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Asbestzementdach

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    Sehr geehrte Doktoren Hennesser und Wust,

    ich habe bereits Ihre zahlreichen Beiträge zum Thema Asbest gelesen. Sie dienen meiner Beruhigung. Ich selbst wollte Ihre Hilfe nicht in Anspruch nehmen, da mir auffiel wie häufig sie sich wiederholen müssen. Doch Ihre Hilfe ist wunderbar und leider muss ich diese nun auch in Anspruch nehmen, da ich im Jahr 2014 an einer schweren depressiven Episode litt. Ich verlor damals meine Arbeit und war 1 1/2 Jahre krankgeschrieben. Ich wurde mit starken Medikamenten beruhigt, die mir hauptsächlich beim Schlafen halfen und den üblichen Antidepressiva, die mir über den Tag halfen. Auch hierbei ging es um Asbest.

    Ich erwarb einen Kleingarten um meiner Frau und meinem damals 3 Jährigen Sohn etwas Natur und Urlaubsfeeling nahe unseres Wohnortes zu bescheren. Voller Inbrunst machte ich mich an die Arbeit das Gartenhaus, welches über ein Wellasbestdach verfügte, zu sanieren. Ich war mir der Gefahr Asbest nicht vollumfänglich bewusst und dachte eine Reinigung von Moosen und Verunreinigungen mit einem Hochdruckreiniger per Wasserstrahl würde kein Asbest lösen. Ich reinigte 2 Stunden lang dieses Dach von allen Verunreinigungen, so dass es am Ende weiß war. Ich bemerkte das der ganze Dreck verteilt wurde und matschig grau auf den Blättern eines direkt am Hause stehenden Kirschbaumes klebte, welches teilweise in sehr harter Form auch noch 2 Wochen später auf vereinzelten Blättern klebte. Machte mir aber keinerlei Gedanken. An diesem Tag gab es einen 10 minütigen Nieselregen. Nach der Arbeit ging ich mit der Jacke die ich bei der Arbeit trug nach Hause und hängte sie in die Garderobe, denn sie war lediglich feucht aber machte keinen verunreinigten Eindruck.

    Meine Familie kam erst am darauffolgenden Tag für eine halbe Stunde in den Garten um den Stand meiner Arbeit zu besichtigen. 4 Tage nach der Bearbeitung des Daches war der Garten fertig und wir schliefen in dem Gartenhaus 5 Tage und verbrachten die Zeit dort im grünen.

    3 Wochen nach meiner Dacharbeit brach ich am Arbeitsplatz zusammen. Es war als würde ich wach werden und ich googelte im Netz nach Bearbeitung von Asbestzementdächern und Chrysotilasbest. Was ich gelesen habe ließ mich in Schuldgefühlen und Vorwürfen gegenüber meinem 3 Jährigen Sohn und meiner Frau aufgehen. Ich las quasi, dass ich den baldigen Tod meiner Familie ausgelöst habe durch mein kopfloses Handeln. Ich versuchte alles um mich zu beruhigen. Ich wurde zum "Asbestfachmann" in dem ich Faserjahrberechnungen vornahm, Asbestarten unterschied und Studien las sowie Foren wie Onmeda studierte. Immer wenn mich etwas beruhigte fand ich wieder etwas was mir diese Ruhe nahm. Die Informationen zu Asbest wanken zwischen Panikmache und Verharmlosung. Einerseits hieß es Chrysotil sei löslich in der leicht sauren Lunge aber es ist immer verunreinigt mit Blauasbest. Dann las ich, dass die Reinigung mit Hochdruckreiniger, Asbest in hohen Mengen löse wie ein Trennschneider. Dann wiederum las ich das in Asbestzementdächern die Fasern durch die Anreicherung mit Kalk direkt mit dem Zement verschmelzen und selbst mit Trennschleifern in einatembarer Form kaum gelöst werden können. An diesem hin und her bin ich damals gebrochen.

    Mir ging es nie um mich, mir geht es um meinen Sohn und meine Frau.

    Ich erlitt einen Nervenzusammenbruch und war 3 Wochen nicht in der Lage Schlaf zu finden noch irgend etwas anderes zu machen. Ich vermutete den Asbest in unserer Wohnung weil ich diesen wohl mit der Jacke einschleppte. Auch vermutete ich es im Auto, da dort im Kofferraum die Schuhe standen mit denen ich die Dachreinigung vornahm und natürlich saß ich mit der Jacke auf der Heimfahrt ebenfalls im Auto. Ich lebe mit der Angst, dass mein Sohn beim spielen im Garten und dem Schlafen im Gartenhaus eingeschleppte Fasern die ich angeblich großflächig durch meine Hochdruckreinigerbehandlung mit starkem Wasserstrahl verteilte, in Gefahr brachte und bringe.

    Die letzten 3 Jahre seit meiner Dummheit konnte ich fast ganz normal leben, nachdem ich durch Medikamente beruhigt wurde. Ich hörte damals auf mit Rauchen aber in der psychologischen Tagesklinik in der ich war wurde ich gefragt ob es ratsam sei alles auf einmal anzugehen oder ob mir die Zigaretten nicht erstmal etwas Ruhe schenken würden und ich später damit aufhöre wenn diese Psychose überwunden sei. Alle in meinem Umfeld auch das medizinische Personal (keine Lungenspezialisten, es waren Psychologen, Allgemeinmediziner und Krankenschwestern, Dachdecker, Schreiner, Tischler) gaben mir das Gefühl völlig zu übertreiben. So fing ich wieder an zu Rauchen und lebte ganz normal weiter.

    Ich bin nun seit 1 1/2 Jahren ohne Medikamente und möchte auch keine mehr nehmen. Dies hat mein Familienleben aufgrund meiner Trägheit enorm beeinflusst. Ich habe auch wieder seit fast 1 1/2 Jahren Arbeit und dachte gar nicht mehr an Asbest. Ich hörte vor 3 Monaten auf zu rauchen.

    Da ich nun mit 39 Jahren nochmal Vater werde haben wir unsere Wohnung renoviert. Dabei flog soviel Staub das mich der Asbest wieder einholte. Ich verfalle nicht wie damals in einer Unfähigkeit am Leben Teil zu nehmen, doch es lähmt meine Gedanken hin und wieder und lässt mich in Schuldgefühl und Vorwürfen aufgehen. Heute sah ich einen Beitrag im Fernsehen über Fassadendämmung bei Hochhäusern aufgrund Brandgefährdung. Es ging gar nicht um Asbest aber dort standen nun 2 Arbeiter mit Schutzanzügen und Maske sowie Fasersauggerät und machten diese Dämmung ab.

    Drum schreib ich Ihnen, denn eine Meinung zu meinem direkten Fall habe ich von einem Spezialisten auf diesem Gebiet noch nicht erhalten. Ich habe mich vorher nicht getraut, schließlich habe ich eine direkte Bearbeitung vorgenommen und das über 2 Stunden mit, wie andere meinen, einer Wirkung wie einem Trennschleifer. Ich hatte zuvor zu große Angst vor einer Expertenmeinung, da ich befürchte das diese anders ausfallen könne als in den meisten auf Onmeda dargestellten Fällen.

    Doch ich denke es ist an der Zeit eine solche einzuholen da ich es nun verkraften kann. Wenn Sie diese Schilderungen lesen, wie bewerten Sie die Gefährdung meines Sohnes und meiner Frau? Habe ich Fasern in die Wohnung einschleppen können? Wurde meine Familie aufgrund einer "Kontaminierung" des Gartenumfeldes gefährdet? Hab ich die Lebenszeit meines Sohnes und meiner Frau durch mein Handeln verkürzt?

    Vorab vielen Dank für Ihre kostbare Zeit...




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