#}
  • Sie können sich hier registrieren, um Beiträge zu schreiben. Registrierte Nutzer können sich oben rechts anmelden.

Hypochondrie besiegen

Einklappen
X
 
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Hypochondrie besiegen

    Hallo,

    seit ein paar Monaten leide ich unter leichter Hypochondrie. Ich beobachte meinen Körper sehr aufmerksam und beim kleinen Wehwehchen verfalle ich in leichte Panik. Meist kann ich mich irgendwie wieder beruhigen, aber dennoch ist es auf Dauer nervig, ständig an schlimme Krankheiten zu denken. Habt ihr Tipps, wie ich die Hypochondrie in den Griff bekommen kann? Sodass ich wieder ein normales Verhältnis zu meinen Körper bekomme und nicht jede Kleinigkeit schlimm einstufe? Ich bin übrigens 23 Jahre alt.

    LG


  • Re: Hypochondrie besiegen

    Ich denke es gibt nicht den einen Auslöser / Grund für diese Störung. Ich weiß nicht ob es bei dir auch so ist, aber bei mir ist folgendes Kreislauf oft am wirken:

    1. Große Angst vor Krankheiten, auch bereits vor kleinen Symptomen bzw körperlichen Signlane
    ->
    2. Verstärkte Aufmerksamkeitslenkung auf den Körper bzw diese Symptome
    ->
    3. Führt zu "unsachgemäßer Benutzung" des Körpers: Du greifst in Prozesse ein die eigentlich völlig unterbewusst gesteuert werden (müssen), dadurch wird der Körper nicht mehr "normal" bedient und fühlt sich folglich auch nicht mehr "normal" an
    ->
    4. Verstärkung dieser Symptome oder es kommen sogar noch neue Symptome dazu
    ->
    5. Der Verdacht krank zu sein verhärtet sich, die Aufmerksamkeitslenkung auf den Körper intensviert sich noch mehr
    (6.) Die Einbildung krank zu sein führt zu einem Schonungs- oder Meidungsverhalten, wodurch andere Aktivitäten im Leben zurückgestellt werden. Der Eindruck entsteht allgemein, dass das Leben in Krankheit schrecklich (limitierend) ist. Krankheit wird daher als besonders bedrohlich wahrgenommen, was wiederum zu (1.) führt. Der Kreislauf schließt sich.


    Das ganze läuft dann über Monate / Jahre und verschlimmert sich schleichend, weil immer wieder die selben Gewohnheiten trainiert und ausgeprägt werden, bis aus einer leichten Hypochondrie eine mittlere/schlimme wird. So ist es zumindest bei mir gewesen.

    Psychotherapie/Verhaltenstherapie kann helfen. EFT Klopfen und EMDR hilft sehr gut. Ablenkung durch Aktivität hilft sehr gut. Symptome oder die Möglichkeit krank zu sein, akzeptieren lernen hilft. Dem Tod ins Auge sehen: Wir werden alle irgendwann sterben.
    Meditation: Aus dem Kopf / den Gedanken raus in die Gegenwart: Deine hypochondrischen Ängste sind in hohem Maß, wenn nicht zu 100%, zukunftsängste bzw die Erinnerung an vergangene Ängste: Hier ist es so, du hast in deiner Vergangenheit ähnliche Situationen immer wieder durchlebt und deine Interpretation davon war negativ / schlimm (in Wahrheit gab es vmtl nichts WIRKLICH schlimmes daran), daraus entsehen Erinnerungen die du immer wieder abrufst, wenn dein Körper wieder ein Symptome / Signal sendet. Du fürchtest dich vor deinem vergangenen Schrecken. Von Mal zu Mal verstärkt sich diese Angst, du versuchst eigentlich nicht dem Symptom, sondern der Angst vor der vergangenen Angst zu entfliehen. Dadurch gehst du in Widerstand mit einer unsichtbaren Bedrohung, die eigentlich gar nicht existiert. Das ist grundsätzlich die schlechteste Art und Weise im Umgang mit Angst, weil du dabei etwas bekämpfst, dass eigentlcih gar nicht real ist und es somit mit Energie versorgst. Du lebst dann irgendwo in der Vergangenheit bzw der Vorstellung deiner Zukunft basierend auf deinen vergangenen Ängsten. In der Gegenwart verankert bleiben und den Kopf abschalten hilft hier (deshalb Meditation). Diese (positive) Erfahrung immer wieder aufs neue erzeugen und erleben, bis daraus ein "Erinnerungsmuster" wird und deine hypochondrischen Ängste und Erfahrungen aus der Vergangenheit ersetzt.

    Je manifester deine Hypochondrie, desto länger (Monate, evtl Jahre) dauert der Prozess das umzukehren. Est ist über Jahre schleichend enstanden, es verschwindet nicht von heute auf morgen. Je früher man das akzeptiert, desto besser, sonst verliert man schnell wieder die Nerven, weil man denkt "das endet nie, es ist nicht in den Griff zu kriegen".

    Viel Glück und gutes Gelingen!

    Kommentar


    • Re: Hypochondrie besiegen

      Ich danke dir ganz lieb für deine ausführliche Erklärung und die Tipps, die du mir weitergegeben hast So wie du die Schritte beschreibst, ist es bei mir auch - ein echter Teufelskreis aus dem man entfliehen muss!
      Deine Tipps hören sich spannend an und vorallem auch total plausibel, wenn man genauer darüber nachdenkt. Ich werde definitiv die Vorschläge ausprobieren und hoffe, dass ich dadurch Erfolg haben werde. Man sollte wirklich in der Gegenwart leben und nicht ständig an die Zukunft denken, was evtl. einmal passieren könnte.
      Ich hoffe, dass ich bald wieder ein normales Verhältnis zu meinen Körper bekomme und nicht jede Kleinigkeit auf die Goldwaage lege - wie du beschrieben hast, manche Beschwerden sind wahrscheinlich total normal Bzw. unbedenklich, aber wenn man verstärkt darauf achtet und sie so extrem wahrnimmt, werden diese einfach nur schlimmer.
      Also nochmal vielen Dank
      ich hoffe dir geht es mittlerweile mit deiner Angst vor Krankheiten gut und wünsche dir auch alles Gute und weiterhin gutes Gelingen bzgl des Themas.

      LG

      Kommentar


      • Re: Hypochondrie besiegen

        Freut mich, wenn ich dir weiterhelfen kann. Ich habe viel an mir gearbeitet in den letzten Monaten und habe dadurch deutlich an Lebensqualität zurück gewonnen (hatte eine sehr ausgeprägte Hypochondrie). Ganz raus aus dem Loch bin ich selbst auch noch nicht. Das ganze ist etwas wie "zwei Schritte vorwärts und ein Schritt zurück", usw.

        Für mich ist der sicherste Rückzugsort (wenn die Ängste losgehen), die Gegenwart. Eckhart Tolle hat dazu ein super Buch "Jetzt! Die Kraft der Gegenwart". Kann ich nur empfehlen!

        Kommentar



        • Re: Hypochondrie besiegen

          Eine Sache noch, die ich wichtig finde: Ich denke es ist nicht nötig, zu verstehen, wie diese Hypochondrie letztlich genau funktioniert, auch wenn es helfen kann. Ich habe die größten Fortschritte erzielt, als ich aufgehört hatte, über alle diese Dinge nachzudenken und mich innerlich einfach auf meine Gefühlswelt konzentriert habe, genauer gesagt, einfach angefangen habe, mich "grundlos" glücklich zu fühlen. Der Hypochonder in mir verlangt immer nach Gründen und Erklärungen, warum er sich nun sicher/glücklich fühlen darf. Diesem Verhalten wollte ich irgendwann nicht mehr nachkommen. Eine gesunder Psyche "glaubt einfach, dass alles in Ordnung ist" und fühlt sich gut bzw fühlt sich nicht weiter schlecht. Der Hypochonder hat so ein großes Missvertrauen in sich selbst bzw seine GEsundheit, dass er jedes gute Gefühl im Umgang mit Krankheit, legitimieren muss, z.B. durch ein Ärzteurteil, oder...

          Kommentar

          Lädt...
          X