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Dr. Riecke, Fragen...

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  • RE: Wer lesen kann...


    hm, ich denke gerade daran, ich wäre 15 jahre mit jemandem befreundet, der mich zu keinem zeitpunkt verstanden hätte, das mag jetzt überheblich klingen, aber eine freudschaft könnte das für mich nicht gewesen sein - unvorstellbar für mich - denn eine freundschaft ist das kostbarste was es gibt auf der welt........

    aber jedem das seine, remis, ich lese und verstehe auf meine und nicht auf deine weise, wie sonst?

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    • RE: ähhhh...


      ja und ?

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      • RE: Wer lesen kann...


        "denn eine freundschaft ist das kostbarste was es gibt auf der welt"
        °°°°°°°
        Stimme ich dir bedingt zu, eine gute Freundschaft ist zwar kostbar, aber die eigenen Kinder wären für mich das Kostbarste auf der Welt :-).

        Und nun zu einem Zitat von mir und ein kleiner Beweis, dass du nicht wirklich alles aufmerksam gelesen hast, aber ich verzeihe dir gerne, für dieses Mal ;-)

        "Nach einer Hand voll solcher Aktionen in den letzten zwei-drei Jahren, war bei mir das Fass definitiv voll..."

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        • RE: nachfragen...


          Hallo Andras,
          "ungeeignete" sind die Nichtpassenden. Wenn z.B. ein sensitiver mittlerer Intelligenz auf einen ausschließlich rational gesteuerten sehr intelligenten Partner trifft (eine häufige Konstellation), dann setzt ersterer immer zu,ohne es im täglichen Mitteinander zu merken (und folglich auch nicht zu leiden). Aber bei einer Trennung gleicht die Ungleichheit einer Katastrophe. Verhalten sich Intelligenz und Persönlichkeitsanteile entgengesetzt (seltenere Konstellation), dann hält die Beziehung meist gar nicht lange. Dies nur als typisches Beispiel für "ungeeignet". Zu den angefragten Persönlichkeitsstrukturen vielleicht nur so viel: Sogenannte Gemütsarme steuern sich vorwiegend verstandesmäßig, erkennen, da affektive Beteiligung den Blick nicht trübt, die"Schwachstellen" des Partners genauer und können ihn viel leichter steuern, manipulieren etc , um sich in der instabilen Waage einer Partnerschaft zu erhöhen und ihr Wertgefühl zu befriedigen (s.Ausführungen von gestern). Eine Variante des Verhaltens beschreibt Remis (...zog sich wochenlang zurück...), die das regressive Element des mehr infantilen Persönlichkeitstyps repräsentiert. Was also tun? Sie,lieber Andras, wollen "ihnen einmal Vernunft beibringen". Wessen Vernunft? Deren Vernunft ist nicht die Ihre. Das geht nicht, weil Sie in kontroverser Situation keine gemeinsame Bezugsebene finden (da sie objektiv auch kaum zu finden ist). Bei fast allen Persönlichkeitsstörungen -auch bei der die Gesellschaft am meisten belastenden antisozialen- besteht immer die Frage der NORM für WEN. Die Juristen fragen den Forensiker deswegen stets nach der Fähigkeit, die z.Z. herrschenden gesellschaftlichen Normen einzuhalten. Für das Induviduum bleibt aber das Dilemma der unterschiedlichen Bezugsebene.
          Es gibt also keine andere Möglichkeit als die Sachebene. Da sie für eine Liebesbeziehung ungeeignet, bleibt wirklich nur das Vermeiden. Aber natürlich am Anfang, am besten "vor" einer Beziehung. Und da wünsche man sich die Weisheit, das "ungeeignet" zu erkennen.
          Liebe Grüße
          Dr. Riecke

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          • RE: nachfragen...


            Hallo Andras,
            "ungeeignete" sind die Nichtpassenden. Wenn z.B. ein sensitiver mittlerer Intelligenz auf einen ausschließlich rational gesteuerten sehr intelligenten Partner trifft (eine häufige Konstellation), dann setzt ersterer immer zu,ohne es im täglichen Mitteinander zu merken (und folglich auch nicht zu leiden). Aber bei einer Trennung gleicht die Ungleichheit einer Katastrophe. Verhalten sich Intelligenz und Persönlichkeitsanteile entgengesetzt (seltenere Konstellation), dann hält die Beziehung meist gar nicht lange. Dies nur als typisches Beispiel für "ungeeignet". Zu den angefragten Persönlichkeitsstrukturen vielleicht nur so viel: Sogenannte Gemütsarme steuern sich vorwiegend verstandesmäßig, erkennen, da affektive Beteiligung den Blick nicht trübt, die"Schwachstellen" des Partners genauer und können ihn viel leichter steuern, manipulieren etc , um sich in der instabilen Waage einer Partnerschaft zu erhöhen und ihr Wertgefühl zu befriedigen (s.Ausführungen von gestern). Eine Variante des Verhaltens beschreibt Remis (...zog sich wochenlang zurück...), die das regressive Element des mehr infantilen Persönlichkeitstyps repräsentiert. Was also tun? Sie,lieber Andras, wollen "ihnen einmal Vernunft beibringen". Wessen Vernunft? Deren Vernunft ist nicht die Ihre. Das geht nicht, weil Sie in kontroverser Situation keine gemeinsame Bezugsebene finden (da sie objektiv auch kaum zu finden ist). Bei fast allen Persönlichkeitsstörungen -auch bei der die Gesellschaft am meisten belastenden antisozialen- besteht immer die Frage der NORM für WEN. Die Juristen fragen den Forensiker deswegen stets nach der Fähigkeit, die z.Z. herrschenden gesellschaftlichen Normen einzuhalten. Für das Induviduum bleibt aber das Dilemma der unterschiedlichen Bezugsebene.
            Es gibt also keine andere Möglichkeit als die Sachebene. Da sie für eine Liebesbeziehung ungeeignet, bleibt wirklich nur das Vermeiden. Aber natürlich am Anfang, am besten "vor" einer Beziehung. Und da wünsche man sich die Weisheit, das "ungeeignet" zu erkennen.
            Liebe Grüße
            Dr. Riecke

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            • RE: Wer verstehen kann...


              .......Sie hat zu KEINEM Zeitpunkt verstanden, worum es mir ging, was ich ihr zu sagen versuchte.........

              ......Ich weiß nicht, ob sie überhaupt etwas begriffen hat.........

              ........Eine Sache bedauere ich noch heute...dass ich mir ihr Verhalten soviele Jahre gefallen ließ.........
              -------------------------
              diese zitate sprechen für sich -
              mach doch wenigstens einmal den versuch, die realität dieser frau zu begreifen, denn da "draussen" gibt es keine wertung
              die wertung ist stets intrapsychisch und immer privat.
              du hast ihre intrapsychische welt nicht verstanden
              und belastest sie mit deinem unverständnis,
              jeder halbwegs normal empfindende mann hätte sehr zügig
              verstanden, was sie dir für botschaften gegeben hat,
              es gibt doch nonverbale botschaften, die viel deutlicher
              als das gesprochene wort sind.
              sie wollte dich loswerden, mann, weiter nichts, sie hat sich nur nicht getraut es dir zu sagen, aber du hättest es viel eher erkennen müssen,
              denn die tat zählt viel mehr, als jedes wort..........

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              • RE: Dr. Riecke, Fragen...


                Der Mensch, das Maß aller Dinge ? Niemals !

                Über allem steht eine Möglichkeit:

                Die Liebe

                Die allein um der Liebe willen handeln -

                sind die großartigsten Menschen, die ich kenne

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                • RE: Wer verstehen kann...


                  Alles klar, ich freue mich, dass wenigstens du den Durchblick zu haben scheinst... :-))

                  Deswegen, danke für deine eigene "intrapsychische, private" Hypothese, Mann.

                  Liebe Grüsse von einer Frau.

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                  • RE: Dr. Riecke, Fragen...


                    die allein um der liebe willen handeln, haben in aller regel scheuklappen auf. welche liebe meinst du eigentlich? das, was der einzelne für liebe hält? kann schon das liebesobjekt ganz anders sehen

                    gott oder wer auch immer bewahre mich vor leuten, die meinen, im recht zu sein, weil sie ja schließlich allein um der liebe willen handeln

                    Kommentar


                    • RE: Dr. Riecke, Fragen...


                      die liebe, das sind die positiven kräfte, die helfen, trösten, schützen, heilen, bewahren usw. können und es auch tun......

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                      • RE: Wer verstehen kann...


                        ;-)

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                        • RE: Dr. Riecke, Fragen...


                          ...hat z.b. andras echt weiter gebracht

                          Kommentar


                          • RE: Dr. Riecke, Fragen...


                            ich kann nicht für andras sprechen, nur für mich,
                            ich versuche immer meine angelegenheiten zu ende zu bringen, unter dem primat der liebe, selbst wenn ich dabei zu schanden gehen sollte.
                            die liebe ist eine so großartige idee, dass man in der tat sein leben dafür hingeben kann, anstatt z.b. dem hause reemtsma, pilsner urquell usw.

                            Kommentar


                            • RE: nachfragen...


                              eine mir sehr gut bekannte gemütsarme hysterikerin formulierte es sehr treffend.
                              "wenn ich nicht glücklich werden kann, dann sollen es andere auch nicht mehr sein"

                              und in diesem sinne agierte sie dann,
                              vor allem benutzte sie die sexualität als waffe,
                              man(n) war ihr nur dann nicht unterlegen,
                              wenn man(n) ihre verhaltensmechanismen durchschaute
                              und konzeptionell richtig anging...........

                              Kommentar


                              • RE: nachfragen...


                                Diese Denkweise mit dem "...dann soll der andere auch nicht glücklich werden" ist eben recht menschlich. Schon im Kindergarten wird die Sandburg des anderen zerstört weil man nicht mitspielen darf. Das ändert sich auch durch älterwerden nicht, man kann es sich nur abgewöhnen so zu reagieren, aber irgendwo trifft es dann einen doch empfindlich und alles Reife ist vergessen.

                                " man(n) war ihr nur dann nicht unterlegen,
                                wenn man(n) ihre verhaltensmechanismen durchschaute
                                und konzeptionell richtig anging........... "

                                Tja... das ist mein Problem. Wie den Mechanismus durchschauen ? Die Motive erkennen?

                                Kommentar


                                • RE: nachfragen...


                                  ---------Tja... das ist mein Problem. Wie den Mechanismus durchschauen ? Die Motive erkennen?-------------

                                  ich mache es so, Andras:

                                  ich studiere (te) meist als autodidakt

                                  den tölle - lehrbuch der psychiatrie,
                                  den bleuler - lehrbuch der psychiatrie,
                                  den zimbardo - lehrbuch der psychologie
                                  den haeberlede - die sexualität des menschen
                                  den eichler - sexualmedizin
                                  den beier - sexualmedizin
                                  den roth - fühlen denken handeln
                                  den edelmann - wie aus materie bewusstsein entsteht
                                  den singer - ein neues menschenbild
                                  weiterhin ausführlich chemie, phsyik, biologie, mathematik, pharmakologie, anantomie, über fast jedes fachlehrbuch der medizin verfüge ich zum nachschlagen, wichtige fachzeitschriften uvm.
                                  weiterhin beoabchte ich genau, denke sehr viel nach, rede sehr gern mit meinen mitmenschen
                                  und trotz allem bin ich ein sehr empfindsamer mensch geblieben, denke ich
                                  aber auch härte ist mir zu eigen, zumeist gegen mich selbst,
                                  ich nehme mein eigenes leben nicht mehr so wichtig - obwohl - naja??
                                  und seit ca. 8 Monaten sehe ich keinerlei TV mehr,
                                  höre keine musik, ausser die, die ich selber spiele
                                  meine hobbies sind ...................
                                  sehr vielfältig, haben viel mit freiheit, bewegung und natur zu tun -
                                  ich bedaure, dass der tag nur 24 stunden hat
                                  und dass das leben viel zu kurz ist.

                                  e gibt so viel zu wissen, nicht nur das unbekannte, nein "allein" das was schon bekannt ist, kann man nicht bewältigen - aber das zwischenmenschlich ist mir stets das wichtigste von allem

                                  und so vermag ich inzwischen schon nach 2 - 3 sätzen ein recht gutes bild von der sprechenden person zu haben

                                  und ich habe sehr sehr viel erlebt - im praktischen leben
                                  und am meisten habe ich immer aus meinen fehlern gelernt

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                                  • Austausch = Weiterentwicklung


                                    Es ist ja auch den ersten Blick sehr schön zu lesen, dass du all diese Bücher studier(te)st ;-)...aber eine große und oftmals unterschätze Falle während eines autodidaktischen Studiums, ist nun mal der fehlende, lebhafte, verbale Gedankenaustausch, die fehlende Inspiration mit und von seinen Zeitgenossen / Kommilitonen und Professoren, die sich genau dieselben Sachen, das selbe Wissen einverleibt haben.

                                    Sicherlich ist man ein intelligenter Mensch, der die oftmals Fähigkeit zu einem facettenreichen Gedankenparcours in sich trägt...und doch - würde ich persönlich meinen - dass alles autodidaktisch einverleibte Wissen bzw. das Resulat hiervon, nicht das selbe ist, wie wenn man sich mit "Gleichgesinnten" lebhaft austauscht und kommuniziert.

                                    Denn dabei werden oftmals völlig überraschende Wendungen oder Aspekte offengelegt, die man unberücksichtigt ließ, ihnen keine Bedeutung beimaß oder gar nicht von ihrer Existenz wußte.

                                    Es tut mir leid Partners...aber mich persönlich hast du mit deinen bisherigen Forumsbeiträgen nicht überzeugen können.

                                    Sie waren entweder total fehl am Platze (ich sage hierzu nur, siehe Copy & Paste Arbeit), es wurden komplett falsche "Diagnosen" auf den Tisch gestellt und in einer beispiellosen besserwisserischen und selbstbewußten Manier ;-) versucht diese als das Nonplusultra und einzig Wahre zu verkaufen oder aber du bist völlig vom Thema abgekommen und oder hast uns irgendein idealistischtes, leider äußerst gefährliches Gedankengut in zwei-drei Zeilen zu vermitteln und zu verkaufen versucht...

                                    Und nein, ich versichere dir hiermit geradeheraus, von dem was ich bisher gelesen habe, du bist kein sonderlich empfindsamer, sich bemühender Mensch...

                                    So manche deiner lieblosen, unreflektieren und dahingefetzten Äußerungen entbehren jeder noch so geringen Sensiblität, des Verständnises und einer hilfreichen Reflektion.

                                    PS: Selbst wenn ein Therapeut, Psychologe etc. einige Stunden von Angesicht zu Angesicht mit ihrem Patienten brauchen, um diesen einigermaßen zu durchleuchten...dann glaubst du allen Ernstes(!), dass dir(!) einige wenige Zeilen reichen, um ein mehr oder weniger fehlerfreies Bild der jeweiligen Person zu malen?

                                    Manchmal wähnt man sich in seiner Naivität und Erhabenheit so nahe am Ziel und in Wahrheit und in der Realität könnte man nicht weiter weg stehen.

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                                    • non partner


                                      Singer, W. (2004)
                                      Keiner kann anders als er ist. Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören, von Freiheit zu reden.
                                      siehe:

                                      http://www.mpih-frankfurt.mpg.de/global/Bilder/FAZ.pdf
                                      ----------------------------------------------------------------------------------

                                      Menschen wie Dich, vermeide ich, wann immer ich kann -
                                      eine meiner Freiheiten:

                                      Die wichtigsten Bestandteile unpartnerschaftlicher Gespräche sind:
                                      - kritisierendes, unaufmerksames und nicht akzeptierendes, negativ verstärkendes "Zuhören"
                                      - falsches Verstehen, keinerlei Wahrnehmungsprüfungen, keinerlei Informationssuche durch Rückfragen sondern verfälschen und manipulieren der übermittelten Informationen
                                      - nicht paraphrasieren (sondern demütigen und negativ interpretieren) - nicht wiederholen der Partneräußerungen mit eigenen Worten, sondern stets widersprechen um zu entmutigen.
                                      - Mitteilung der eigenen Gefühle und Empfindungen in Bezug auf die Partneräußerungen
                                      - Negativierung positiven Verhaltens, Aufbau negativer Kommunikations- und Interaktionselemente
                                      - Äußern von Missempfindungen verbunden mit Kritik und Vorwurf, Unfähigkeit zu Kompromissen (diese "Übungen" werden grundsätzlich gemacht und sind durch fehlenden Rollenwechsel der Partner bzw. der Familienangehörigen gekennzeichnet)

                                      von "copy and paste"

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                                      • Remis, und...


                                        Und was wenn dieser jemand nicht nur nichts von dir wissen will, sonder anfängt dich zu hassen weil du vielleicht recht gehabt haben könntest? Wenn dieser jemand von Neid zerfressen wird und alles tut um dir weh zu tun?
                                        Wenn dieser jemand anfängt bei anderen sehr schlecht über dich zu reden so dass dich andere meiden?

                                        " Auf was ich hinausmöchte...der andere muß einfach von selbst draufkommen, dass er an Lebensqualität einbüßt. Er oder sie müssen selber dahinter kommen, dass ihre Verhaltensweise nicht in Ordnung ist, dass sie im Endeffekt auch zu den Leidtragenden zählen. "

                                        Was wenn genau das beginnt aber vielleicht nicht im positiven Sinne? Wenn statt Einsicht nur Hass folgt?

                                        Kommentar


                                        • RE: non partner


                                          au weia

                                          ein neuro-kartesianer

                                          wenn für dich der mensch nur eine maschine ist (die verschaltungen alles festlegen), dann wundert es mich natürlich nicht mehr, daß du zu jedem problem ein paar seiten aus der betriebsanleitung rauskopieren kannst

                                          Kommentar


                                          • RE: Remis, und...


                                            "Kannze machen nix, musse gucken zu", würde meine Mutter jetzt sagen. Es gibt so Leute, die einen gern mit wachsender Begeisterung leiden sehen. Und es gibt Leute, die sich völlig im Recht sehen, wenn sie allen über den anderen verbreiteten Unsinn und verdrehte "Wahrheiten" glauben und daran mit werkeln, dass es ihm/ihr immer schlechter geht. Kenne ich zur genüge. Wer immer nur einer Seite zuhört oder offensichtlich "merkwürdigen" Menschen so vorbehaltlos glaubt, der hat es nicht besser verdient und ist eine wirkliche Freundschaft nicht wert.

                                            Hilft nix. Musste Dir anderen Umgang suchen. Mein eigener Bruder hat mir bei meiner Trennung von meinem ersten Mann vorgeworfen, dass ich mir all meinen Kummer von der Seele redete (wobei mein Geschiedener nun wirklich nicht gut weg kam), während der EX "nicht ein einziges schlechtes Wort" über mich verlauten ließ, ihm aber ständig die Bude einrannte, weil die (zuvor jahrelang als "pucklige Verwandtschaft" titulierte) Familie doch vielleicht mithelfen könnte, mich zurück zu gewinnen...

                                            Ich habe damals meinen Bruder mit der Aussage verblüfft, dass mein Ex auch gar keine Geschichten erzählen könnte, die mich blöd dastehen lassen, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe - außer meiner Dämlichkeit, ihn nicht viel früher durchschaut zu haben. Damit hatte ich dann wenigstens in der Familie für klare Fronten gesorgt.

                                            Was im ehemaligen gemeinsamen Freundeskreis passiert ist, weiss ich nicht. Es gibt keine Freunde aus dieser Zeit, zu denen der Kontakt erhalten geblieben wäre. Irgendwie traurig - aber auch wieder nicht (s.o.). Heute zoffe und vertrage ich mich mit Leuten, die meine Geschichte kennen und das als abgeschlossene Phase respektieren - und die mich dafür lieben/mögen, was ich heute sage, denke, tue (oder eben auch nicht). Und das ist auch gut so.

                                            Harte Schnitte sind manchmal eben nötig, um wieder nach vorne sehen zu können - auch wenn einen die Vergangenheit nie wirklich verlässt.

                                            Viele Grüße
                                            Anke

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                                            • RE: non partner


                                              null ahnung hast du, wer und was ich bin ;-)

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                                              • über die Freiheit der Grammatik


                                                Edelman,Tononi - Wie aus Materie Bewusstsein entsteht:

                                                Vorwort

                                                Bewusstsein galt stets ebenso sehr als Geheimnis wie als Quelle von Geheimnissen. Es ist eines der Hauptthemen philosophischer Forschung, doch hat es erst in jüngster Zeit Aufnahme in jene Familie von wissenschaftlichen Themen gefunden, die einer experimentellen Untersuchung für wert erachtet werden. Die Gründe für diese späte Einbeziehung liegen auf der Hand: Zwar gehen alle wissenschaftlichen Theorien davon aus, dass Bewusstsein und bewusste Wahrnehmungen und Empfindungen zu ihrer Anwendung unerlässlich sind, doch sind erst in jüngster Zeit die Mittel verfügbar geworden, wissenschaftliche Studien am Bewusstsein selbst zu treiben.
                                                Mit dem Bewusstsein hat es eine eigene Bewandtnis: Bewusste Erfahrungen entstehen als Resultat des Wirkens einzelner, individueller Gehirne. Sie lassen sich nicht in demselben Maße der direkten Beobachtung unterwerfen wie die Forschungsobjekte eines Physikers. Damit stellt uns die Untersuchung von Bewusstsein vor ein seltsames Dilemma: Introspektion allein ist wissenschaftlich unbefriedigend, und mögen auch die Berichte anderer Menschen über deren eigenes Bewusstsein recht nützlich sein, so vermögen sie dennoch nicht das Wirken des diesem zugrunde liegenden Gehirns zu enthüllen. Trotzdem können Untersuchungen am Gehirn selbst nichts darüber ans Licht bringen, wie es ist, ein Bewusstsein zu haben. Diese Einschränkungen legen die Vermutung nahe, dass es besonderer Anstrengungen bedarf, um Bewusstsein ins Haus der Wissenschaft aufzunehmen.
                                                In diesem Buch tun wir genau das, und wir eröffnen Mittel und Wege, die folgenden Fragen zu beantworten:
                                                1. Wie entsteht Bewusstsein, welche speziellen neuronalen Prozesse und Interaktionen von Gehirn, Körper und Welt liegen ihm zugrunde?
                                                2. In welcher Weise sind diese neuronalen Prozesse für die Schlüsseleigenschaften bewusster Erfahrung verantwortlich? Jedes Bewusstsein ist ein einheitliches, unteilbares Ganzes, dennoch kann jede Person zu jeder Zeit unter einer immensen Vielfalt an unterschiedlichen Bewusstseinszuständen wählen.
                                                3. Wie haben wir unterschiedliche subjektive Erlebniszustände - so genannte Qualia - auf neuraler Ebene zu verstehen?
                                                4. Wie kann unser Verständnis von Bewusstsein dazu beitragen, streng wissenschaftliche Beschreibungen mit der bunten Vielfalt menschlichen Wissens und menschlicher Erfahrung zu verknüpfen?
                                                Die neuralen Mechanismen beschreiben zu wollen, aus denen Bewusstsein hervorgeht, zu zeigen, wie die allgemeinen Eigenschaften von Bewusstsein aus den Eigenschaften des Gehirns als komplexem System hervorgehen, die Wurzeln subjektiver Zustände oder Qualia zu analysieren und darzulegen, wie die erfolgreiche Umsetzung all dieser Anstrengungen unsere Sicht des wissenschaftlichen Beobachters und lange vertretener philosophischer Standpunkte zu ändern vermöchte, ist freilich ein riesiges Unterfangen, und so muss in dem begrenzten Raum dieses Buches vieles wegfallen, was durchaus noch von Interesse gewesen wäre. Die wichtigsten Konturen einer Lösung für das Bewusstseinsproblem lassen sich umreißen, indem man sich eng an unsere vier Grundfragen hält. Unsere Antworten basieren auf der Annahme, dass Bewusstsein sich aus der materiellen Ordnung gewisser Organismen ergibt. Wir betonen jedoch ausdrücklich, dass das Gehirn allein zur Entstehung von Bewusstsein nicht ausreicht, denn wir sind davon überzeugt, dass die höheren Hirnfunktionen Interaktionen sowohl mit der Welt als auch mit anderen Menschen un- abdingbar voraussetzen.
                                                Bei unserer Illustration dieses neuen Verständnisses von der Entstehung unseres Bewusstseins berühren wir verschiedene interessante Aspekte, die sich aus diesem Blickwinkel zwangsläufig ergeben. Wir stellen eine neue Sicht des wissenschaftlichen Betrachters vor und untersuchen, wie wir dazu kommen zu wissen, was wir wissen - das Reich der Epistemologie. Schließlich diskutieren wir die Frage, welche Objekte sich für die wissenschaftliche Untersuchung eignen. Diese Themen gründlich zu beleuchten, ist wichtig, denn unsere Überzeugung - der zufolge Bewusstsein durch einen Vorgang besonderer Art im Gehirn zustande kommt, der zu gleichen Teilen hoch integriert (oder einheitlich) und hoch differenziert (oder komplex) ist - hat weitreichende Konsequenzen.
                                                Um den Grundlagen des Bewusstsein auf die Spur zu kommen und einige seiner Eigenschaften angemessen darstellen zu können, werden wir uns mit einer Reihe von anspruchsvollen Themen beschäftigen müssen. Und bevor wir auf das eigentliche Kernthema, das neurale Substrat des Bewusstseins, kommen, werden wir strukturelle und funktionale Merkmale der Gehirnorganisation sowie gewisse entscheidend wichtige Aspekte der neurologischen Theorie zu besprechen haben. Um dem Leser die Aufgabe zu erleichtern, haben wir jeden größeren Abschnitt des Buches mit einem Prolog und jedes Kapitel mit einer kurzen Einleitung versehen. Wir schlagen vor, dass der Leser, um sich einen groben Überblick zu verschaffen, die sechs Vorworte und Kapiteleinleitungen vorwegnimmt. Das wird ihm helfen, das Gesamtbild im Auge zu behalten, vor allem bei Kapiteln, die zur Analyse des Bewusstseins unerlässlich sind, aber nur indirekt etwas mit ihm zu tun haben. Was die späteren Kapitel betrifft, so haben nur zwei von ihnen (Kapitel 10 und 11) einen ausdrücklich mathematischen Inhalt. Ein Leser, der sich mit den Details nicht unbedingt abgeben möchte, mag ein vernünftiges Verständnis vom Ganzen entwickeln, wenn er die Abbildungen betrachtet und »die Melodie mitsummt«. Für diejenigen unter Ihnen, die spezielle Themen und Verweise weiterverfolgen möchten, haben wir am Ende des Buches Anmerkungen aufgelistet. Diese sind jedoch zum Verständnis unserer Argumentation nicht notwendig. Wir hoffen, dass dem Leser zu der Frage: »Wie wird Materie zu Geist?« am Ende seiner Reise durch den Text eine neue Perspektive erwachsen sein wird.


                                                TEIL 1
                                                Der Weltknoten
                                                Ich sehe die Sonne; die Augen - eine bestimmte Blickrichtung gewohnt - fangen ein winziges Päckchen Sonnenlicht ein - ein gewisses Spektrum an Wellenlängen, das die Sonne weniger als zehn Minuten zuvor abgestrahlt hat. Diese Strahlung wird zu einem kreisförmigen Fleck auf der Netzhaut gebündelt und löst eine photochemische Reaktion aus, durch die Nervenfasern erregt werden, die nun ihrerseits ihre Erregung an bestimmte Bereiche des Gehirns und letztlich an Teile der Großhirnrinde weiterleiten. Die Mittel der Verbreitung von der Retina bis zum Gehirn sind durch und durch nervöser Natur, das heißt, die Reaktion kann als elektrisch bezeichnet werden. Die Kette der Ereignisse, angefangen von der Sonneneinstrahlung, die auf das Auge trifft, bis hin zu den elektrischen Impulsen in der Großhirnrinde, besteht aus den folgerichtigen Schritten einer physikalischen" Kausalkette« , die sich dank der Wissenschaft erklären und verstehen lässt. Doch in der zweiten Serie von Ereignissen folgt auf der Bühne der Großhirnrindenreaktion ein Ereignis oder eine Reihe von Ereignissen, die uns mehr oder minder unerklärlich sind, und zwar sowohl was ihre Natur betrifft als auch im Hinblick auf die kausale Verknüpfung zwischen ihnen; was ihnen vorausgegangen ist, vermag uns die Wissenschaft nicht zu erklären; eine Reihe von Ereignissen, die sich offenbar mit keinem der Geschehnisse vergleichen lassen, die zu ihnen geführt haben. Das Ich » sieht « die Sonne; es nimmt eine zweidimensionale Scheibe von großer Helligkeit wahr, hoch oben am "Himmel“, letzterer ein Bereich von geringerer Helligkeit, insgesamt geformt wie eine stark abgeflachte Kuppel, die außer dem Selbst noch Hunderte anderer sichtbarer Dinge umschließt. Weit und breit kein Hinweis darauf, dass diese Szene sich im Kopf abspielt.
                                                Mit diesem einfachen Beispiel illustrierte der große Neurophysiologe Charles Sherrington im Jahre 1940 das Problem des Bewusstseins und im gleichen Atemzug damit seine Überzeugung, dass dieses sich wissenschaftlich nicht werde erklären lassen.
                                                Ein paar Jahre zuvor hatte Bertrand Russell mit einem ähnlichen Beispiel seine Skepsis bezüglich dessen zum Ausdruck gebracht, dass Philosophen in diesem Zusammenhang je mit einer Lösung würden aufwarten können:
                                                Wir nehmen an, von einem sichtbaren Objekt gehe ein physikalischer Prozess aus, setze sich fort zum Auge, verwandle sich dort in einen anderen physikalischen Prozess, verursache einen wiederum anderen physikalischen Prozess im Sehnerven und erzeuge schließlich eine Wirkung im Gehirn, mit welcher gleichzeitig wir das Objekt sehen, von dem der Prozess seinen Ausgang genommen; dieses Sehen soll dann etwas »Geistiges« sein, völlig verschieden im Charakter von den vorhergehenden und begleitenden physischen Prozessen. Diese Ansicht ist so widersinnig, dass die Metaphysiker die verschiedensten Theorien erfunden haben, nur um etwas weniger Unglaubwürdiges an ihre Stelle zu setzen.
                                                So genau die Beschreibung der zugrunde liegenden physikalischen Vorgänge auch gelingen mag, es scheint schwer vorstellbar, dass die Welt der subjektiven Erfahrung - der Anblick eines blauen Himmels und das Gefühl von Wärme - aus rein physikalischen Ereignissen hervorgehen sollte. Und doch müssen wir uns in einem Zeitalter, in dem bildgebende Verfahren am funktionierenden Gehirn, Vollnarkosen und neurochirurgische Eingriffe zum Alltag gehören, darüber im Klaren sein, dass die Welt bewussten Erlebens innig mit dem Wirken des Gehirns verflochten ist. Uns ist gewärtig, dass Bewusstsein in all seinem Glanze durch eine winzige Läsion oder ein minimales chemisches Ungleichgewicht in gewissen Teilen des Gehirns ausgelöscht werden kann. Ja, wann immer sich der Aktivitätszustand unseres Gehirns dahingehend ändert, dass wir in einen tiefen traumlosen Schlaf fallen, wird unser bewusstes Leben ganz und gar ausgeblendet. Auch sind wir uns dessen gewärtig, dass unser ureigenes privates Bewusstsein in einem höchst fundamentalen Sinne das einzige ist, was real existiert. Das Himmelszelt und die hundert anderen sichtbaren Dinge, darunter das Gehirn selbst - kurz, die gesamte Welt - existieren für jeden von uns einzig und allein als Teil unseres Bewusstseins, und mit ihm gehen auch sie zugrunde. Dieses Rätsel ist nur ein Teil jenes großen Mysteriums, der Beziehung zwischen subjektiver Erfahrung und bestimmten objektiv beschreibbaren Ereignissen, dessen, was Arthur Schopenhauer so ungemein treffend als » Weltknoten « bezeichnet.
                                                Trotz aller offenkundigen Rätselhaftigkeit aber besteht die aussichtsreichste Hoffnung für ein Entwirren des Knotens in einem wissenschaftlichen Ansatz, der überprüfbare Theorien mit gut durchdachten Experimenten kombiniert. Diesem Ziel ist dieses Buch gewidmet.

                                                KAPITEL 1

                                                Bewusstsein: Philosophisches Paradoxon oder wissenschaftliches Forschungsobjekt?

                                                Dem Thema Bewusstsein hat es nie an menschlicher Aufmerksamkeit gemangelt. In der Vergangenheit war es alleinige Domäne der Philosophen, doch in jüngster Zeit haben sich auch Psychologen und Neurowissenschaftler zum Thema Körper-Geist-Problem, oder, um es mit Schopenhauers einprägsamem Ausdruck zu sagen, zum Weltknoten, zu Wort gemeldet. In diesem Kapitel wollen wir einen kurzen Überblick über einige klassische und ein paar moderne Ansätze zur Erklärung von Bewusstsein geben. Wir legen verschiedene Positionen dar, die von Philosophen, Psychologen und Neurowissenschaftlern vertreten werden, wobei wir uns von einigen der exaltierteren, wie dem Dualismus oder einem extremen Reduktionismus, distanzieren wollen. Unserer Ansicht nach lässt Bewusstsein sich durchaus als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung behandeln, und als solcher gehört es nicht allein in das Ressort der Philosophen.
                                                Jedermann weiß, was Bewusstsein ist: Das, was Sie jeden Abend, wenn Sie einschlafen, verlässt und am anderen Morgen, wenn Sie aufwachen, wieder in Erscheinung tritt. Diese trügerische Einfachheit erinnert an das, was William James zu Beginn des Jahrhunderts über Aufmerksamkeit gesagt hat: » Jeder weiß, was Aufmerksamkeit ist: Wenn der Geist von einem der vielen, offenbar gleichzeitig möglichen Gegenstände oder Gedankengänge in klarer und lebendiger Weise Besitz ergreift.
                                                Über hundert Jahre danach sind viele Leute der Ansicht, dass weder Aufmerksamkeit noch Bewusstsein in einem auch nur annähernd grundlegenden Sinne verstanden sind.
                                                Dieser Mangel an Verständnis erklärt sich mit Sicherheit nicht aus einem Mangel an Aufmerksamkeit in philosophischen oder wissenschaftlichen Kreisen. Seit den Tagen Rene Descartes haben wenige Dinge die Philosophen so rastlos umgetrieben wie das Rätsel des Bewusstseins. Für Descartes - und zwei Jahrhunderte später für James - war »bewusst sein« gleichbedeutend mit »denken«
                                                James Gedankenstrom beispielsweise war nichts anderes als der Strom des Bewusstseins. Das cogito ergo sum, »Ich denke, also bin ich«, das Descartes in seinen Meditationes de Prima Philosophia zur Grundlage seiner Philosophie machte, war eine nachdrückliche Anerkennung der zentralen Bedeutung von Bewusstsein sowohl in ontologischer (das heißt im Hinblick auf das, was ist) als auch in erkenntnistheoretischer Hinsicht (das heißt im Hinblick auf das, was wir wissen, und wie wir dazu kommen, dies zu wissen)?
                                                Nimmt man diese Formulierung zu ernst - etwa im Sinne von »Ich habe ein Bewusstsein, deshalb existiere ich« -, so gipfelt sie unter Umständen im Solipsismus, dem Standpunkt, dass außer dem Bewusstsein des Individuums nichts sonst existiert, eine Position, die offenkundig nicht von zwei Autoren eingenommen werden kann, die sich vorgenommen haben, gemeinsam ein Buch zu schreiben. Im realistischeren Falle führt diese Ausgangsposition zu idealistischen Positionen (das Wortspiel ist beabsichtigt), denen zufolge der Geist - Ideen eben, Wahrnehmung, Gedanken, mit einem Wort: Bewusstsein - über die Materie geht. Da sie den Geist als Ausgangspunkt nehmen, müssen die Vertreter idealistischer Positionen gewisse Anstrengungen unternehmen, um Materie zu erklären - was übrigens nicht notwendigerweise eine heiklere Situation ist als der Versuch, Geist aus Materie herleiten zu wollen.
                                                Descartes vertrat den Standpunkt, dass zwischen geistiger und materieller Substanz eine vollkommene Trennung bestehe. Die definierenden Merkmale der Materie bestehen seiner Argumentation zu- folge darin, eine Ausdehnung zu haben, Raum einzunehmen und so einer physikalischen Erklärung zugänglich zu sein, wohingegen die definierenden Merkmale des Geistes darin bestünden, bewusst zu sein, oder im weitesten Sinne des Wortes, zu denken. Und geistige Substanz existiert seiner Sichtweise zufolge in Gestalt individueller Geister. Auf diese Weise führte Descartes den Dualismus ein, eine Position, die zwar wissenschaftlich unbefriedigend ist, intuitiv jedoch einleuchtend und anziehend erscheint - bis man versucht, die Verknüpfung zwischen Körper und Geist zu erklären.

                                                Seit den Tagen Rene Descartes haben Philosophen die verschiedensten Versionen des Dualismus sowie zahllose verwandte Alternativen angeboten. Eine dem Dualismus nahe stehende Theorie ist beispielsweise der Epiphänomenalismus, der mit anderen Theorien dahingehend übereinstimmt, dass mentale und physikalische Ereignisse sich voneinander unterscheiden, gleichzeitig aber darauf beharrt, dass die einzige wahre Ursache mentaler Vorgänge physikalische Ereignisse sind und Geist lediglich ein kausal wirkungsloses Nebenprodukt sei. Mit den Worten Thomas Huxleys: "Bewusstsein scheint mit dem Mechanismus des Körpers schlicht als zufälliges Nebenprodukt verbunden und genauso machtlos, an dessen Wirken zu rütteln, wie das Pfeifen einer Dampflokomotive ohne jeden Einfluss auf deren Maschinerie ist.
                                                In jüngerer Zeit beziehen die Philosophen eine eher materialistische Position und vertreten den Standpunkt, Geist und Bewusstsein seien identisch mit der Aktivität des Gehirns oder zumindest mit gewissen seiner Tätigkeiten. Einige der materialistischen Positionen gehen so weit, dass sie dem Bewusstsein jedwede ontische oder epistemische Gültigkeit absprechen. Sie sind davon überzeugt, dass es über das Funktionieren von Schaltkreisen hinaus im Gehirn nichts weiter gibt, oder zumindest nichts, was einer Erklärung bedürfe. Verschiedene Philosophen habe die Überzeugung geäußert, der Begriff Bewusstsein werde sich, wenn wir das Wirken des Gehirns erst hinreichend gut verstehen, ebenso in Luft auflösen wie weiland der Begriff Phlogiston von der Bildfläche verschwand, als man den Prozess der Oxidation verstanden hatte. (Es hat einmal die Hypothese gegeben, dass es in allen brennbaren Substanzen einen flüchtigen Bestandteil geben müsse, der während der Verbrennung als Flamme freigesetzt wird. Dieser Bestandteil sollte besagtes Phlogiston sein.) Das Körper- Geist - Problem wird hier aus der Welt geschafft, indem man seinen Bewusstseinsaspekt leugnet oder wegerklärt. Andere materialistische Positionen besagen, dass Bewusstsein zwar durch physikalische Ereignisse im Gehirn zustande komme, sich aber nicht auf diese reduzieren lasse, sondern vielmehr aus diesen in ähnlicher Weise hervorgehe wie die Eigenschaften von Wasser aus der chemischen Kombination zweier Wasserstoffatome und eines Sauerstoffatoms. Auch sie lassen sich aber nicht ohne weiteres auf die Eigenschaften von Wasserstoff und Sauerstoff reduzieren. Diese Argumente gibt es in verschiedenen Geschmacksnuancen, ganz allgemein aber gestehen sie dem Bewusstsein - zumindest vom Standpunkt des Erklärens aus - einen gewissen Sonderstatus zu. Nichtsdestotrotz bestehen sie darauf, dass es keine "Bewusstseinssubstanz« gibt, die losgelöst von der "Hirnsubstanz« existiert.
                                                Die philosophische Diskussion zum Körper-Geist-Problem ist inzwischen extrem spitzfindig geworden, und einige der gegenwärtigen Debatten kommen an Bandbreite denen gleich, die einst unter den Nachcartesianern tobten. Wie wir einst Spinozas Hypothese von den zwei Attributen des einen Ganzen, Malebranches Okkasionalismus, Leibnizens Parallelismus und seine Lehre der "Prästabilierten Harmonie« hatten, so kennen wir heute die Identitätstheorie, neutralen Monismus, logischen Behaviorismus, Token-Physikalismus und Typ- oder Eigenschaftsphysikalismus, Token-Epiphänomenalismus und Typ-Epiphänomenalismus, anomalen Monismus, biologischen Materialismus, eliminativen Materialismus, verschiedene Sorten von Funktionalismus und vieles mehr. Trotz dieser Fülle an philosophischen Positionen scheint es wenig wahrscheinlich, dass philosophische Argumente allein zu einer befriedigenden Lösung für das Körper-Geist-Problem führen werden.
                                                Um es mit Colin McGinn zu sagen, einem Philosophen, der in diesem Punkt eine extreme Haltung einnimmt: Wir habe lange Zeit versucht, das Körper-Geist-Problem zu lösen. Es hat unseren größten Anstrengungen hartnäckig widerstanden. Sein Mysterium bleibt bestehen. Ich glaube, es ist an der Zeit, offen zuzugeben, dass wir das Rätsel nicht lösen können. Wir haben noch immer keine Vorstellung davon, wie das Wasser des physikalischen Gehirns in den Wein des Bewusstseins verwandelt wird.
                                                Tatsächlich gibt es eine fundamentale Einschränkung bezüglich dessen, inwieweit sich den Ursprüngen des Bewusstseins mit philosophischen Anstrengungen allein beikommen lässt, und diese liegt unter anderem in der etwas vermessenen Annahme begründet, dass sich die Wurzel bewussten Denkens allein durch Denken erschließen lassen werde. Diese Annahme ist genauso offenkundig unangebracht wie die Bemühungen früherer Zeiten, die Entstehung der Welt, die Grundlagen allen Lebens und die Feinstruktur von Materie ohne wissenschaftliche Beobachtungen und Experimente verstehen zu wollen. Ja, die Philosophen haben sich im Grunde weniger dadurch ausgezeichnet, dass sie Lösungen für dieses Problem vorgeschlagen haben, als vielmehr dadurch, dass sie immer wieder dargelegt haben, wie widerspenstig es sich präsentiert. Die wiederholten Aussagen vieler Philosophen laufen in etwa auf Folgendes hinaus: Egal, was Wissenschaftler auch tun, die Erste - Person-Perspektive und die Dritte – Person - Perspektive eines bewussten Individuums werden sich nie miteinander vereinbaren, die Erklärungslücke nie überbrücken, und das »harte« Problem - die Entstehung von Empfindungen, phänomenalen Zuständen und Erlebnissen aus dem rastlosen Gesumme von Neuronen - niemals lösen lassen.
                                                Wie weit sind nun die Wissenschaftler bei der Erklärung dieses Mysteriums gediehen ?


                                                ..............................................


                                                KAPITEL 17

                                                Gefangene der Beschreibung

                                                Dieses letzte Kapitel greift erneut die Schlussfolgerungen auf; zu denen wir im Verlauf dieses Buches gelangt sind, diesmal jedoch unter einem philosophischen Blickwinkel, den wir als »eingeschränkten Realismus« bezeichnen wollen. Eine seiner zentralen Aussagen besagt, dass es außer der natürlichen Selektion keinen anderen Richter in der Natur gibt, der Kategorien festlegt. Eine andere, dass Bewusstsein ein physikalisches Geschehen ist, das in jedem einzelnen Individuum seine Verkörperung findet, und schließlich, dass diese Verkörperung sich niemals durch eine reine Beschreibung ihrer selbst ersetzen lassen wird. Die Verkörperung in uns selbst ist Urquelle unserer Beschreibung und liefert uns die Basis all dessen, was wir wissen und wie wir dazu kommen, dies zu wissen - das legitime Betätigungsfeld eines Philosophiezweiges namens Epistemologie. Das Beharren auf der Verkörperung als kritischem Element bringt die Notwendigkeit mit sich, darüber nachzudenken, wie unsere Gehirne sich entwickeln. Losgelöstes philosophisches Denken allein reicht nicht hin. Es ist zu ergänzen durch eine Analyse der beteiligten Hirnmechanismen. Zwar ist hier und da die Forderung laut geworden, die Epistemologie sei »zurück zur Natur« zu bringen und solle sich demzufolge fortan mehr auf die Psychologie stützen, doch wir sind der Ansicht, dass dies nicht im entferntesten ausreicht: Vor dem Hintergrund dessen, wie Information und Bewusstsein in der Natur entstanden sind, sollte man einen Schritt weiter gehen und fordern, dass die Epistemologie sich auf die Biologie gründen solle, und hier insbesondere auf die Neurowissenschaften. Wir sind davon überzeugt, dass sich aus dieser Sicht der Dinge drei wichtige philosophische Kernsätze ergeben:
                                                Sein kommt vor dem Beschreiben, Selektion vor Logik und - was die Entwicklung des Denkens betrifft - kommt Handeln vor
                                                Verstehen.
                                                Unsere wissenschaftliche Analyse des Bewusstseins als eines Geschehens und unsere Betonung der fundamentalen Eigenschaften des primären Bewusstseins mögen insofern paradox erscheinen, als wir selbst - menschliche Wesen mit einem Bewusstsein höherer Ordnung - den einzig direkten Bezugspunkt für Fragen über das Bewusstsein und die entsprechenden Antworten darauf bilden. Natürlich verfügen Menschen über primäres Bewusstsein, primär in dem Sinne, dass dieses für die Entwicklung von Bewusstsein höherer Ordnung von ausschlaggebender Bedeutung ist. Aus diesem Grund haben wir ihm so viel Aufmerksamkeit gewidmet. Doch bei dem, was uns in diesem letzten Kapitel beschäftigen soll, steht das Bewusstsein höherer Ordnung im Mittelpunkt des Interesses. Unsere Haltung war bislang folgende: Bewusstsein höherer Ordnung, zu dem unter anderem die Fähigkeit gehört, sich dessen bewusst zu sein, dass wir ein Bewusstsein haben, hängt von dem Entstehen semantischer Fertigkeiten ab, und damit letzten Endes von der Entwicklung von Sprache. Eng mit diesen Merkmalen verbunden ist die Geburt eines wahren Selbst aus dem Wirken sozialer Interaktionen sowie die Entwicklung von Begriffen für Dinge wie Vergangenheit und Zukunft. Unter dem Ein- druck unseres primären Bewusstseins und dem Einfluss einer erinnerten Gegenwart können wir über den Austausch von Symbolen und ein Bewusstsein höherer Ordnung Erzählungen, Fiktionen und Historie erstehen lassen. Wir können uns die Frage stellen, wie wir etwas wissen können, und uns so an die Eingangsschwelle der Philosophie begeben.
                                                Lassen Sie uns die Konsequenzen unserer Sicht des Bewusstseins ein bisschen weiter bedenken, insbesondere vor dem Hintergrund dessen, was wir als biologisch begründete Epistemologie bezeichnet haben.
                                                Wie wir in den ersten Kapiteln dieses Buches ausgeführt haben, rückt die Untersuchung von Bewusstsein als einem Gegenstand der Forschung ein besonderes Problem ins Rampenlicht, vor dem jeder wissenschaftliche Beobachter steht. So lange seine Beschreibung seine eigene phänomenale Erfahrung ausklammert und er davon ausgehen kann, dass ein anderer Beobachter über eine ähnliche Erfahrung verfügt, können beide eine Beschreibung der physikalischen Welt aus »göttlicher« Perspektive abgeben. Wendet der Beobachter aber seine Aufmerksamkeit der Beschreibung von Bewusstsein zu, steht er vor ein paar verzwickten Problemen - unter anderem vor der Tatsache, dass Bewusstsein in jedem Individuum privat und auf einzigartige Weise verkörpert ist und dass keine Beschreibung wissenschaftlicher oder sonstiger Art an die individuelle Erfahrung dieser Verkörperung heranzureichen vermag, dass es in der Natur außer der natürlichen Selektion keinerlei Richter gibt, der über Kategorien entscheidet, und dass die Darstellung von Information als Code durch den außenstehenden Beobachter zu einem Paradoxon führt. Aus diesen Tatsachen ergibt sich eine spannende Sammlung von Fragen:
                                                Wie lässt sich eine angemessene Beschreibung höherer Hirnfunktionen erreichen?
                                                Wie entsteht in der Natur Information?
                                                Und schließlich: Wie kommen wir dazu zu wissen - die zentrale Frage der Epistemologie.

                                                DER URSPRUNG VON INFORMATION IN DER NATUR

                                                Wir haben dafür plädiert, dass die bemerkenswertesten Eigenschaften von Bewusstseinszuständen in ihrer Informativität liegt: Das Eintreten eines bestimmten Bewusstseinszustands schließt binnen Bruchteilen einer Sekunde eine Unzahl von anderen Möglichkeiten aus. Dieser Ausschlussprozess entspricht der Integration einer außerordentlichen Menge an Information binnen kürzester Zeit. Diese Leistung ist von keiner einzigen unserer Erfindungen, Computer eingeschlossen, je erreicht worden. Sie ist sicher nicht ohne einen evolutionären Vorläufer plötzlich auf der Bildfläche erschienen, sondern aus Strukturen und Systemen hervorgegangen, die über Millionen Jahre hinweg durch das Wirken der natürlichen Selektion geformt worden sind. Ja, es lässt sich der Standpunkt vertreten, dass Gehirne mit Bewusstsein zu den kreativsten Informationsquellen der gesamten Natur gehören. Doch gerade so, wie es unterschiedliche Phänotypen gibt, so gibt es auch unterschiedliche Quellen und Arten von Information.
                                                Was können wir darüber aussagen, wann Information in der Natur erstmals aufgetreten sein muss?
                                                Um diese Frage zu beantworten, müssen wir eine Reihe von Folgefragen beantworten.
                                                Kann Information überhaupt ohne einen bewussten Interpreten existieren?
                                                Sollten wir eine möglicherweise in der Natur auch in Abwesenheit des Menschen zu beobachtende Ordnung als Information betrachten?
                                                Ist der genetische Code der wahre Ursprung aller Information?
                                                Bedeutet die »Existenz« von Naturgesetzen, dass die Natur so etwas ist wie ein Computer?
                                                Wie diese Fragen deutlich machen, haben Forschungen zum Ursprung von Information in der Natur mit verschiedenen Definitionsproblemen zu kämpfen, in vielen Fällen geht es dabei um die Unterscheidung zwischen dem Beschreibenden und dem Beschriebenen. Zuallererst müssen wir fragen, ob wir den Ausdruck Information auch verwenden können, um einen Naturzustand in völliger Abwesenheit eines menschlichen Beobachters zu beschreiben. Kann Information als objektiver Begriff für sich stehen? Wenn sie von einem Physiker als Maß für die Ordnung in einem weit vom Gleichgewicht entfernten Zustand definiert wird, dann ist sie per definitionem - mit den Augen eines Gottes betrachtet - objektiv. Wird Information aber auf eine Weise definiert, die einen historischen Prozess voraussetzt, an dem entweder ein Gedächtnis oder ein erblicher Zustand beteiligt ist, dann kann sie erst mit dem Ursprung des Lebens entstanden sein.
                                                Es scheint kein Zweifel daran zu bestehen, dass Systeme, die imstande sind, Informationen zu verarbeiten, erst als Ergebnis einer Evolution durch natürliche Selektion entstanden sein können. Diese Aussage schließt ein, dass der Ursprung von Information nicht nur das vorherige Vorliegen von Variation und Selektion voraussetzt, sondern dass jede solche Selektion zu einem gewissen Maß an vererbbarer Veränderung führen muss. So gesehen sind Erblichkeit, Variation und Selektion kritische Faktoren bei der Entstehung von Information. Teil dieser Entwicklung ist eine Art steter Anpassungs- und Stabilisierungsprozess der Reaktionen auf sich permanent verändernde Umweltbedingungen. Doch wenn solche erblichen Prozesse auch an den Übergang vom Nichtlebenden zum Lebenden gekoppelt sind, so schließen sie dennoch nicht notwendigerweise einen empfindenden Beobachter ein.
                                                Es ist der Erwähnung wert, dass die Selektionsereignisse, aus denen sich der genetische Code ergeben hat, anderen Regeln gehorcht haben müssen, als allein den Gesetzen von Chemie und Physik, die die kovalenten Bindungen innerhalb einer Nukleinsäure regieren. Denn damit eine Reihe von Darwinschen Regeln gelten konnte, war die Existenz stabiler kovalenter chemischer Bindungen, die das Wachstum von Nukleinsäurepolymeren, deren Replikation und die Möglichkeit von Mutationen sicherstellten, zwar mit Sicherheit Voraussetzung, der Aspekt aber, der über die Gesetze von Physik und Chemie hinausgeht, ist die Tatsache, dass die Selektion je nach dem Grad der Anpassung des Phänotyps gewisse DNA- und RNA-Sequenzen zuungunsten anderer stabilisieren konnte. Solche Sequenzen bilden die historische Hinterlassenschaft grundsätzlich irreversibler Selektionsereignisse, die auf ganze Organismen von einem weit höherem Organisationsgrad als DNA selbst einwirken konnte. Die aktuelle Nukleotidsequenz eines Gens reflektiert somit historische Ereignisse und chemische Gesetze, und beides zusammen hat die Art und Weise eingeschränkt, wie Informationsverarbeitung in der Natur letztlich hat entstehen können.
                                                An anderer Stelle haben wir die Vermutung geäußert, dass die Fähigkeit, eine Leistung in einem sich verändernden Kontext mit leichten Veränderungen zu wiederholen, zusammen mit dem Leben selbst entstanden sein muss, das heißt mit dem Auftreten sich selbst replizierender Systeme, die dem Einfluss natürlicher Selektion ausgesetzt sind. Das fortgesetzte Wirken der natürlichen Selektion im Verlauf der Evolution brachte dann eine Vielfalt an Systemen hervor, für die Gedächtnis von vitaler Bedeutung war, wobei die Strukturen innerhalb einzelner Arten höchst unterschiedlich ausfielen. Zu den Beispielen für solche Strukturen zählt das Immunsystem ebenso wie Reflexe und schließlich das Bewusstsein. So betrachtet gibt es so viele Gedächtnissysteme wie es Systeme gibt, die die Fähigkeit besitzen, im Verlauf der Zeit einen Selbst bezug zu ihren eigenen Zuständen in der Vergangenheit herzustellen - gleichgültig, ob dieses System nun die DNA selbst ist oder Aspekte des Phänotyps, der durch diese festgelegt wird. Den besonderen Eigenschaften jedes Gedächtnissystems liegt eine besondere Morphologie zugrunde. Gedächtnis selbst ist eine Systemeigenschaft, die die zeitweilige Bindung ausgewählter Merkmale von adaptivem Wert ermöglicht. Wenn Symmetrie ein großes bindendes Prinzip des physikalischen Universums darstellt, das den Bestand der Erhaltungssätze in der Physik garantiert, so lässt sich in selektiven Systemen - vom genetischen Code angefangen bis hin zum Bewusstsein - Gedächtnis als großes bindendes Prinzip des biologischen Wirkkreises sehen.
                                                Warum also nicht davon ausgehen, dass Information tatsächlich mit dem genetischen Code selbst entstand? Die Tatsache, dass der Code vermittels komplexer Wechselwirkungen zwischen Proteinen und Nukleinsäuren in der Bildung von Proteinen von definierter Struktur und Funktion resultiert, verführt zu der Überlegung, dass der so genannte Leseraster, der den aufeinanderfolgen den Basentripletts »Sinn« gibt, nichts anderes ist als Information. Und wenn wir als Wissenschaftler diesen Code »lesen«, ist er das und nichts anderes. Ganz ähnlich können wir, wenn zu verschiedenen Zeitpunkten in der Entwicklung eines Organismus unterschiedliche Regionen des genetischen Codes transkribiert und in verschiedene Proteine translatiert werden, womöglich auch sagen, dass das, was da »abgelesen« wird, Information ist.
                                                Trotzdem ist es womöglich weniger sinnvoll, eine Manifestation biologischer Ordnung oder ein Gedächtnis als »Information« zu bezeichnen, als zu postulieren, dass bei der eigentlichen Handhabung von Informationen irgendeine Form von Symbolaustausch oder zumindest der Austausch von irgendeiner Form von Bedeutungsinhalten stattfinden muss. So betrachtet entstand Information erst, als im Verlauf der Evolution Tiere auf der Bildfläche erschienen, die fähig waren, einen gegenseitigen Symbolaustausch zu betreiben. In diesem Zusammenhang würde man zu dem Schluss kommen, dass Bienen mit Informationen handeln. Damit können wir feststellen, dass Signale oder physikalische Zustände, mehrere Bedingungen erfüllen müssen, damit sie ein Stück Information darstellen:
                                                (I) Es muss eine Form von Mustererkennung stattfinden, die den Gesetzen von Chemie und Physik gehorcht, dabei aber über diese hinaus geht: Am Tanz einer Honigbiene ist Information beteiligt, am Wachstum eines Kristalls nicht. Das liegt darin begründet, dass im ersten Falle irgendein prototypischer Wert daran beteiligt ist, der sich auf der Basis historisch und evolutionär definierter Schranken ergeben hat, im zweiten Falle hingegen nicht.
                                                (II) Damit ein Reiz oder ein Signal Information darstellt, müssen sein Ursprung und/oder sein Ziel lebende Organismen mit einem Gehirn und einer Physiologie sein, die Wahlmöglichkeiten, alternative Entscheidungen und Kommunikation zulassen. Diese Forderung trifft nicht zu auf molekulare Interaktionen, mögen sie auch noch so hoch komplex sein, nicht auf Ereignisse von submikroskopischen oder kosmischen Dimensionen und nicht auf Organismen (Amöben zum Beispiel), die zu keinerlei großartigen Gedächtnisleistungen fähig sind. Wir können beispiels- weise fragen, ob an den Tropismen von Bakterien und Pflanzen oder den Fressvorgängen bei Protozoen der Austausch von Information beteiligt ist. In Anbetracht der Bedingungen aber, auf die wir uns geeinigt haben, sollten solche Verhaltensweisen nicht in einen Topf geworfen werden mit denen von Tieren, die über komplexe Nervensysteme verfügen, die es ihnen ermöglichen, zu kommunizieren, zu erinnern und zu lernen.
                                                Wie auch immer: Information ist ein biologischer Begriff. Bei Menschen, die der Sprache mächtig sind, kann sie zu höchster Raffinesse gedeihen - zu künstlichen Codes, wissenschaftlichen Analysen, logischen Beweisführungen, mathematischen Schöpfungen oder bizarren Manifestationen wie dem hysterischen Auf und Ab der Aktienmärkte oder einem ausgewachsenen Massenwahn. Diese Leistungen auf der Grundlage eines Bewusstseins höherer Ordnung sollten uns jedoch nicht dazu verleiten anzunehmen, dass in der Natur ein einzigartiges syntaktisches Muster vorliegt (ähnlich der Syntax, die wir einem Computerprogramm verleihen) oder dass es auch nur im Wirken der Neurone einen besonderen Code gibt. Solche Annah- men sind nicht hinreichend durchdacht. Zwar ist eine Wechselwirkung mit einer im Verlauf einer Evolution entstandenen Struktur vonnöten, damit Information entstehen kann, doch dieser Vorgang ist nicht von einer Syntax bestimmt. Die Natur ist kein Computer, und Syntax entstand in der Natur erst, als Hominiden auf der Bildfläche erschienen waren, die die Fähigkeit mitbrachten, eine Sprache zu entwickeln.
                                                Welches evolutionäre Ereignis wir auch als Anfangspunkt echter Information gelten lassen wollen - den aus der adaptiven Not heraus geborenen Austausch von Signalen zwischen Einzelwesen beispielsweise, unsere Beweisführung in diesem Buch legt die Vermutung nahe, dass die vielleicht folgenschwerste Leistung der Evolution später vollbracht wurde. Es handelt sich dabei um den außerordentlichen Schritt von einfachen Nervensystemen, in denen Signale in relativ isolierter Weise innerhalb getrennter neuraler Subsysteme ausgetauscht werden, zu komplexen Nervensystemen auf der Basis reentranter Wechselwirkungen, in denen eine ungeheure Zahl von Signalen sehr rasch zu einem einzigen neuralen Geschehen - dem dynamischen Kerngefüge - integriert werden können. Eine solche Integration führt zur Konstruktion einer Szene, in der Signale aus vielen verschiedenen Sinnesmodalitäten mit einem Gedächtnis zusammengeführt werden, das zugleich auf der gesamten evolutionären Geschichte und auf der Erfahrung des betreffenden Wesens basiert - erinnerte Gegenwart. Diese Szene integriert und kreiert innerhalb von Sekundenbruchteilen eine Unmenge an Information. Zum ersten Mal innerhalb der Evolution erwirbt Information ein neues Potential- die Möglichkeit der Subjektivität. Sie wird zu Information »von jemandem und für jemanden«, kurz: sie wird selbst zu Bewusstsein.
                                                Wir haben behauptet, dass die vom Menschen entwickelten raffinierteren Formen von Informationsaustausch in Ermangelung eines Bewusstseins nicht vorstellbar wären. Nach dem Erscheinen des Homo sapiens und eines Bewusstseins höherer Ordnung wurde es möglich, syntaktisch vielfältige Symbolsysteme entstehen zu lassen, Codes zu erfinden, ja sogar Logik zu treiben. Schließlich und endlich wurden die Methoden der wissenschaftlichen Analyse ersonnen und resultierten in der Formulierung der Naturgesetze. Für uns sind diese Gesetze Information. Doch für die Natur außerhalb unserer selbst, sind sie da Energie oder codierte Information, die ausgetauscht wird?
                                                Was war zuerst da: Biologie oder Logik?

                                                SELEKTIONISMUS UND LOGIK

                                                Wir leben in einer Welt, die von Computern und deren Wirken bestimmt wird. Heutzutage hat es sich eingebürgert, das Gehirn als Computer zu betrachten, als Gerät, das auf Logik basiert. Wir halten dies zwar als Standpunkt nicht gerade für tragbar, doch es wirft eine epistemologisch interessante Frage auf: Auf unterster Ebene betrachtet: Wie viele Arten zu Denken mag es geben? Ist Logik die einzige?
                                                Manche Philosophen haben Logik in einem rein formalen Sinne definiert als die Analyse aller sinnvollen syntaktischen Beziehungen zwischen einzelnen Parametern, unabhängig von deren lexikalischer Benennung: Alle As sind Bs. X ist ein A. Deshalb ist X ein B, worauf auch immer A, B und X sich beziehen. In einem breiteren, eher psychologisch ausgerichteten Rahmen ließe sich Logik als die Untersuchung von Beziehungen zwischen solchen Formalismen und der Intuition (oder Mustererkennung) beschreiben. Dieser zuletzt genannte Rahmen ist weit weniger scharf umrissen, aber er lässt einen fragen: Worin besteht das Gemeinsame an der Fähigkeit, Muster zu erkennen und zur Deckung zu bringen, der Fähigkeit zu denken und der Fähigkeit, logische Operationen auszuführen? Diese letzte Fähigkeit lässt sich mechanisieren, doch wie das Gödelsche Theorem zeigt, gibt es in mathematischen Beziehungen bestimmte Muster, deren Wahrheit sich innerhalb eines konsistenten axiomatischen Systems nicht beweisen oder widerlegen lässt. Nichtsdestotrotz ist häufig das Argument vorgebracht worden, das Gehirn sei so etwas wie ein Computer und ließe sich daher als eine Turing-Maschine beschreiben.
                                                Eine universale Turing-Maschine vermag jede beliebige Sequenz von logischen Operationen durchzuführen und kann - nach der Churchschen These - jedwede Abfolge von effektiv berechnenden Verfahren oder genau definierten Algorithmen ausführen (siehe Abbildung 17.1) Das ist eine beachtliche Leistung, und wir glauben, dass es eben diese Fähigkeit ist, die zu der Vermutung veranlasst hat, das Gehirn sei eine Turing-Maschine. Wir haben an anderer Stelle dargelegt, warum dies nicht der Fall sein kann. In kurzen Worten zusammengefasst lautet das Argument wie folgt:
                                                Jedes Gehirn ist so angelegt, dass seine Verkabelung und seine Dynamik auf der Ebene seiner synaptischen Verbindungen von kolossaler Variabilität ist. Es ist ein selektionales System, und deshalb ist jedes Gehirn einzigartig. Diese Einzigartigkeit und die damit verbundene mangelnde Vorhersehbarkeit kann bei der Ausführung gewisser Operationen des Gehirns bedeutsam werden und muss im Zusammenhang mit jeder einzelnen Hirnfunktion in Betracht gezogen werden. Hinzu kommt, dass die Gehirnfunktion degeneriert ist: Bei der Auseinandersetzung mit einem zufälligen Ereignis können unterschiedlich gestaltete (nicht isomorphe) Gehirnstrukturen auf mehreren Ebenen der Konstruktion und Operation zum selben Output beziehungsweise zur selben Funktion führen. Überdies arbeiten viele Gehirnprozesse von Wahrnehmung und Gedächtnis nicht repräsentational, konstruktiv und kontextabhängig und sind nicht notwendigerweise durch eine zielorientierte Prozedur gesteuert. Das ist so, weil ihre Schlüsseloperation in der Selektion und nicht in der Instruktion besteht und es keinerlei Hinweise auf starre oder im Vorhinein angelegte neurale Codes gibt, wie wir sie von Computern kennen. Schließlich sind der Input aus der Außenwelt und der Kontext der zum Gehirn gesendeten Signale nicht eineindeutig festgelegt, das heißt, die Welt mag zwar physikalischen Gesetzen gehorchen, aber sie verhält sich nicht wie der Lochstreifen eines Computers.
                                                Wenn das Gehirn aber keine Turing-Maschine ist, benötigen wir andere Erklärungen, um sein Funktionieren zu erklären. Diese Erklärung ergibt sich aus der Theorie der Selektion neuronaler Gruppen (TNSG). Wie wir gesehen haben, ist eine Serie von Simulationen auf der Basis dieser Theorie tatsächlich imstande, Mustererkennung und Wahrnehmungskategorisierung zu leisten. Obendrein weist ein ganzes Paket an unterschiedlichen experimentellen Beweisen nicht nur darauf hin, dass im Gehirn Selektionsereignisse ablaufen, sondern legt überdies die Vermutung nahe, dass sich ein Großteil dieser scheinbar so unterschiedlichen Indizien durch eine detaillierte Analyse der Ereignisse einander sehr nahe bringen lässt. Wir nehmen es als hinlänglich bewiesen, dass Gehirne im Laufe der Evolution durch den Prozess der natürlichen Selektion entstanden sind, der ihnen Einschränkungen und die wichtigsten anatomischen Strukturen auf- erlegt hat, und dass jedes einzelne Gehirn sich seinerseits in seinem Funktionieren auf den Prozess der somatischen Selektion stützt. Statt in erster Linie durch eine Reihe von zielorientiert wirksamen Prozessen wird das Gehirn durch eine Reihe von Strukturen regiert, deren Dynamik es ermöglicht, dass seine miteinander verknüpften Aktivitäten durch Selektion und nicht durch die Regeln der Logik zustande kommen.
                                                Wenn aber das Gehirn in der Evolution auf eine solche Weise entstanden ist und diese Evolution die biologische Basis für die endgültige Entstehung und Verfeinerung logischer Systeme innerhalb der menschlichen Kultur bildet, dann können wir freilich zu dem Schluss kommen, dass - im generativen Sinne - Selektion mächtiger ist als Logik. Selektion - natürliche und somatische - ließ Sprache und Metapher entstehen, und Selektion, nicht Logik liegt der Mustererkennung und dem Denken in Metaphern zugrunde. Unser Denken basiert damit letzten Endes auf körperlichen Interaktionen und Strukturen, und daher ist seine Macht zu einem gewissen Grad eingeschränkt. Dennoch übersteigt unsere Fähigkeit zur Mustererkennung womöglich unsere Fähigkeit, Lehrsätze und Behauptungen ver- mittels reiner Logik zu beweisen. Tatsächlich vermag bewusstes menschliches Denken neue Axiome hervorzubringen, ein Computer vermag dies nicht. Diese Erkenntnis bedeutet freilich nicht, dass Selektion den Platz der Logik einnehmen kann, und leugnet auch nicht die ungeheure Leistungsfähigkeit logischer Operationen. Im Reich der Organismen gibt es, so nehmen wir an, ebenso wie in einem künftigen Reich von synthetischen Artefakten, das wir womöglich eines Tages werden schaffen können, nur zwei Grundbaumuster: Turing-Maschinen und selektionale Systeme. Da letztere dem Auftreten ersterer im Laufe der Evolution vorausgehen, kommen wir zu dem Schluss, dass Selektion den biologisch grundlegenderen Prozess darstellt. In jedem Falle ergibt sich daraus der interessante Gedanke, dass es in Bezug auf das Denken allem Anschein nach nur zwei zutiefst grundlegende Möglichkeiten der Musterbildung gibt:
                                                Selektionismus und Logik.
                                                Falls man noch eine dritte Möglichkeit entdeckte oder nachweisen könnte, so käme dies einem höchst denkwürdigen Moment in der Geschichte der Philosophie gleich.

                                                PHILOSOPHISCHES

                                                Wie auch immer die Stärken und Grenzen eines an körperliche Strukturen gebundenen Denkprozesses beschaffen sein mögen, der das Ergebnis natürlicher Selektion und der Selektion neuronaler Gruppe darstellt: Dieser Denkprozess hat in uns den bemerkenswerten Hang entstehen lassen, Fragen nach der letzten Bedeutung der Dinge zu stellen - philosophische Fragen. Zwei große Gebiete der Philosophie sind die Metaphysik, die sich mit der innersten Beschaffenheit von Realität auseinandersetzt, und die Epistemologie, die sich mit den Grundlagen und der Rechtfertigung unseres Wissens und unserer Überzeugungen befasst. Diese bei den Bereiche sind zu einem gewissen Grad miteinander verknüpft und rühren auch an andere Bereiche menschlicher Belange, Fragen, die mit Werten beispielsweise zu tun haben, mit Ethik und Ästhetik. Hat eine Theorie des Bewusstseins Konsequenzen für unseren Ansatz bei der Lösung dieser Fragen?
                                                Wir glauben, dass dem so ist.
                                                Die vielleicht beste Art und Weise, unsere Überzeugung zu untermauern, besteht darin, gewisse Fragen der Epistemologie und der Metaphysik und deren Verknüpfung mit Fragen der Wissenschaft zu beleuchten. Wir sind davon überzeugt, dass es eine reale Welt gibt, die sich durch die Gesetze der Physik beschreiben lässt, und dass diese allem Anschein nach überall Geltung haben. Als Menschen müssen wir solchen Gesetzen ohne Ausnahme gehorchen, denn unsere Evolution aus weit zurückliegenden tierischen Ursprüngen hat in dieser Welt stattgefunden. Als lebende Systeme sind wir obendrein noch evolutionären Einschränkungen unterworfen, die von den Gesetzen der Physik nicht berücksichtigt werden. Bewusstsein mag von besonderer Beschaffenheit sein, aber es entstand als Ergebnis evolutionärer Neuerungen in der Morphologie von Körper und Gehirn. Der Geist geht aus dem Körper und dessen Entwicklung hervor, er ist an körperliche Strukturen gebunden und daher Teil der Natur. Alle diese Feststellungen ergeben sich aus dem, was wir in Kapitel 2 als physikalisches und als evolutionäres Grundprinzip bezeichnet haben, beide liegen unserer Theorie zugrunde.
                                                Sobald wir uns darauf einigen, dass diese Annahmen durch eine hinreichend große Zahl an Beweisen gerechtfertigt sind, ist auch eine Reihe von Folgerungen daraus als gerechtfertigt anzusehen. Zuallererst müssen wir die Cartesische Grundidee eines Dualismus zurückweisen, ebenso jede Form von Idealismus. Daher können wir nicht den Standpunkt derer akzeptieren, die einer materialistischen Metaphysik in Kombination mit einer dualistischen, rationalistischen oder idealistischen Epistemologie das Wort reden. Andererseits müssen wir aber auch extrem reduktionistischen Bewertungen skeptisch gegenüberstehen, die versuchen, Bewusstsein auf der Grundlage der Quantenmechanik zu erklären, und dabei die Tatsachen der Evolution und der Neurologie ignorieren. Dieselbe Skepsis ist Versuchen gegenüber angebracht, der Welt im Großen bewusste Eigenschaften zuzuweisen - die Position des Panpsychismus.
                                                Die von uns verfochtenen metaphysischen und epistemologischen Positionen haben wir im Vorhergehenden wiederholt als eingeschränkten Realismus und biologisch begründete Epistemologie bezeichnet. Eine Schlüsselidee, auf die sich beide stützen, ist die Vorstellung, dass Begriffe und Konzepte zunächst einmal nicht in erster Linie syntaktisch befrachtet sind. Das heißt, Begriffe sind nicht dasselbe wie Aussagen in einer Sprache (im eigentlichen Sinne dieses Ausdrucks), vielmehr sind sie Konstrukte, die das Gehirn entwickelt, indem es seine eigenen Reaktionen -lange vor dem Erwerb von Sprache - kartiert. So wie Signale aus der Außenwelt erst dann zu Information werden, wenn sie mit dem Gehirn interagiert haben, ist die Sprache nicht im Vorhinein im Rahmen einer genetisch vererbten Universalgrammatik angelegt. Unserer Ansicht nach gehen Begriffe der Sprache voraus, diese entwickelt sich erst vermittels epigenetischer Mechanismen zur Optimierung unseres begrifflichen und emotionalen Austauschs.
                                                Bewusstsein ist eine dynamische Eigenschaft einer besonderen Art von Morphologie - jenes reentranten Netzes des thalamokortikalen Systems - denn es interagiert mit der Umgebung. Unser Wissen um die reale Welt entsteht als Ergebnis der physikalischen, psychologischen und sozialen Interaktionen unseres Geistes und unseres Körpers mit dieser Welt. Diese Interaktionen bestehen allerdings nicht in einem direkten Informationstransfer, und deshalb müssen wir einen naiven Realismus - den Standpunkt, dass die Wahrnehmung von Gegenständen unmittelbar und wahrheitsgetreu ist und dass die Qualitäten, die wir wahrnehmen, in der Tat mit denen übereinstimmen, die den wahrgenommenen Gegenständen eigen sind - ablehnen. Ein auf Wahrnehmung basierender Realismus muss notwendigerweise eingeschränkt sein, da die körperlichen Mittel, die uns zur Wahrnehmung zur Verfügung stehen, mit Einschränkungen belegt sind. Die meisten dieser Mittel sind zwar ungemein leistungsstark, aber dennoch letztlich indirekt und von begrenzter Reichweite. Sie schränken die Art und Weise ein, wie unser Gehirn seine Begriffssysteme, seine Vorstellungswelt entwickelt, daher sind wir der Ansicht, das unser Realismus - zumindest zu einem gewissen Grad - eingeschränkt sein muss.
                                                Natürlich werden die konzeptuellen Fähigkeiten ungemein bereichert, wenn sich bewusste, der Sprache mächtige Personen innerhalb eines kulturellen Rahmens entwickeln und miteinander kommunizieren. Die Erzeugnisse einer solchen Bereicherung - Logik und Mathematik beispielsweise - können über einige der phänotypischen Beschränkungen des verkörperten Geistes hinausgehen und einige der uns durch unseren Phänotyp auferlegten Beschränkungen aufheben. In der Tat haben auf neuralen Strukturen basierende Wahrnehmungskategorisierungen, unterstützt durch begriffliche Kategorisierungen und bewusstes Planen und Entscheiden innerhalb eines sprachlichen Milieus, zu jenen außerordentlichen Denkgebäuden und -systemen geführt, die der wissenschaftlichen Untersuchung der Welt zugrunde liegen. Das Wichtige an der in diesem Buch behandelten Arbeit ist die Erkenntnis, dass eine wissenschaftliche Erforschung von Bewusstsein sich dennoch mit den Gegebenheiten menschlicher Individualität und Subjektivität vereinbaren lässt.
                                                Vor dem Anbruch moderner Experimentalpsychologie und Neurowissenschaft fußte jede Epistemologie einzig auf normativem Fragen und Nachdenken über das Denken. Doch seit den Tagen Charles Darwins und erst recht im Lichte des wissenschaftlichen Fortschritts unserer Tage hat sich die Forderung durchgesetzt, dass sich die Epistemologie »zurück zur Natur« zu wenden und sich auf die behavioristische Psychologie zu gründen habe. Eine naturbezogene Epistemologie endet jedoch notwendigerweise bei der Simulation von Rezeptorenfeldern - in Retina, Haut und Geschmacksknospen -und mag sie auch die Analyse von Sprache einschließen, so lässt sie doch das innere Wirken von Körper und Gehirn unberührt. Wir behaupten, dass diese Position unzulänglich ist: Die Epistemologie sollte ihre Basis in der Biologie haben, insbesondere in der Neurobiologie und in einer Theorie des Bewusstseins, zu der natürlich auch die Psychologie gehört. Wir weisen daher auch alle Bestrebungen philosophischer Behavioristen zurück, die Epistemologie über die behavioristische Psychologie allein zur Natur zurückführen zu wollen. Ein Schritt in Richtung auf eine biologisch begründete Epistemologie revidierte nicht nur einige Argumente wie beispielsweise das über die Möglichkeit eines »synthetischen a priori«, sondern legte dem Nachdenken über das Denken und Fühlen zudem ein sehr viel breiteres Fundament. Überdies beschränkte es unser Beschreiben nicht auf die Grenze zwischen unserer Haut und dem Rest unserer Welt. Am allerwichtigsten aber:
                                                Es eröffnete unserem Forschen auch die Welt unserer Empfindungen und Gefühle auf der Ebene körperlicher Mechanismen, die weit über die des Berechnens hinausgehen.
                                                Zwar verschaffen diese Versuche dem Geltungsbereich der Subjektivität angemessene wissenschaftliche Anerkennung, doch der Subjektivismus selbst ist keine Basis für ein solides wissenschaftliches Verständnis des Geistes. Infolgedessen müssen wir Phänomenologie und Introspektionismus im gleichen Atemzug zurückweisen wie den philosophischen Behaviorismus. Wir sind davon überzeugt, dass sich die inneren Mechanismen des Bewusstseins wissenschaftlich untersuchen lassen, ohne dass wir einzig und allein in einem schlichten Behaviorismus oder in der Introspektion Zuflucht nehmen können. Ersterer versetzt den Beobachter in eine Position weitab aller Schlüsselphänomene, während letzterer fälschlicherweise davon ausgeht, dass er die Grundlagen bewusster Erfahrung einzig und allein auf der Basis des Denkens lösen kann.
                                                Wenn wir uns hingegen die Position einer biologisch begründeten Epistemologie zu Eigen machen, ändert sich unser Blick auf jenes fiktive, gleichzeitig aber so nützliche Agens, den wissenschaftlichen Beobachter. Wie Erwin Schrödinger einst so treffend feststellte:
                                                Ein Physiker lässt in seinen Theorien weder Empfindung noch Wahrnehmung zu. Wenn er aber den Geist aus der Natur entfernt, kann er auch nicht erwarten, ihn dort zu finden. Ein Blick aus der "göttlichen Perspektive« bei der Beobachtung eines Einzelwesens vermittelt dem wissenschaftlichen Beobachter nur ein verarmtes Bild. Dieses kann zu der paradoxen Schlussfolgerung führen, Bewusstsein sei lediglich der Engpass in einer informationsverarbeitenden Kaskade, ein Nadelöhr, das stets »nur ein paar Chunks« Information gleichzeitig durchlassen kann. Wir haben indes den Standpunkt vertreten, dass der Beobachter über Bewusstsein nachdenken muss, indem er das Gehirn von innen heraus betrachtet, das heißt im Hinblick auf das, was die ihm zugrunde liegenden neuralen Prozesse beeinflussen kann und was nicht. Von diesem >,Aussichtspunkt« aus betrachtet wird sich dem Beobachter ein einheitliches Geschehen von allerhöchster Komplexität offenbaren - ein Prozess, der im Unterschied zu allem, was wir bisher gebaut und konstruiert haben, binnen kürzester Zeit ein ungeheures Maß an Information zu integrieren vermag.
                                                Die Position einer biologisch begründeten Epistemologie bietet eine hervorragende Möglichkeit, unsere wissenschaftliche Sicht der menschlichen Natur und des tierischen Verhaltens auszudehnen. Dieser Standpunkt akzeptiert Physik und Evolution als die zwei wichtigsten Stützen philosophischer Reflexion. Des weiteren geht er davon aus, dass das Wirken von Bewusstsein darin besteht, eine in- formative Szene entstehen zu lassen (erinnerte Gegenwart), die gegenwärtige Realität mit einer vergangenen, durch einschränkende Wertvorgaben regierten Geschichte jedes einzelnen bewussten Tiers zu verknüpfen. Die Leistungsfähigkeit des Bewusstseins bei der raschen Integration von Planung und Information bringt beachtliche evolutionäre Vorteile mit sich. Die Übersetzung solchen Planens in unbewusste, erlernte Routine bildet den Löwenanteil unserer grundlegenden Verhaltensmechanismen. Tatsächlich baut Bewusstsein auf solche Routinen, um immer mehr Planung und immer komplexere Verhaltensweisen möglich zu machen.
                                                Obschon sich die Leistungsfähigkeit unbewusster Mechanismen keinesfalls leugnen lässt, betrachtet eine biologisch begründete Epistemologie Bewusstsein vor allem als unentbehrliche Voraussetzung des geistigen Geschehens. Ohne uns auf irgendwelches Definitionsgerangel einlassen zu wollen, stehen wir auf dem Standpunkt, dass Denken ein bewusster Prozess ist, dem eine tief verwurzelte Struktur notwendiger unbewusster Mechanismen zugrunde liegt, unter anderem ein nicht repräsentational arbeitendes Gedächtnis, einschränkende Wertvorgaben und das Wirken von Schaltkreisen über kortikale Anhänge wie Basalganglien, Hippocampus und Kleinhirn.
                                                Der Einschluss von Bewertungssytemen als für das Wirken des selektionalen Systems Gehirn notwendige Schranken verknüpft die Sichtweise einer biologisch begründeten Epistemologie mit der Überzeugung, dass Emotionen sowohl für die Wurzeln von als auch für das Streben nach bewusstem Denken von fundamentaler Bedeutung sind.
                                                Schon Spinoza erkannte, dass Emotionen dem Menschen auch Knechtschaft bedeuten, doch ungeachtet dieses scheinbaren Paradoxons sind wir dennoch davon überzeugt, dass es vor allem Emotionen waren, die ihn dazu befähigten, sein großartiges Gedankengebäude zu erschaffen. Bewertungssysteme und Emotionen sind für die dem Bewusstsein zugrunde liegende selektive Arbeitsweise des Gehirns unerlässlich. Künftige neurowissenschaftliche Untersuchungen an diesen Systemen und ihren Modifikationen im Verlaufe von Lernprozessen sollten Licht in eine wichtige Frage bringen: die Bedeutung von Grenzwerten in einer Welt der Tatsachen?
                                                Ein letztes Wort zum kausalen Wirken von Bewusstsein: Falls noch irgend jemand die Leistungsfähigkeit von Bewusstsein anzweifeln sollte, lassen Sie ihn die Leistungen Staaten bildender Insekten mit den abstrakten Gebilden von Dichtern, Komponisten, Mathematikern und Wissenschaftlern vergleichen. Ohne Leben würden sich das feingewobene Verhaltensnetz von Wespen und die Strukturen von Termitenkolonien schwerlich spontan entwickeln. Doch so beeindruckend diese Kolonien auch sein mögen, sie sind nicht zu vergleichen mit der umfassenden Sicht des Universums, die wir dem Wirken von Bewusstsein höherer Ordnung bei menschlichen Wesen verdanken. Wir werden unseren Platz im Universum mit wissenschaftlichen Mitteln immer weiter zu definieren und uns gleichzeitig an eben jenem Ort mit den Mitteln der Kunst Trost und Bedeutung zuzusprechen suchen. Bei der Umsetzung bei der ist es das Bewusstsein, das uns Freiheit und die Rechtfertigung verschafft.

                                                BEWUSSTSEIN ALS PHYSIKALISCHER PROZESS

                                                Wir haben dieses ganze Buch hindurch das Argument vertreten, dass Bewusstsein aus gewissen Arrangements innerhalb der materiellen Ordnung des Gehirns hervorgeht. Einem weit verbreiteten Vorurteil zufolge verwehrt man einer Sache mit der Bezeichnung »materiell« den Zutritt zum erhabenen Reich der höheren Dinge - Geist, Seele, reines Denken. Das Wort materiell lässt sich auf viele Dinge oder Zustände anwenden. Auf den vorangegangenen Seiten galt es für das, was wir gewöhnlich als reale Welt der spürbaren und messbaren Dinge bezeichnen, die Welt, deren Untersuchung sich Wissenschaftler verschrieben haben. Diese Welt ist sehr viel subtiler, als dies auf den ersten Blick scheinen mag. Ein Stuhl ist etwas - freilich von uns geformtes - Materielles, ein Stern auch, ebenso Atome und Elementarteilchen - sie bestehen aus Energiematerie. Der Gedanke »an Wien« aber mag zwar in materielle Begriffe gefasst und ein - wie Willard Van Orman Quine es ausdrückte - materiell begründeter Prozess sein, er selbst aber ist nicht materiell.
                                                Worin besteht der Unterschied? Darin, dass bewusstes Denken aus einem Kollektiv an Beziehungen besteht, deren Bedeutung über die reine Frage nach Energie und Materie hinausgeht (obwohl beide daran beteiligt sind). Und wie steht es mit dem Geist, der das Denken hervorbringt? Die Antwort lautet, dass dieser gleichermaßen materiell und mit einem Bedeutungsinhalt versehen ist. Für den Geist als
                                                Netzwerk von Beziehungen gibt es eine materielle Basis: Das Wirken Ihres Gehirns und all seiner Mechanismen von ganz unten bis nach ganz oben, von den Atomen bis hin zum Verhalten, resultiert in einem Geist, der sich mit Bedeutungen befassen kann. Während dieser Geist solche immateriellen Beziehungen schafft, die er selbst und andere Geister zu erkennen vermögen, wurzelt er dennoch gleichzeitig ganz und gar in den physikalischen Prozessen, die seinem eigenen Wirken, dem anderer Geister und all jenen Ereignissen, die Teil einer Kommunikation sind, zugrunde liegen. Es gibt keine zwei vollständig voneinander getrennten Domänen der Materie und des Geistes und keine Basis für einen Dualismus. Doch offenbar gibt es ein durch die physikalische Ordnung von Gehirn, Körper und sozialer Welt geschaffene Sphäre, durch die Bedeutung geschaffen wird. Diese Bedeutung ist sowohl für unsere Beschreibung der Welt als auch für unser wissenschaftliches Verständnis von dieser unerlässlich. Es sind die unglaublich komplexen materiellen Strukturen des Nervensystems und des Körpers, aus denen dynamische mentale Prozesse und Bedeutung hervorgehen. Nichts anderes ist vonnöten - keine anderen Welten oder Geister, auch keine außerordentlichen bislang unerforschten Kräfte wie die Quantengravität.
                                                Hier haben wir ein Knäuel zu entwirren: Menschen waren des Denkens und der Erfassung von Bedeutung mächtig, lange bevor sie über eine wissenschaftliche Beschreibung von der Welt verfügten. Keine solche wissenschaftliche Beschreibung, und sei sie auch noch so klar, kann völlig überprüft oder von einem einzelnen unbegrenzte Zeit hindurch aufrechterhalten werden. Es bedarf des sozialen Austauschs vieler oder zumindest des Austauschs zweier Personen, um experimentelle Wissenschaft am Laufen zu halten. Dennoch kann eine einzelne Person zu eben dem Zeitpunkt, an dem er oder sie über ein womöglich obendrein zutreffendes wissenschaftliches Verständnis verfügt, private Gedanken hegen, die der wissenschaftlichen Beschreibung nicht vollständig zugänglich sind. Was also geschieht, wenn wir unsere wissenschaftliche Forschung auf das einzelne menschliche Gehirn, den individuellen Geist richten? Wo liegen die Grenzen? Können wir erwarten, durch ein solches wissenschaftliches Abenteuer zu Begreifen und Verstehen zu gelangen?
                                                Wir behaupten, dass wir die materielle Grundlage des Geistes bis hin zu einem befriedigenden Verständnis von den Ursprüngen erhabener Dinge wie dem Mentalen letzten Endes vermutlich werden erfassen können. Wir werden dazu vielleicht neue Wege erfinden müssen, in das Gehirn hinein und auf dessen Aktivitäten schauen zu können. Vielleicht werden wir sogar Apparate bauen müssen, die einem mit den Funktionen eines Körpers verknüpften Gehirn ähneln, um diese Vorgänge völlig zu verstehen. Mag auch der Tag, an dem wir imstande sein werden, solche bewussten Artefakte zu konstruieren, in weiter Ferne liegen - wir werden diesen Weg womöglich gehen und synthetische Mittel einsetzen müssen, wenn wir den Prozess des Denkens von Grund auf verstehen wollen. So weit der Tag ihrer Konstruktion auch noch entfernt sein mag, solche Geräte werden gebaut werden.

                                                Schließlich und endlich ist dies einmal bereits gelungen - und zwar im Verlauf der Evolution.

                                                Die Geschichte der Wissenschaft - und der biologischen Wissenschaft im Besonderen - hat wiederholt gezeigt, dass schein

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                                                • null ahnung hast du, wer und was ich bin ;-)


                                                  ist mir auch nicht wichtig, zu wissen, wer du bist

                                                  aber wenn du meinst, mit solchen aktionen irgendwie kommunikation und/oder erkenntnis zu fördern, dann bist du im irrtum

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                                                    Unsere Analyse gründet auf der Feststellung, dass wir zwar imstande sein werden, eine sinnvolle wissenschaftliche Theorie des Bewusstseins zu formulieren, die erklären kann, wie aus Materie Phantasie hervorgeht, dass diese Theorie aber nicht imstande sein wird, Erfahrung zu ersetzen. Sein ist nicht dasselbe wie Beschreiben. Eine wissenschaftliche Beschreibung kann über beachtliche prognostizierende und erklärende Eigenschaften verfügen, aber die phänomenale Erfahrung, die sich daraus ergibt, dass wir einen Körper und ein Gehirn unser Eigen nennen, kann sie nicht direkt transportieren. Bei unserer Theorie über die komplexen Vorgänge im Gehirn haben wir die Paradoxa vermieden, die sich ergeben, will man nur die Position der ersten Person, des außenstehenden Beobachters, einnehmen, und durch unser Festhalten an den Mechanismen der Selektion haben wir den Homunkulus aus der Theorie verbannt. Dennoch bleiben wir durch das Wesen der Verkörperung in einem gewissen Grad immer noch Gefangene der Beschreibung,
                                                    wenn wir auch ein bisschen besser dran sind als die Bewohner von Platons Höhlen.
                                                    Können wir diese Grenze - diese Einschränkung unseres Realismus - überwinden? Nicht ganz, aber wir wollen zu dem extravaganten Gedanken zurückkehren, dass wir unsere analytischen Schranken eines Tages vielleicht mit künstlichen Mitteln werden überwinden können. Selbst wenn wir irgendwann in ferner Zukunft schließlich imstande sein werden, ein bewusstes Artefakt zu konstruieren, das - mirabile dictu - mit linguistischen Fähigkeiten begabt ist: Wir werden auch dann noch immer nicht direkt wissen, wie sich die eigentliche phänomenale Erfahrung jenes künstlichen Geschöpfs anfühlt. Die Qualia, die wir, jeder von uns, Artefakt wie Mensch, erfahren, wurzeln in unserer ureigenen Verkörperung des Geistes, unserem individuellen Phänotyp.
                                                    Hieran ist kein eigentliches Rätsel zu konstatieren. Verkörperung in der jeweiligen, individuellen Hülle ist der Preis für den Zugang zu solcherlei qualitativem, subjektivem Erleben. Eine Erweiterungsmöglichkeit für unser Wissen könnte sich allerdings in einem bemerkenswerten Augenblick unserer intellektuellen Reise auftun:
                                                    Die Chance zu erkennen, wie ein radikal anders gestalteter, mit einem höheren Bewusstsein begabter Phänotyp die Welt, die wir mit ihm teilen, kategorisieren würde. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass dieser Phänotyp dem unseren oder auch nur einem komplexen Tier ähneln würde, scheint verschwindend gering. Aber könnte ein solches Geschöpf in seinen Beschreibungen eine regelkonforme Generalisierung erreichen, die mit der unseren identisch ist, wenn sein Körper und Geist die Signale dieser Welt in radikal anderer Weise zergliederten als die unseren?
                                                    Falls dem so wäre, ließen sich einige der Einschränkungen, mit denen unsere realistische Haltung belegt ist, aufheben.
                                                    Die Grenzen und Tragweite unserer Erforschung der materiellen Ordnung als Grundlage von Bewusstsein mögen mit den hier vorgestellten Spekulationen im Einklang stehen oder nicht. Aber es gibt einen faszinierenden Punkt, der hier und jetzt von Bedeutung für die Gründlichkeit der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ist. Er betrifft die Frage, ob alle Konstrukte mit Bedeutungsinhalt auf der Ebene des Bewusstseins als Forschungsgegenstand in Frage kommen. Denken Sie beispielsweise an den Bedeutungsgehalt von Sätzen einer Umgangssprache oder, besser noch, an einen poetischen Dialog zwischen empfindsamen Menschen. Unsere Vermutung lautet, dass sie - außer in einem höchst trivialen Sinne - hier und jetzt keinen geeigneten Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung darstellen. Ihre Bedeutung und ihre Beschreibung fußen auf zu vielen individuellen historischen Mustern, auf multiplen Bezügen und, im Falle einer einzigartigen poetischen Äußerung (siehe Abbildung 17.2), auf einem unvergleichlichen Bezug. Ihre Bedeutung zu begreifen setzt sowohl eine einzigartige phänomenale Erfahrung als auch die historisch begründete Kultur jedes beteiligten Wesens voraus.
                                                    Wir möchten nicht missverstanden werden: So wie sich Bewusstsein erklären lässt, lassen sich auch die Wurzeln solcher Dinge und Äußerungen mit den Mitteln der Wissenschaft voll und ganz als Resultat der materiellen Ordnung erklären. Doch selbst wenn sie als Studiengegenstand vielleicht unmittelbarer zugänglich sind als der Ursprung des Universums, eignen sie sich (außer in einem sehr trivialen Sinne) nicht als Forschungsgegenstand, und sie werden ihre Bedeutung auch nicht der wissenschaftlichen Untersuchung allein preisgeben. Wohl aber werden sie infolge unserer jeweils individuellen Verkörperung und des wechselseitigen grammatikalischen Austauschs, der uns zu einem Bewusstsein höherer Ordnung befähigt, Bedeutung erlangen.
                                                    Wenn wir in Betracht ziehen, dass in der Fülle solcher Austausche der größte Teil unseres Lebens in irgendeiner Form mit Bedeutung gesegnet ist, müssen wir nicht fürchten, dass wissenschaftlicher Reduktionismus jemals imstande sein wird, diese erschöpfend zu behandeln. Doch wir müssen auch keine mystischen Erklärungen heranziehen, um solche Vielfalt zu erklären. Es reicht hin, einzusehen, dass sich manche wissenschaftlich begründeten Gegenstände nicht als Forschungsgegenstände eignen.

                                                    Freuen Sie sich daran.

                                                    Wir mögen zwar Sklaven unserer Beschreibung sein, unsere Freiheit aber liegt in der Grammatik.

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