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mea maxima culpa

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  • mea maxima culpa

    Tja,
    jetzt ist es fast ein Jahr her, seit ich meinen damaligen Lebensgefährten vor die Tür gesetzt habe. Es ist mir nicht leicht gefallen, aber es hat einfach zu viele "Vorfälle" gegeben - angefangen von der Weigerung etwas zum gemeinsamen Lebensunterhalt beizutragen über Sex-Boykott, Unzuverlässigkeiten und eine ander Frau. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere "Alte" hier...

    Per Zufall habe ich jetzt erfahren, dass seine Verhaltensänderungen zu einem Zeitpunkt begannen, als er eine ziemlich heftige medizinische Diagnose erhielt. Davon hat er niemandem erzählt, jeden meiner "was ist denn nur los" Redeversuche hatte er boykottiert. Hätte ich nur ein wenig zwischen den Zeilen gelesen.

    Inzwischen weiß ich, dass er praktisch alle sozialen Kontakte abgeschnitten hat, sich selbst als "nicht mehr gesellschaftsfähig" ansieht und nur noch Stille um sich will. Nachdem alle bisherigen Therapieversuche gescheitert sind, steht in den nächsten Wochen eine OP an, die er zu 20 Prozent nicht überlebt und die sehr wahrscheinlich noch gravierendere Verhaltensänderungen nach sich ziehen wird.

    Seit unserer Trennung hatte ich nur ein paar mal ganz halbherzig versucht, wieder ein wenig zu flirten, habe es aber nicht fertig gebracht und gleich wieder abgebrochen. Irgendwie war jeder Mann blass neben der Erinnerung. Aber das hat mich nicht beunruhigt, das ist eine Frage der Zeit und im steigenden Alter dauert der Prozess des Verarbeitens eben länger - Gruß an Andras ;-)

    Als ich jetzt erfahren habe, was los ist, habe ich Kontakt zu meinem Ex aufgenommen, doch der blockt. Er will niemanden, der vor dem OP wartet, das müsse ich akzeptieren. Die Krankheit ist jetzt seine Aufgabe, auf die er sich voll konzentriert und will sich davon von nichts und niemand ablenken lassen. Es gibt keine Gefühle mehr in ihm, Störungen aller Art unerwünscht. Auch falls er überlebt, will er mit den Folgen selbst und allein fertigwerden.
    Gleichzeitig glaube ich zu wissen, dass ihm kaum jemand je so nahe gekommen ist wie ich. Und er hat die Einsamkeit erreicht, die er wollte - er ist allein in jeder Beziehung.

    Mein Herz schreit innerlich, lass mich dir helfen. Ich will ihm helfen, will meinen Fehler wieder gut machen. Mir ist klar geworden, dass er mir nicht egal ist, es nie war und wahrscheinlich nie sein wird. Und ich glaube, dass ich ihm wirklich helfen könnte - aber er will nicht. Ja, ich käme auch mit einem psychischen und physischen "Krüppel" klar, würde es wenigstens versuchen. Da es mir nicht gelungen ist, ihn zu "knacken" habe ich ihm schweren Herzens versprochen, seinen Wunsch zu akzeptieren und ihn allein zu lassen.

    Er lehnt übrigens auch professionelle Hilfe kategorisch ab, und andere Menschen die an ihn rankommen gibt es nicht mehr.
    Wahrscheinlich kann ich nichts mehr tun, außer mich an mein Wort zu halten.
    si tacuisses...


  • RE: mea maxima culpa


    schade, dass Du nicht schreibst, welche Krankheit Dein Ex zu solchem Verhalten zwingt.

    Du hast sicher keine Schuld auf Dich geladen, wenn Du nicht gewusst hast, was da in Deinem Freund schlummert.

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    • RE: mea maxima culpa


      hi tacu,

      ich glaube nicht das du einen fehler gut zu machen hast. seine erkrankung war ja nicht der grund für eure trennung, sondern sein verhalten. das er dir nicht die wahrheit gesagt hat, dafür kannst du nun wirklich nichts. du hast also nichts wieder gut zu machen. darüber solltest du dir im klaren sein.

      ich finds auch schade das du so gar nichts über die art der erkrankung schreibst. so ist es recht schwierig zu verstehen warum dein freund keinen menschen um sich haben will.
      ich glaube aber trotzallem ist keiner gern alleine, schon gar nicht in solch einer situation. ich finds jetzt auch nicht toll hier rum zu raten warum dein freund dies so und nicht anders haben will.
      vielleicht wäre es dir ja doch möglich etwas näher auf die erkrankung deines freundes ein zu gehen, so wäre es für mich und sicher auch für andere forumsteilnehmer leichter das verhalten deines freundes zu verstehen.

      liebe grüsse, Fee


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      • RE: mea maxima culpa


        ... habe ich absichtlich nicht, weil ich den genauen medizinischen Begriff nicht kenne - und es ja eigentlich nichts zur Sache tut.
        Es geht darum, dass ein geliebter Mensch sein Verhalten ändert, schleichend über Monate, und ich ach so schlaue Frau alles vermute, nur keine "echte" Krankheit. Meine Gedanken kreisten immer nur um die Beziehung, um mich und ihn, ich machte das zum Mittelpunkt des Universums. Ich suchte nach Fehlern im zwischenmenschlichen Bereich, die es sicher auch zuhauf gab, weiß nur nicht, ob ich die Verhaltensänderungen gerade durch mein dauerndes Reden-Wollen nicht noch potenziert habe.
        Was dagegen spricht ist, dass seine anderen sozialen Kontakte ebenfalls zu Bruch gegangen sind, er in selbstgewählter Einsamkeit jede Hilfe ablehnt - auch von den wenigen Menschen die ansatzweise kapieren was los ist mit ihm.

        Weißt du, ich bin keine 17 mehr, und wir hatten beide eine Menge hinter uns als wir uns gefunden haben. Ich erlebte eine Intensität, deren fahler Abglanz noch so stark ist, dass jeder andere dagegen im Schatten steht. Damit konnte ich bis vor drei Wochen ganz gut umgehen, schließlich glaubte ich an ein "natürliches Ende" der Beziehung.

        Doch jetzt, wo ich erkenne, dass die Ursachen wohl nicht nur in Unstimmigkeiten zwischen uns lagen, sondern einfach fremdgesteuert einbrachen - jetzt habe ich das Gefühl mehr aufgegeben zu haben als ich je erfassen kann. Und das Gefühl durch meine Schwäche unendliche Schuld auf mich geladen zu haben. Könnte er noch ein gesellschaftsfähiges Wesen sein, wenn ich nicht den Schluss-Strich gezogen hätte.
        tacu

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        • RE: mea maxima culpa


          Hallo Fee,

          es ist ein Tumor im Kopf - aber ich kann nicht genau erklären, was für einer, wo er sitzt, auf welche Zentren er drückt. Details hat er mir nämlich nicht verraten, ich habe die Diagnose nicht gelesen. Deshalb halte ich nix von medizinischem Rätselraten. Die daraus resultierende Folge ist ein hirnorganisches Psychosyndrom.
          Nachdem sonst nix geholfen hat, werden sie ihn demnächst aufschnippeln. Sicher ist, es wird Folgen haben, völlig offen ist, welche das sein werden.

          Kriege ich jetzt einen Rat?
          tacu

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          • RE: mea maxima culpa



            tja einen rat !

            ich kann dir sagen was ich tuen würde, wäre er mein freund ob nun ex oder einfach nur ein freund das wäre mir ehrlich gesagt, ziemlich egal.....
            ich denke mal das er befürchtet, nach dieser op hilfsbedürftig zu sein und das er niemandem zur last fallen will. kann ich auch verstehen aber er sollte eigentlich jedem selbst überlassen wie weit man ihm helfen möchte. diese entscheidung kann, darf und sollte er niemanden abnehmen. ebenso muss ihm klar sein das es nicht immer nur mitleid ist der menschen dazu verleitet für ihn da sein zu wollen. eine erkrankung ist immer nur halb so schlimm wenn man diese mit jemanden teilen kann, das ist bei deinem freund auch nicht anders aber ich glaube das ihm das überhaupt nicht bewusst ist. das es menschen gibt die ihm wirklich helfen wollen und vielleicht auch können. möglich wäre natürlich auch das er sich deshalb so abschottet um niemanden weh zu tun, was für ihn sicher auch nicht einfach wäre und ihn irgendwo zusätzlich belasten würde und gerade aus diesem grund niemanden in seine nähe lässt.
            was ich auch wiederum für nicht richtig halte, denn zu wissen das da jemand ist, der sich sorgen macht ist gleichzeitig ein antrieb, nicht auf zugeben und weiter zu machen.......
            vielleicht konnte ich dir ein wenig helfen.
            ich drücke dir und deinem freund ganz doll die daumen !!!

            LG, Fee

            Kommentar


            • RE: mea maxima culpa


              weißt du Fee,
              ich würde ihn am liebsten packen, schütteln, festhalten und sagen, dass ich auch dann für ihn da bin, wenn er beißt und kratzt und schlägt. Ich habe schon über Jahre eine Pflegebedürftigen versorgt und habe keine Angst davor (das weiß er). Aber er hat so eine Eismauer aufgebaut um sich, das ist brutal. Und er hat mich gebeten, dass ich mich NICHT um ihn kümmere, weil er allein damit fertig werden möchte. Er forderte mein Versprechen, dass ich das akzeptiere - wenn er mir wirklich noch was bedeutet, soll ich ihm das versprechen. Das war gestern.

              Heute stand ich am Nachmittag mit einer Sonnenblume vor seiner Tür, wollte ihm so viel sagen, ihn zu einem Spaziergang abholen.
              Er macht die Tür verschlafen einen Spalt auf, schaut grimmig, bittet mich nicht rein und grummelt was von "Erkältung, will mich wieder hinlegen". Ich drücke ihm die Blume in die Hand, stammle, ich wolle nur ein wenig Sonne in sein Leben bringen und akzeptiere seinen Wunsch. Dann habe ich kehrt gemacht und bin gegangen. Auf dem Heimweg habe ich geheult wie ein Schlosshund ...
              tacu

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              • RE: mea maxima culpa



                ich finde es total süss was du dir bei dieser sonnenblume gedacht hast und kann mir beim besten willen nicht vorstellen das diese geste bei ihm ohne wirkung geblieben ist. ich weiß nicht in wie weit du mit ihm gesprochen hast aber wenn du ihm wirklich helfen willst, mach ihm das so deutlich wie du nur kannst......wenn du meinst, du muss weinen, dann weine, zeige ihm das es dir nicht um mitleid geht. wenn du es hinaus schreien willst dann tue auch dies aber du muss dir wirklich sicher sein das du es auch willst und nicht nur weil du glaubst ihm irgend etwas zu schulden, denn das ist meiner meinung nach nicht der fall.
                sprich mit ihm, mach ihm deutlich das du, ganz gleich was geschieht, für ihn da bist.
                niemand kann eine solche erkrankung alleine durchstehen auch er nicht.
                dies ist meine meinung und ich weiß wovon ich rede, das kannst du mir ebenfalls glauben.

                Fee

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                • RE: mea maxima culpa


                  liebe tacu,

                  ich seh das anders als fee

                  (bin ja auch ein mann - und hasse es ebenfalls, bemuttert zu werden, wenn ich krank bin)

                  das mit dem bemuttern ist jetzt nicht auf dich gemünzt, tacu. ich seh schon den unterschied zwischen einem kopftumor und einer erkältung

                  aber ich glaube trotzdem, daß es nicht gut ist, sich eines anderen kopf zu zerbrechen

                  bist du sicher, daß sein verhalten, weshalb du ihn ja auch rausgeschmissen hast, krankheitsbedingt war bzw. ist? für mich klingt es so, als wärst du froh, endlich bei dir die schuld suchen zu können. denn wenns an dir lag, müßtest ja auch du alles wieder gut machen können

                  kannst du ausschließen, daß dein unterbewußtes dieser verqueren logik folgt? dich gleichzeitig für den verlust bestraft, aber so auch mit der hoffnung auf einen neuanfang entschädigt?

                  gegen seinen willen wirst du keinem menschen helfen können. glaube ich jedenfalls, auch wenn die groschenromane etwas anderes sagen. akzeptiere seinen rückzug. wenn alles gut geht, wird er hoffentlich auch sein (organisch bedingtes) psychosyndrom los und ihr könnt an einen neubeginn denken

                  bis dahin mach ihm ruhig klar, daß du für ihn da bist. sooft und wenn er das will, und so wenig aufdringlich, wie er das wünscht

                  lg

                  der arbiter

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                  • RE: mea maxima culpa


                    " gegen seinen willen wirst du keinem menschen helfen können. glaube ich jedenfalls, auch wenn die groschenromane etwas anderes sagen. "

                    gegen seinen willen sicher nicht aber man kann versuchen ihm klar zu machen das es nicht gut ist eine solche erkrankung alleine durchzustehen und das es für ihn nur von vorteil sein kann wenn ihm jemand dabei helfen möchte. dieses alleinesein kann nicht wirklich gut sein, vielleicht täusche ich mich ja auch aber ich finde schon das es unheimlich erleichtert wenn man weiß, es ist jemand da.
                    mag natürlich so sein das ich als frau oder mutter so empfinde, weiß ich nicht.......
                    naja, vielleicht hast du auch recht und man sollte seinen wunsch respektieren........ich könnte dies aber nicht, wenn ich ehrlich bin ))

                    liebe grüsse, Fee

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                    • RE: mea maxima culpa


                      Liebe Fee,
                      Du schreibst, was ich selber denke (auch Frau und Mutter), und Petronius legt mit Logik den Finger auf den Nerv ;-)

                      Und ja lieber arbiter,
                      vielleicht ist an deinen Worten etwas Wahres dran. Das mit dem bemuttern trifft schon ein wenig zu. Da kommt die Ex nach einem knappen Jahr daher und mischt sich plötzlich ganz massiv ein - und wundert sich, wenn er nicht Hurra schreit.
                      Natürlich gab es gute Gründe für den Rauswurf, sehr gute sogar. Und falls jemals ein Neuanfang anstehen sollte, dann aber unter ganz klaren Bedingungen und einigen Änderungen. Dann müsste auch er ganz gewaltig an sich arbeiten, ein "normales" Zurück in den alten Trott auf keinen Fall.

                      Vielleicht sucht mein Unterbewusstsein wirklich Zuflucht in einer verqueren Logik, und ich bin "froh" mit der Krankheit einen Schuldigen für das Scheitern der Beziehung gefunden zu haben (mit dem Rückschluss Krankheit weg = Neuanfang und alles wird gut).
                      Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wir treffen uns vor ca. drei Wochen und ich bin erschrocken, weil er in zehn Monaten um zehn Jahre gealtert ist. Kein Wein, nur Wasser, auch kein Kaffee mehr - und dann sehe ich die Medikamente (hat er nicht offen genommen, ich kam zufällig ins Zimmer, war ihm sichtlich unangenehm). Natürlich fange ich an zu bohren, stoße auf Grobheit. Bröckchenweise die Wahrheit, Puzzleteile ...
                      Ich biete erstmals meine Hilfe an, Ablehnung. Geht dich nix an.

                      Am Freitag begegne ich seinem über 20 Jahre besten Freund in der Stadt, und ich höre beiläufig ein "mit dem rede ich seit März kein Wort mehr". Er weiß nix von der Krankheit, ich sage auch nichts (habe Maulkorb bekommen). Ich werde hellhörig, beginne zu telefonieren und erfahre, dass er seine kompletten sozialen Kontakte abgebrochen hat. Mit voller Absicht. Da dieser Freundeskreis nicht eng vernetzt ist, keine Clique, hat jeder den Bruch nur für sich erlebt, ihn zwar bedauert, aber mehr nicht.

                      Am Samstag stelle ich ihn zur Rede, er sagt, dass er keine Menschen um sich erträgt, dass der alte gesellige Mann nicht mehr lebt und er sich nur noch in der Stille wohlfühlt. Er will niemanden vor der OP-Tür, denn wer auf ihn wartet der hat auch Erwartungen - und das lenkt ihn nur ab.
                      Ich finde das schrecklich, es macht mir Angst, furchtbare Angst.
                      Und dann steht er da am Sonntag (gestern), ziemlich verwahrlost, hinter der Eismauer in der Tür. So allein.
                      Ich weiß selber nicht, welche Gefühlsmischung mein Herz zuschnürt, aber es wäre sicher nicht so heftig, wenn er jemanden hätte, der sich um ihn sorgt.

                      Aber mir bleibt wohl kaum eine Möglichkeit, viel zu ändern, zwingen lässt sich wirklich niemand. Und ich habe ganz furchtbare Angst, dass er gerade mit allem abschließt ...

                      tacu

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                      • RE: mea maxima culpa


                        was meint er denn mit " das lenkt ihn nur ab " ?

                        vielleicht ist ihm gar nicht bewusst das du ihm wirklich nur helfen willst und somit nichts von ihm erwartest.
                        es ist schon so sein das der " alte gesellige " nicht mehr lebt aber ihm sollte auch klar sein das dies wiederum niemand von ihm erwartet.
                        ich finde er hat ein vollkommen falsches denken an den tag gelegt. es sei denn, er hat sich mit seiner situation abgefunden was ich aber nicht glaube sonst würde er diese op nicht machen lassen......und statt dessen einfach nur seine zeit abwarten.
                        ich kenne ihn als menschen nicht aber wenn er früher schon probleme damit hatte seine gefühle zu äussern wird er dies in seiner jetztigen situation erst recht nicht können.
                        und manchmal muss man jemanden zu seinem glück zwingen. ihm verständlich machen das man weder was erwartet noch irgend welche forderungen an ihn stellt sondern einfach nur da sein möchte, damit er nicht alleine ist. ich finds ziemlich schlimm das er sich soo einmausert und glaubt so am besten zu fahren.
                        ich weiß auch nicht was du tuen sollst, du kennst ihn viel besser und kannst von daher alles viel besser einschätzen.
                        egal wie oder für was du dich entscheidest, ich drück' dir weiterhin die daumen.......

                        Fee

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                        • RE: mea maxima culpa


                          Liebe tacu,
                          diese Einsamkeit, die Du so fürchterlich findest - die kannst Du ihm nicht nehmen, die hat ihn in dem Moment überfallen, als sein Arzt ihm die Diagnose mitteilte. Dein Ex hat einen Tumor im Hirn und weiß, das er sterben wird. Vielleicht noch nicht morgen, aber in absehbarer Zeit. Sein Leben ist nicht mehr unendlich, so wie bei euch "Gesunden"., das unbekümmerte Vertrauen in die Zukunft ist verloren - und er fühlt sich einsam auch unter Menschen, denn alle um ihn herum haben die Unbekümmertheit noch., und das nimmt er ihnen übel, er beneidet sie darum. Und er hat erbärmliche Angst.
                          Gleichzeitig hofft er, mit dem Tier in ihm doch irgendwie fertig zu werden und weiß, daß er dazu jede Kraft für sich selbst braucht. Also macht er das, was fast alle Krebskranken tun (auch ich selbst): er prüft alle seine Kontakte darauf, ob sie ihm guttun oder ob sie ihn nur unnötig unter Druck bringen, denn ein Mensch, der helfen will, hat immer eine Erwartung: er macht sich Sorgen und hofft, daß sein Mitgefühl und seine Hilfe dem Kranken helfen. Zudem können sich viele von uns nicht dem Druck entziehen, die anderen trösten zu müssen - völlig pervers, aber wenn jemand vor mir sitzt, der todunglücklich ist beim Gedanken an meinen Krebs - das macht mich auch noch unglücklicher, also fang ich an zu trösten. Das kostet viel Kraft. Das kann ein Krebskranker aber nun gar nicht brauchen.
                          Jeder Freund, der sich beim Kranken meldet, drückt seine Betroffenheit aus, stellt Fragen, versucht zu trösten. Man mag aber einfach irgendwann nicht mehr ständig drüber reden, nicht mehr ständig Fragen hören nach der letzen Behandlung, man mag auch keine aufmunternden Parolen hören oder (am schlimmsten) Trostversuche, wo es keinen Trost gibt.
                          Laß ihn in Frieden, versuch nicht, auf seine Kosten Dein schlechtes Gewissen zu lindern. Wenn er sich meldet, sei für ihn da, mehr kannst Du nicht tun.
                          Traurige Grüße
                          Eine Überlebende

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                          • RE: mea maxima culpa


                            Einspruch ! Warum denn 'zu seinem Glück zwingen'?

                            Erstens gibt es wirklich Leute, bei denen das genau das Gegenteil bewirkt, glaub mir das.

                            Und zweitens sollte jeder selbst wissen, was für einen wichtig ist oder was nicht, gerade in einer derartigen Ausnahmesituation.

                            Ich kann dem Kommentar 'einer Überlebenden' nur
                            zustimmen.


                            Fee schrieb:
                            -------------------------------

                            [snip]
                            und manchmal muss man jemanden zu seinem glück zwingen.
                            [snip]

                            Kommentar


                            • RE: mea maxima culpa


                              Liebe Überlebende,
                              vielen, vielen Dank für deinen Beitrag. Ich denke mal, du weißt wovon du sprichst, und ich finde ihn in deinen Worten wieder. Er will das Tier besiegen und zwar allein.
                              Denkst du, ich soll keinerlei Kontaktversuche mehr unternehmen? Oder soll ich wöchentliche "ich denke an dich" SMS schicken?
                              Irgendwie fühle ich mich wie 14, als ich nicht wusste, wieviel ich auf einen Jungen zugehen darf und soll.

                              Und es ist so gar niemand mehr da, den er an sich ranlässt. Sicher ist eine Ex vielleicht nicht die ideale Bezugsperson - aber es gibt keine, die sonst noch da wäre. Nobody cares.
                              Denkst du wirklich, ein Mensch kann diesen Kampf durchstehen ohne einen einzigen Menschen an seiner Seite? Braucht nicht jeder mal eine Schulter zum Anlehnen? Oder auch einen Menschen zum Anbrüllen, beleidigen, Aggressionen abbauen?
                              Liebe Grüße
                              tacu

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                              • RE: mea maxima culpa


                                Hallo Tacu,

                                sei für ihn da, laß ihn nicht im Stich!!! Munter ihn auf, fällt sicher erst schwer. Erzähl ihm Neuigkeiten... laß ihm am Leben "draußen" teilhaben und behandel ihn nicht wie einen Kranken. Sei Du selber auch nicht so pessimistisch. Sag nicht er wird die Krankheit zu 20 % nicht überleben sondern er wird sie zu 80 % überleben. Krebskranke (ich gehe mal davon aus, daß der Tumor bösartig ist) müssen kämpfen, wer sich aufgibt hat schon verloren. Ich hab gut reden, ich weiß nicht wie ich mit einer solchen Diagnose umgehen würde, ich neige auch zum Pessimismus. Mein Lebensgefährte allerdings hatte auch Krebs, die Betonung liegt auf hatte. Es gab auch Tage da wollte er niemanden sehen. Im Nachhinein hat es ihm aber auch geholfen, daß jemand für ihn da war und das waren weißgott nicht viele, da die meisten mit Krankheit nicht umgehen können. Wie "Eine Überlebende" schon sagte, meistens sind es irgendwelche Floskeln.... Zur Zeit der Erkrankung kannte ich ihn auch noch nicht. Er hat mir aber schon oft von seiner Krankheit erzählt. Seine damalige Partnerin war immer sofern irgend möglich für ihn da, obwohl die Klinik in der er lag 200 km entfernt war. Sie hat sich sehr um ihn gekümmert und nur im stillen Kämmerlein um ihn geweint. Er hat die Krankheit wie gesagt überlebt, obwohl die Ärzte ihm nur noch ein halbes Jahr gegeben haben. Er hat gekämpft und den Krebs besiegt.
                                Nach überstandener Krankheit haben die beiden geheiratet und zwei Jahre später waren sie wieder getrennt, da sich beide durch die Krankheit sehr verändert hatten und ein Zusammenleben nicht mehr möglich war.
                                Was ich mit meinen Zeilen zum Ausdruck brigen will: die Diagnose "Krebs" verändert jeden Menschen. Mein Partner hat im Anschluß sein ganzes Leben umgekrempelt Angefangen mit einer Umschulung.

                                Laß ihn einfach spüren daß Du für ihn da bist. Vielleicht schreibst Du ihm einfach ein paar Zeilen.

                                Ich weiß nicht ob ich Dir jetzt helfen konnte, wünsche Dir auf jeden Fall weiterhin viel Kraft, denn die wirst Du brauchen!

                                Liebe Grüße, Schnuffi

                                Kommentar


                                • RE: mea maxima culpa



                                  eine erklärung will ich dir natürlich nicht schuldig bleiben ;o)

                                  dieser mann ist 24 stunden mit sich selbst beschäftigt. niemand bringt ihn auf andere gedanken. alles dreht sich zur zeit nur um seine erkrankung. der neid von dem " eine überlebende " spricht wird sein übriges dazu tuen das es ihm emotional noch schlechter geht als ohnehin schon. retten kann ihn vielleicht niemand, das kann ich nicht beurteilen aber es ist möglich ihm das leben zu erleichtern wenn er dies zulässt. natürlich verstehe ich das er angst hat, wär hätte das nicht in seiner situation aber ist denn wirklich richtig dies alles alleine durch zu stehen, ist es nicht so, das geteiltes leid halbes leid ist,
                                  meiner meinung nach ja.
                                  grüsse, Fee

                                  Kommentar


                                  • RE: mea maxima culpa


                                    Sicher mag es besser sein, das mag für uns, die wir hoffentlich nicht gerade in einer solchen Situation stehen sonnenklar sein.
                                    Aber, kann er wirklich zu seinem Glück gezwungen werden ?
                                    Müssen wir es nicht ab einem gewissen Grad einfach das so
                                    akzeptieren ? ('tacu' hat es ja angeboten, wenn er das Angebot nicht annimmt, willst Du ihn zwingen ? Und wie ?)

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                                    • RE: mea maxima culpa


                                      Übrigends habe ich auch jemanden gekannt, der zweimal einen operativen Eingriff (Gehirntumor) überstanden hat. (Ist dann Jahre später gestorben, nicht in Zusammenhang mit diesem Tumor.)

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                                      • RE: mea maxima culpa


                                        geteiltes leid ist halbes leid - so geht der spruch

                                        verstanden hab ich das noch nie. wie soll ich auch leid teilen können? meine zahnschmerzen tun mir selbst weh, auch wenn jemand mein händchen hält. bzw., warum soll es mir besser gehen, wenn außer mir noch jemand leidet?

                                        im gegenteil. es belastet mich, auch noch andere mit meinen problemen zu behelligen, die sie sowieso nicht lösen, bei denen sie mir ohnehin nicht helfen können

                                        ist jetzt ein bißchen hart formuliert - aber ich kann mir vorstellen, daß tacus ex das auch ungefähr so sieht

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                                        • mea maxima culpa ?


                                          Eine Diagnose die das ganze Leben verändern kann und wird, die trifft einen im innersten. Egal was du willst, es kriecht in dich rein und tötet deine Gefühle... scheinbar.
                                          Um nicht damit wahnsinnig zu werden dass etwas ist was nicht sein kann weil es nicht sein darf, deshalb stellst du dann deine Gefühle dir gegenüber selbst ein, und wirst somit unfähig Gefühle anderen gegenüber zuzeigen.
                                          Aber nichts ist endgültig solange man nicht tot ist. Es wird wieder kommen wenn er überlebt und wenn er will.
                                          Wenn du hin verstehst dass er sich nicht mehr Wert vorkommt eines anderen Menschen geliebten zu sein weil er alles als sinnlos und ausweglos sieht, dann verstehst du sein Handeln.
                                          Das kommt erst wieder zurück wenn alles nicht so schlimm verlaufen ist wie es aussieht. Nur jetzt kann er das nicht sehen, weil keiner weiss was wird.
                                          Flirten kann er jetzt nicht, weil eigentlich sein innerstes ich gebrochen ist von einer Diagnose die er sicher nicht akzeptieren will. Flirten ist dann sowas wie ein zeigen was war und wohl in Zukunft nie mehr so sein wird.
                                          Würde er lieben, es würde him das Herz zerbrechen eine Liebe zu haben und scheinbar keine Zukunft... alles was du him zeigst was schön ist tut ihm nur weh. Alles schöne ist erst wieder schön wenn sein Grundbedürfnis gestillt ist: gesund zu leben.
                                          Du kannst ihm aber beistehen, nicht bemuttern oder trösten wollen, das ist nicht schön, weil es einen daran erinnert nicht so zu sein wie die anderen.

                                          Mach dir keine Vorwürfe wegen deinem Handeln, du wusstest damals nichts davon.



                                          " dauert der Prozess des Verarbeitens eben länger - Gruß an Andras ;-) "

                                          ...ich könnte jeden Tag ko..en wegen dieser Erfahrung die ich gerade mache.

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                                          • RE: mea maxima culpa



                                            Petronius, Hi )

                                            du denkst falsch, denn es ist KEINE belastung zu helfen !!!
                                            natürlich könnte ich dir die zahnschmerzen nicht nehmen aber ich könnte versuchen dich abzulenken, verstehst was ich meine ?
                                            das wäre doch für mich keine last, sondern eine freude....

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                                            • RE: mea maxima culpa


                                              Also, wenn ich (starke) Zahnschmerzen habe, will ich
                                              niemanden, der auch noch um mich rumwichtelt.

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                                              • RE: mea maxima culpa



                                                das " wie " ist denke ich das schwierigste. ich weiß es nicht. ich denke das man dazu den menschen kennen muss um zu wissen wie.
                                                ich kenne einige menschen die an verschiedene formen von muskelerkrankungen leiden, einigen geht es gut anderen weniger gut aber alle haben sie jemanden um sich. alle sagen das es ohne " hilfe " nicht möglich gewesen wäre ein halbwegs " normales " leben zu führen, verstehst du ? diese menschen haben einen halt gefunden für den es sich lohnt zu kämpfen, selbst bei der so gefürchteten ALS. es ist einfach wichtig nicht alleine zu sein.
                                                ich kann es nicht erklären aber wenn man selbst mal in so eine situation war und nicht " gelernt " hat hilfe
                                                anzunehmen, ist es sehr sehr schwer mit erkrankungen die das leben verändern klar zu kommen....
                                                mehr kann ich auch nicht dazu sagen, Fee

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                                                • RE: mea maxima culpa



                                                  ich will doch nicht um dich " rumwichteln" , sondern dich nur ablenken. es sei denn du willst dich lieber in selbstmitleid wühlen und dich den ganzen tag bedauern was du doch für eine arme socke bist und dich mit solchen schmerzen rumplagen muss.........wenn dem so ist, dann lass ich dich natürlich in ruhe ;o)

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