeuten, daß ich den Depri-„Wolf“ wahrscheinlich selbst dann noch rufen könnte, auch wenn die Dosis 30 oder 40 mg betrüge. Vielleicht nicht mehr so leicht. Vielleicht anfangs, in den ersten drei, vier, fünf Wochen sogar überhaupt nicht, genau wie ganz am Anfang der Citalopram-20er-Einnahme im November. Und dann fühlt sich irgendwann alles wieder so normal an, daß ich vielleicht zu früh zu selbstsicher würde; gleichzeitig meldeten sich aber vielleicht auch wieder meine Zweifel stärker zurück – immerhin muß ich ja doch noch die Tabletten nehmen, und das in der anderthalb- bis zweifachen Dosierung, und am Ende kommt die Angst vor dem lauernden Depri-„Wolf“ auch mit 30 oder 40 mg trotzdem wieder zurück. Oder?

                                                Wissen kann man das alles nie. Klar.

                                                Aber unter’m Strich fühlt sich der Weg, den ich gerade beschreite, irgendwie nicht so schlecht an. Nein – falsch ausgedrückt: Er fühlt sich irgendwie gut an Auch, wenn’s mal für ein paar Stunden oder nen halben Tag nicht ganz so gut läuft.

                                                Optimismus. Positives Denken.

                                                Ich schaffe das, jawoll

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                                                • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                                  immerhin muß ich ja doch noch die Tabletten nehmen, und das in der anderthalb- bis zweifachen Dosierung, und am Ende kommt die Angst vor dem lauernden Depri-„Wolf“ auch mit 30 oder 40 mg trotzdem wieder zurück. Oder?
                                                  Also ich glaube nicht das du wieder vollkommen in alte Denkmuster zurück fällst, erstens wirst du dich damit in der Therapie beschäftigen und zweitens bist du dazu zu klug.

                                                  Ich weiß nicht wie es mit der Angst vor Depressionen bei anderen ist, für mich kann ich nur sagen das ich so gut wie niemals Angst davor habe, wenn es mir besser geht. Keinen Gedanke verschwende ich dann daran ob sie wieder kommen, obwohl sie in meinem Fall mit großer Sicherheit wieder kommen macht es mir dennoch keine Angst, die ist meist nur da wenn es sowieso schlechter geht.

                                                  Sieh es doch mal andersherum, vielleicht macht dir auch die Angst Depressionen, wenn diese durch das Medikament weitgehend verschwindet bekommst du diesen Kreislauf vielleicht gerade dadurch gestoppt.

                                                  Probieren geht halt immer noch über studieren, ich finde du solltest es mal probieren. Wenn du unsicher bist sprich mit deiner Frau ab das sie dich auf negative Veränderungen hinweist, runter dosieren geht immer, aber wenn du es mit einer höheren Dosis erst gar nicht versuchst wirst du nie erfahren ob es etwas gebracht hätte.

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                                                  • Re: Streß, innere Unruhe, (kleinere) Zusammenbrüche - wie komm ich da raus?

                                                    "Er fühlt sich irgendwie gut an"

                                                    Er ist auch gut.
                                                    Man kann ein Psychopharmakon auch als ein Vehikel definieren, das eine Hilfestellung gibt.
                                                    Besonders nach längerer Behandlung und Besserung ist das Denkmodell ziemlich hilfreich.
                                                    Man kann irgendwann selbst entscheiden, ob man noch etwas mehr Hilfestellung braucht, oder nicht schon aus eigener Kraft den weiteren Weg mit einer "Restdosis" schafft.
                                                    An dieser Stelle sind Sie vermutlich jetzt.

                                                    Aus Behandler Sicht gilt auch für diesen Zeitpunkt: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.
                                                    Ausnahmen sind die Leute, die nicht bereit sind, eigene Anteile zu leisten, sondern allein vom Medikament Besserung und Heilung verlangen. Solch Denkweise wäre bei einem Antibiotikum verständlich, bei einem Psychopharmakon ist das falsch.

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