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Krankheitsangst wegen Google - schwere Depression

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  • Krankheitsangst wegen Google - schwere Depression

    Hallo zusammen, das hier wird wahrscheinlich ein etwas längerer Text. Ich (M. 20) leide seit ungefähr 3 Monaten unter einer Krankheitsangst, welche ebenfalls eine Depression in mir ausgelöst hat. Als kleine Information: Ich bin generell sehr ängstlich wenn es um Krankheiten geht und hatte bereits mehrere Phasen während meiner Teenager-Zeit an denen ich stark hypochondrisch war bsp: Angst vor Infektionskrankheiten wie HIV, übertriebenes Händewaschen (teilweise sogar blutige Hände bekommen), Reinigungszwang (damit bloß keine Bakterien oder Viren übrigbleiben) Angst vor Krebs, wegen angeschwollenen Lymphknoten usw... All diese Ängste und Zwänge habe ich gut überwunden (seit meinem 14ten Lebensjahr nichts mehr, ganz ohne jegliche Medikamente oder Therapien). Der ausschlaggebende Faktor für diese Ängste war fast immer die Internetrecherche meiner Symptome, wodurch ich mich immer verrückt gemacht habe, da man ja immer nur das Schlimmste liest.

    Vor fast 2 Jahren war ich mit Freunden in einer Shisha-Bar (Gelegenheitsraucher ca. 1-2 mal im Monat), wo mir etwas komisches passiert ist. Ich hatte an dem Abend ziemlich starke und tiefe Züge genommen, ohne wirklich viele Atempausen zu nehmen, da ich zum ersten Mal "Ringe" mit dem Rauch hinbekommen habe (ja, ich weiß, ziemlich dämlich) und man dabei den Rauch länger anhält. Auf einmal war mir richtig übel (Bauchschmerzen, Schwindel) (das Gefühl hatte ich schon mal beim Rauchen, wegen dem selben Verhalten, hat sich aber nach ein paar Sekunden gelegt) sodass ich aufs Klo gegangen bin und dort auf einmal bewusstlos geworden bin. Als ich wieder aufgestanden bin, ging es mir wieder perfekt, keine Übelkeit, nichts, sodass ich beschloss, nicht zum Arzt/Notfallaufnahme zu gehen. Ich war der einzige dem was passiert ist - meine Freunde hatten normal weitergeraucht. Damals habe ich mir gar keine Gedanken über den Vorfall gemacht, da ich mir gedacht habe "das kann schon mal vorkommen" und ich seitdem absolut normal weitergelebt habe (keine auffälligen Nebenwirkungen - ganz normal halt.)

    Dieses Jahr im März (1,5 Jahre später) bin ich dann bei Facebook auf einen Artikel gestoßen, wo drin stand, dass es in letzter Zeit immer mehr zu Kohlenstoffmonoxidvergiftungen in schlechtgelüfteten Wasserpfeifen-Bars kommt und dass eine solche lebensgefährlich sein kann und man umgehend eine Behandlung mit Sauerstoff braucht, da man sonst Folgeschäden, wie bspw. Konzentrationsstörungen oder Herzschäden riskiert. Im ersten Moment habe ich mir nicht wirklich viel dabei gedacht, da ich ja seit dem Vorfall ganz normal weitergelebt habe, sodass ich nicht noch weitergegooglet habe.

    Dieses Jahr war auch eines der stressigsten für mich, da ich mein Abi gemacht habe und mir hohe Notenziele gesetzt habe, um bei meiner Traumuni angenommen zu werden. Als es dann in die akute Abiphase ging, bin ich irgendwie wieder zurück auf diese Thematik gekommen und hatte dann die GENIALE Idee danach zu googeln. Für einen krankheitsängstlichen Menschen wie mich natürlich fatal, da viele dieser Artikel natürlich nur das Schlimmste zeigen. Ich bin dann in einen regelrechten Teufelskreis geraten, da ich dann angefangen habe generell mehr über Kohlenstoffmonoxidvergiftungen zu lesen, wodurch meine Krankheitsangst sich stark verstärkt hat.

    Von weniger angstmachenden Beiträgen, wo drin stand, dass es durchaus normal sein kann, beim Rauchen Übelkeit zu verspüren, wenn man besonders tiefe Züge nimmt und nicht viele Atempausen hat, habe ich mich natürlich nur für kurze Zeit beruhigen lassen. Habe mich dann versucht mit dem Lernen abzulenken, doch es war schwer. In den letzten 3 Monaten ist es sogar einmal zu einer regelrechten Panikattacke gekommen, sodass ich beschloss, mir die Meinung meiner Hausärztin zu holen. Sie sagte, ich solle mir keine Sorgen machen. Wie es für einen Hypochonder typisch ist, hat mich das nur kurz beruhigt. Unter dem ganzen Abistress, hat sich meine Angst wieder verstärkt, sodass ich zu nem anderen Arzt gegangen bin. Auch der hat mir erzählt, dass es an den tiefen Zügen gelegen hat und dass bei einer richtigen Vergiftung auch meinen Freunden was passiert wäre. Kopfschmerzen, wie sie bei einer solchen Vergiftung üblich sind, hatte ich auch keine. Um mich zu beruhigen, habe ich noch eine Blutprobe und ein EKG. Alles perfekt. Doch irgendwie lässt mich seitdem der Zwangsgedanke "Was, wenn doch was ist?" nicht los. Das liegt an meiner Persönlichkeit, da ich, typisch für einen Hypochonder, nur sehr schlecht mit Unsicherheit umgehen kann.

    Habe meine Hausärztin daraufhin wegen meiner Ängste besucht und sie hat mir inzwischen auch Antidepressiva verschrieben, die ich auch seit 3 Wochen nehme. Dadurch hat sich mein Zustand schon etwas verbessert (kein rasender Herzschlag mehr wegen meiner Ängste). Mein Abi habe ich inzwischen auch, doch ich bin wegen diesem Vorfall nun in eine starke Depression verfallen. Ich habe ständig Zwangsgedanken und bilde mir nun ein, durch diesen Vorfall irgendwelche Gehirnschäden davongetragen zu haben und dadurch weniger leistungsfähiger, als davor zu sein, was eigentlich totaler Unsinn ist, da ich wirklich sehr gute Noten erzielt habe. Bevor ich diesen Artikel gelesen habe, war ich ein sehr angetriebener Mensch, habe neben dem Abi eigene Projekte aufgebaut und mich in allen Lebensbereichen weiterentwickelt. Nun liege ich nur noch im Bett, hoffnungslos, aus Angst, mir durch diesen Vorfall "alles kaputt gemacht zu haben" und bilde mir ein, schwer krank zu sein. Mich plagen auch Schuldgefühle, dass ich damals nicht sofort damit zur Notfallaufnahme gegangen bin. (Aber es ging mir doch so gut??)

    Was ich nun tun kann, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen, weiß ich auch nicht. Werde wohlmöglich zu nem Therapeuten gehen müssen. Was denkt ihr? Ich wünschte mir einfach, ich hätte diesen dämlichen Artikel nie gelesen, dann hätte ich ganz normal weitergelebt...


  • Re: Krankheitsangst wegen Google - schwere Depression

    Werde wohlmöglich zu nem Therapeuten gehen müssen. Was denkt ihr? Ich wünschte mir einfach, ich hätte diesen dämlichen Artikel nie gelesen, dann hätte ich ganz normal weitergelebt...
    Der Google Artikel war nur der Auslöser und hat das, was bereits schon war, verstärkt. Andererseits war das ein Wink des Schicksals, dass Du etwas unternehmen und mal eine Gesprächstherapie machen solltest. Da lernst Du Dich und Dein Innenleben besser kennen.

    Ich denke, dass Du ein sensibler Mensch bist und gut auf Dich aufpassen solltest.

    Ich kenne das von mir, als ich meine erste Zigarette rauchte und mir wurde gleich schwindelig.

    Irgendwie merkte ich, dass die Zigarette meine Emotionen etwas beruhigt hat. Doch dann kam der Tag, als ich wieder eine rauchte und plötzlich ohnmächtig davon wurde. Mein Freund fuhr mich ins Krankenhaus und es wurde aber nix gefunden. Dann rauchte ich trotzdem weiter, obwohl ich diese Erfahrungen machte.

    In Belastungenssitutionen qualmte ich 70 Zigaretten am Tag, bis der Körper streikte. Nachts wachte ich auf und musste rauchen, um weiterschlafen zu können.

    Hätte ich schon sehr früh einen guten Therapeuten gefunden, dann wäre mir so einiges erspart geblieben.

    Das Problem lag in meiner Seele. Habe halt versucht mein Leben alleine auf die Reihe zu kriegen. Aber das muss man sich ja nicht antun.

    So manch einem könnte viel erspart werden, wenn er rechtzeitig einen Gesprächstherapeuten an seiner Seite hätte. Man tut sich einfach leichter und es nimmt einen den inneren Druck.

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    • Re: Krankheitsangst wegen Google - schwere Depression


      "Was ich nun tun kann, um aus diesem Teufelskreis herauszukommen..."

      Zu einer Psychotherapie anmelden, wäre schon deshalb sinnvoll, weil Ihre hypochondrische Neigung Sie nicht einfach von allein verlassen wird.

      Doch bis die Psychotherapie anfängt, vergeht sicher eine beträchtliche Zeit.
      In dieser könnte Ihnen ein ausfüllender Sozialfaktor helfen > irgend ein aufregender Sport (Rafting o.ä.) am besten in der Gruppe.

      Es ginge auch eine heiße Affäre, bei der Sie nicht mehr aus den Betten kommen - oder etwas dazwischen.

      Das Prinzip ist nichts Kausales, sondern die Befürchtungen werden quasi "überschrieben".
      Aber manchmal hat man dann sogar für lange Zeit Ruhe.

      Wenn Ihre Wunsch-Uni zum Tragen kommt, werden Sie sicher das verhängnisvolle Googlen sowieso lassen.

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      • Re: Krankheitsangst wegen Google - schwere Depression

        Danke für die schnellen Antworten.

        Ich bin mittlerweile auch fest davon überzeugt, dass ich professionelle Hilfe brauche. Habe mit dieser Erfahrung nun gelernt, wie sehr uns unsere Ängste und Zwangsgedanken innerlich einfach auffressen können. Das schwierigste wird wohl, einen passenden Therapeuten zu finden, der sich mit der Thematik auskennt. Meine Hausärztin möchte ich nicht wirklich um eine Empfehlung fragen, da sie mich wahrscheinlich schon für einen Verrückten hält.

        Wenn ich mit Freunden draußen bin, verfliegen meine Ängste, da ich nicht daran denke. Sportlich bin ich auch sehr aktiv (6 mal die Woche Krafttraining), was mich auch auf andere Gedanken bringt. Ich habe durch diese Zwangsgedanken ziemliche Schwierigkeiten, wieder in meine alte Routine reinzukommen. Bevor ich diese Krankheitsängste hatte, steckte ich neben des Abis meine ganze Kraft und Zeit in eigene Online-Projekte und beschäftigte mich viel mit Persönlichkeitsentwicklung. Nun habe ich Zwangsgedanken wie "durch diesen Vorfall hast du dir irgendwelche Gehirnschäden geholt und wirst deswegen deine Ziele nie erreichen", was überhaupt keinen Sinn ergibt, da ich ja über 1,5 Jahre lang ganz leidenschaftlich meinen Zielen nachgegangen bin, ohne irgendwelche Beeinträchtigungen. Ich bin auch ein sehr perfektionistischer Mensch und habe auch hohe Ansprüche an mich selbst, vielleicht liegt es auch daran. Nun meide ich die Dinge, die mich sonst immer erfüllt haben, mit dem Glauben "nicht mehr gut genug zu sein" und verschwende meine ganze Zeit mit Fernsehen, Youtube etc., was ich früher fast nie gemacht habe. Auch das trägt maßgeblich für meine Depression bei.

        Ich hoffe nur sehr, dass ich wieder zu meinem alten Ich wiederfinden kann und das Ganze hinter mir lassen kann.

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        • Re: Krankheitsangst wegen Google - schwere Depression

          Du solltest bei mehreren Therapeuten Termine machen und bei jedem Probestunden wahrnehmen (Die sind quasi Inklusive), dann beim passendsten bleiben und auch erst bei dem Auserwählten einen Vertrag unterschreiben.
          Mit einer Hand voll Absagen und unzumutbar langen Wartezeiten, kannst du dich an deine KK wenden, die dann ein anderes Abrechnungssystem bewilligen müsste, wodurch du bessere Chancen auf einen Platz hast.

          Mit Ängsten und Zwängen kennen sich eigentlich alle ganz gut aus, eine Verhaltenstherapie wäre sicher eine gute Möglichkeit.
          Das ist auch recht gut zu behandeln, in einer Psychotherapie, von daher lieber das angehen als dich weiter alleine damit herum quälen.
          Soweit ich weiß gibt es für Ängste und Zwänge auch keine speziellen Zusatzqualifikationen, sondern gehört zum üblichen Standardrepertoire eines ausgebildeten Psychotherapeuten.
          Nur wenn diese sich ausschließlich auf andere Gebiete spezialisiert haben, kann es sein dass sie keine Angst und Zwangsklienten annehmen.

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