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Zwangsverhalten Sohn 12 J.

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  • Zwangsverhalten Sohn 12 J.

    Hallo.
    Brauche dringend einen Expertenrat. Mein Sohn, jetzt 12 J., hat beginnend mit dem Schulalter angefangen Zwänge zu entwickeln. Zuerst waren es nur physische Auffälligkeiten, wie Augenzwinkern und leichte Grimassen oder mit den Armen in eine bestimmte Richtung zeigen. Das wurde dann besser und er begann stattdessen Wortzwänge zu entwickeln. Das Besondere war, er verlangte immer, dass man das Wort, das er sagte nachsprach und falls man das nicht tat, flippte er aus. Sein Zwänge schlossen also die Elrerteile, insbesondere den Vater, mit ein! Die Worte wechselten mit der Zeit ab. Anfänglich war alles im Rahmen, aber wurde mit der Zeit schlimmer. Dann hörte der Zwang für einige Monate zu unserer Erleichterung fast ganz auf, begann vor einem halben Jahr aber wieder und war viel schlimmer als je zuvor. Derzeit ist es so, dass er sportlich sehr aktiv ist und großen Wert auf Fitness und seinen Körper legt. Der Zwang hat sich jetzt dahingehend gewandelt, dass er ständig seine Muskeln begutachtet und dabei sagt, er werde fett und habe keine Muskeln (das Gegenteil ist der Fall, er hat super Muskeln und athletischen Körperbau)! Er erzwingt nun ständig, dass man ihm sagen muss, dass "er Muskeln hat und nicht fett ist", was aber nichts nützt, weil er ständig wiederholt, dass es nur gelogen wäre und nicht stimmen würde! Die ständigen Fragen nach seinen Muskeln haben sich inzwischen so intensiviert, dass unsere Familie und er selbst einem extremen Leidunsdruck ausgesetzt ist. Inzwischen fragt er bei jeder Gelegenheit danach. Selbst wenn wir spazieren gehen oder in einem Restaurant sind, immer zerstören diese zermürbenden Fragen und seine abdauernden Verneinungen und Wiederholungen unsere ganze Lebensqualität!
    Mein Mann macht mich für sein Zwangsverhalten verantwortlich, weil ich ihm aus seiner Sicht als Kleinkind durch beruflichen Stress zu wenig Aufmerksamkeit gegeben hätte und er dadurch Lebensängste und Unsicherheiten entwickelt hätte. Richtigstellung, dass unsere Familiensituation nicht einfach ist, weil mein Mann und ich eigentlich keine Liebesbeziehung mehr führen. Ein Grund liegt sicher auch darin, dass mein Sohn extrem viel Aufmerksamkeit erfordert hat, wodurch die Partnerschaft viel zu kurz kam. Seit mein Sohn zur Welt kam, hat mein Mann unsere Beziehung ganz in den Hintergrund gestellt. Als Paar haben wir seither nichts mehr allein unternommen. Mein Sohn erzwang später z.B. auch, dass er mit meinem Mann im Bett schläft und ich seit Jahren in seinem Zimmer schlafen muss. Dies alles hat aus meiner Sicht zu der Entfremdung zu meinem Mann beigetragen. Mein Mann ist aber nicht der Ansicht und macht miCh ganz allein für alles verantwortlich.
    Was sollen wir als Eltern tun? Was raten Sie uns? Kann mein Sohn dieses Zwangsverhalten jemals ablegen?

    ​​​​​​​DANKE IM VORAUS.


  • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

    noch etwas: die Beziehung zu meinem Sohn ist von Kindesbeinen an sehr schwierig. Er hat mir schon als Kleinkind nie gefolgt und sich nie was von mir sagen lassen. Später hat er angefangen mich respektlos zu behandeln und mich auch zu beschimpfen und unflätige Schimpfwörter mir gegenüber zu verwenden. Jetzt mit 12 heisst er mich alles, ist sehr aggressiv und hat null Respekt vor mir. Ein Problem dabei ist sicher, dass ich ein sehr friedfertiger Mensch bin und nicht Schimpfen und Schreien kann. In meiner eigenen Familie gab es nie Aggressionen, daher kann ich mit solchen Dingen auch schwer umgehen. Mein Sohn sagt auch immer, dass er mich einfach nicht mag und froh wäre, wenn ich aus seinem Leben ganz verschwinden würde. Das alles ist sehr schwer zu ertragen für mich, weil er mein einziges Kind ist und ich ihn über alles liebe!
    Mein Mann hat schon recht, dass ich dieses Verhalten verschuldet habe, weil ich mich nie richtig als Mutter verhalten habe und große Fehler begangen habe!

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    • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

      Hi,
      ich bin zwar kein Experte, aber das ist Unsinn:

      Mein Mann hat schon recht, dass ich dieses Verhalten verschuldet habe, weil ich mich nie richtig als Mutter verhalten habe und große Fehler begangen habe!
      Kann es sein dass dein Mann dich auch nicht besonders respektvoll behandelt und alles was falsch läuft auf dich schiebt?

      Ich denke das würde den Konflikt deines Sohnes erklären und auch seine Zwänge, der nicht dein Versagen widerspiegelt sondern den Konflikt mit deinem Mann.
      Dein Sohn spürt was bei euch los ist, merkt wie du behandelt wirst und das beeinflusst vielleicht auch sein Frauenbild negativ, während er dich auf der anderen Seite liebt.

      Es scheint jedenfalls so als würde er tatsächlich nach Aufmerksamkeit gieren, aber nach deinen Beschreibungen auch vom Vater und Zwänge sind auch oft eine Art Glücksbringer, werden sie nicht korrekt ausgeführt naht Unglück (Trennung, verlassen werden?).
      Vielleicht versucht er dadurch etwas zu schützen, eure Beziehung und seine heile Welt?

      Ihr solltet seine Zwänge als normal hinnehmen, nicht weiter beachten oder ihn darauf ansprechen.
      Ihm zu zeigen dass es nicht normal ist und er es doch bitte lassen soll, weil peinlich, bewirkt nur dass die Zwänge durch den Druck noch intensiver werden, ich denke mal als es besser war ging es ihm auch seelische besser.
      Natürlich könnt ihr mit ihm darüber reden, aber nicht während dem Zwängeln sondern außerhalb dieses Tuns und dann auch vernünftig, ohne eine negative Wertung.

      Ihr solltet aber nicht dort schlafen wo er es bestimmt und Forderungen nachgeben die einfach nicht gehen.
      Wenn ihr das durchhaltet, also nicht darauf reagiert wo er erwartet dass ihr reagieren müsst und euch durch seine Permanenz nicht in Wut oder Nachgeben drängen lasst, sondern es einfach übergeht wird er auch irgendwann aufgeben, es sei denn ihr schwächelt immer mal.
      Zwänge bessern sich durch aushalten, wenn niemand drauf eingeht muss er sie aushalten.
      Er kann nichts dafür, er wird gezwungen und das müsst ihr euch vor Augen halten um nicht die Nerven zu verlieren, dir gegenüber tut dein Mann das ja schon.

      Ganz wichtig wäre eine Psychotherapie, es gibt da etwas für euren Sohn zu klären und intensive Zwänge wird man selten einfach so los.
      Er muss Übungen an die Hand bekommen, Möglichkeiten Verhaltensweisen zu ändern und die Ursache sollte bearbeitet werden, das geht nur mit einem Therapeuten.
      Auch dein Mann und du braucht eine Anleitung, wie ihr damit umgehen könnt und zu mehr Gelassenheit findet und vor allem wie ihr es hinbekommt die Schuldfrage nicht mehr zu stellen, bzw. sie dir zuzuschieben, denn das wird sich auf die Zwänge wie ein Turbo auswirken und deinen Sohn wieder in einen Konflikt bringen.
      Denk nicht dass er nicht spürt wie dein Mann und du zueinander steht, das ist auch Stress für ihn und verschlimmert Zwänge.

      Den Zwang das andere bestimmte Sätze exakt wiederholen müssen hatte ich auch mal und eins kannst du mir glauben, es war nicht die Frage ob meine Mutter genug für mich da war die dies auslöste, sondern die "Ist-Situation", in der sich die Familie eingependelt hatte.
      Gerade dass du in seinem Bett schlafen sollt und der Vater bestimmte Wörter wiederholen muss, zeigt doch dass es auch ein aktuelles Problem ist, vielleicht eher dem geschuldet dass zwei Menschen zusammen bleiben die sich nicht mehr respektieren und wo einer seine Dominanz dem anderen gegenüber offen zeigt.
      Zwänge verschaffen in erster Linie Sicherheit durch Kontrolle.
      Dein Sohn versucht etwas zu kontrollieren was ihn belastet, die Ausübung der Zwänge hilft ihm dabei das Gefühl zu haben nicht hilflos zu sein, sondern etwas tun zu können, vielleicht auch etwas schlimmes vermeiden zu können.

      Zwänge beginnen sehr oft mit Magie, etwas das man tut und jemand der darauf in einer bestimmten Weise reagiert, oder etwas was just in dem Moment geschieht.
      Ein positives Ereignis was wiederholt und bewahrt werden will, wiederholt man nicht exakt das was zu dem Ereignis führte, dann wiederholt sich auch das Ereignis nicht, oder es wiederholt sich ein schlimmes Ereignis.
      Hält man sich an die Vorgabe des Zwangs bewahrt man die Chance darauf dass alles gut wird und wenn nicht dann ist man wenigstens nicht selber Schuld, weil man ja alles exakt so gemacht hat wie es sein muss.
      Natürlich gibt es da unterschiedliche Motivationen, verstehen kann das selten jemand der es nicht selber von sich kennt und so wird sich auf Schuldsuche bei Begebenheiten gemacht, die nur zweitrangig für die Entstehung eines Zwangs sind, aber denen die dies nicht kennen eine Erklärung liefern, auch wenn sie so nicht zutrifft.
      Oje, ich hoffe du kannst mir folgen.

      Sucht euch Hilfe, es gibt Kinder und Jugendpsychiatrien an die ihr euch für den Anfang wenden könnt.
      Das wäre sehr wichtig und du kannst mir glauben dass ich weiß von was ich rede, mir blieb diese Hilfe verwehrt und es ist ein Segen dass diese heute leichter zu finden ist und da sollte der falsche Stolz der Eltern nicht im Wege stehen.

      Du bist nicht dafür verantwortlich, wenn überhaupt dann war es der Situation geschuldet und für die trägt dein Mann genauso viel Verantwortung wie du.
      Er hätte auch etwas ändern können, anstatt zu verharren um dann bei Problemen dir die Schuld zu geben.
      Ihr könnt aber jetzt etwas ändern, also walgt nicht diese alten Geschichten die euch nur den klaren Blick verstellen.
      Ihr könnt eurem Sohn helfen, handelt wie Eltern die sich und ihr Kind respektieren, so wie sie sind und geht das gemeinsam an und lasst bloß Vorwürfe oder Selbstvorwürfe außen vor, die bringen niemanden was aber euer Sohn nimmt sie wahr.

      Da es viele Kinder gibt die früh fast ganztägig von den Eltern getrennt sind, ohne dass es ihnen etwas schadet, würde ich die Ursache nicht darin sehen, sondern in dem was dein Mann und du daraus machen, aus eurer Beziehung macht.
      Das was ihr eurem Kind vorspielt weil ihr es schützen wollt, aber Schuldige zu suchen und eine Beziehung nach Außen zu leben die es nicht gibt, sind häufiger Auslöser als Eltern die früh wieder arbeiten gehen.

      Sagt dein Mann auch so respektlose Dinge zu dir wie dein Sohn? Behandelt er dich so, abfällig?
      Wenn ja, dann wäre ein Konflikt schon mal gefunden, da möchte jemand seine Mutter lieben und merkt der Vater behandelt sie abfällig und dann bemerkt er auch noch dass sich die Mutter nicht mal selber liebt, nein, es sogar genauso sieht.
      Somit wird die Verhaltensweise des Stärkeren übernommen, dem aber die Liebe zu dir entgegensteht und schon ist der innere Konflikt da.
      Ein Vater der die Mutter nicht schätzt, das macht Kindern kaputt, umgekehrt natürlich genauso.
      Welche Möglichkeiten hat dann so ein Kind, wo ihm die Worte dafür fehlen?
      Eine davon ist das was euch euer Sohn gerade vorführt, er trägt euren Konflikt über seine Zwänge aus und sein Verhalten dir gegenüber, was er selber sicher nicht mag, bringt ihn auch wieder in eine missliche Lage und dagegen helfen Rituale die sich ganz schnell zu Zwängen entwickeln können.

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      • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

        "Ein Grund liegt sicher auch darin, dass mein Sohn extrem viel Aufmerksamkeit erfordert hat, wodurch die Partnerschaft viel zu kurz kam."

        Das Ganze hört sich doch sehr nach einem Familienkonflikt an, bei dem das Verhalten Ihres Sohnes eine Art Epiphänomen darstellt.

        Demzufolge sollte das therapeutische Herangehen auch ein systemisches sein.
        Wenn Sie Ihren Sohn zu einem Jungendtherapeuten schicken, wäre das nur eine Symptombereinigung. Außerdem werden Sie kaum die nötige Motivation beim Sohn erreichen.

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        • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

          Danke, aber ich verstehe nicht was das heisst. Was bedeutet Epiphänomen?

          Worauf sind Ihrer Meinung nach die Zwänge meines Sohnes zurückzuführen? Könnte ich ihm als Mutter zu wenig Zuwendung gegeben haben? Werden solche Zwänge durch eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung ausgelöst?
          WAS KANN MAN TUN, DASS MEIN SOHN DIESE ZWÄNGE LOSWIRD?

          Könnte die Zwänge auch damit zusammenhängen, dass mein Partner mich oft in Anwesenheit des Sohnes beschimpft und erniedrigt hat. Er hat leider unsere Konflikte oft vor meinen Sohn ausgetragen, von klein an.

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          • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

            Könnte die Zwänge auch damit zusammenhängen, dass mein Partner mich oft in Anwesenheit des Sohnes beschimpft und erniedrigt hat. Er hat leider unsere Konflikte oft vor meinen Sohn ausgetragen, von klein an.
            Also ich bin davon überzeugt, euer Sohn übernimmt das schräge Frauenbild des Vaters und er behandelt dich ja auch schon so wie er, als wertlos.
            Seine Zwänge sind einfach nur ein Ausdruck dessen was ihm eingeflüstert wird, hat jemand eine wertlose Mutter wird ein Stück des Urvertrauens verloren, ein Liebloser Umgang miteinander nimmt ihm den Halt.

            Wie war es denn früher, als dein Mann dich noch nicht so offen respektlos behandelt hat?
            Hatte dein Sohn da auch schon Auffälligkeiten?
            Oder hat das erst angefangen als er langsam verstehen konnte was sein Vater von dir hält?
            Auf Vernachlässigung reagieren Kinder sehr früh, auf die Inhalte von Worten und Sätzen erst wenn sie diese einordnen können, würde ich mal annehmen.

            Vor allem du und dein Mann braucht Hilfe, um euer Miteinander zu ändern, wieder Respekt einkehren zu lassen und auch damit dein Mann nicht einfach alles auf dich schiebt sondern auch lernt sich selber zu reflektieren, besonders wie sein Verhalten auf euren Sohn wirken muss.
            Nur über einen Zugang zu euch selber könnt ihr eurem Sohn helfen, der anscheinend eure Konflikte durch seine Zwänge sichtbar macht.
            Ihr müsst da an einem Strang ziehen, alle gemeinsam und auch aufhören nach einem schuldigen zu suchen, das führt nur in die Irre und wenn Therapie mit Schuld verbunden wird will man auch gar keine machen.
            Deshalb geht es dort auch nicht um Schuld, sondern um Aufarbeitungen, Strategien und Lösungen.

            Welches Kind bleibt denn gesund, wenn die Mutter schlecht behandelt wird und vor ihm als alleinige Schuldige für familiäre Probleme dargestellt wird?
            Dadurch verändert sich das gesamte Weltbild und beschwört ein extrem ambivalentes Gefühlsleben herauf.

            Ihr solltet aber niemanden die Schuld geben, weder dem jeweils anderen noch euch selber, sondern eure Energie auf Lösungen und Veränderungen des Miteinanders richten, mit professioneller Hilfe.
            Und du solltest versuchen die Respektlosigkeiten deines Mannes einzudämmen, sie dir nicht auch noch als mögliche Wahrheit zu Herzen zu nehmen.
            Das wäre wichtig und vielleicht schon in einem Gespräch erreichbar, wenn er begreift was das mit seinem Sohn macht?
            Wenn das nicht hinzubekommen ist würde ich persönlich auch an eine Trennung denken, denn getrennte Eltern sind weniger schlimm als Eltern die ihre Konflikte vor den Kindern austragen und dann auch noch in einer Art und Weise die das Geborgenheitsgefühl zerstört und die Sicht des Kindes in die vorgelebte väterliche Verachtung umwandelt.
            Die unvoreingenommene und bedingungslose Liebe von und zu der Mutter, die ein Kind braucht, wird durch das schlecht machen und die offene Respektlosigkeit torpediert.
            Das geht ans Urvertrauen und irgendwo muss euer Sohn diesen, euren, Druck ablassen, wobei die Zwänge ihm helfen.

            Ich glaube nicht dass ihr das ohne Hilfe auf die Reihe bekommt, besonders nicht dein Mann.

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            • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

              "Könnte die Zwänge auch damit zusammenhängen, dass mein Partner mich oft in Anwesenheit des Sohnes beschimpft und erniedrigt hat. Er hat leider unsere Konflikte oft vor meinen Sohn ausgetragen, von klein an."

              Genau deshalb halte ich ja eine systemische Form einer Therapie für wichtig.

              Epiphänomen soll in diesem Zusammenhang bedeuten, dass die Störungen Ihres Sohnes ein Symptom eines grundsätzliches Konfliktes in der Familie sind.

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              • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                S.g. Herr Dr. Riecke
                vielen Dank!
                Inzwischen haben wir einen weiteren ungünstigen Faktor: seit 2 Jahren lebt mein Sohn beim Vater, der aus Berufsgründen woanders lebt. Grund für den Umzug zum Vater war, dass mein Sohn eine unzumutbare Schulsituation hier bei mir hatte. Er fühlte sich in der Schultagesbetreuung extrem unwohl und hielt es psychisch im dortigen Tagesheim einfach nicht mehr aus. Meine Versuche eine andere Tagesbetreuung zu finden scheiterten allesamt an Platzmangel . Dazu kommt, dass er unbedingt in einem Verein am Wohnort des Vaters seinen heißgeliebten Sport ausüben wollte, was er hier an meinem Wohnort nicht gekonnt hätte, da sich entsprechende Möglichkeiten nicht boten. Sehr schweren Herzens hab ich dem Umzug damals zugestimmt, weil ich ihm seinen Wunsch nicht abschlagen wollte. Ich hab extra einen Teilzeitjob übernommen, wodurch ich nur bis Donnerstag Vormittag arbeiten muss, sodass ich immer schon Donnerstags bei meinem Sohn sein kann. Diese Situtation ist sehr schwer für mich, weil ich nicht ohne mein Sohn leben will, aber jetzt diesem Zwang ausgesetzt bin.
                Ich hab aber meinem Mann immer gesagt, dass ich nicht will, dass unser Sohn durch die etwas weitere Entfernung den Kontakt zu meiner Familie verliert!
                Nur ist es in Wahrheit jetzt so, dass genau das eingetreten ist. Grund ist aber nicht die Entfernung, sondern dass mein Sohn meine Eltern, genauso ablehnt wie mich. Obwohl es nur 3 Stunden Fahrt wären, fahren wir nur noch 2 - 3 Mal im Jahr kurz auf Besuch zu meinen Eltern, was sehr schlimm für sie ist, weil es ihr einziges Enkelkind ist. Eigentlich kann meine Familie keinen wirklichen Kontakt zu ihm aufbauen. Schlimm dabei ist, dass es jedes Mal ein Riesenkampf ist, meinen Mann und Sohn dazu zu bringen, dass man sie besucht. Vor allem mein Mann boykottiert die Besuche, behauptet zwar, es liege nicht an ihm, sondern unserem Sohn, der nicht fahren mag. Er "würde ihn nicht vergewaltigen sie zu besuchen, wenn er sie nicht sehen will"! Das ist auch jedes Mal ein zermürbender Streitpunkt mit meinem Mann, weil er da kein Einsehen hat. Er ist der Meinung, dass meine Eltern selbst schuld sind, wenn der Enkelsohn sie nicht sehen will. Es habe nichts mit ihm zu tun. Häufig läuft es auch so ab, dass er zwar nicht ewigen Betteleien einverstanden ist sie zu besuchen, dann aber ganz kurzfristig wieder ablehnt, wodurch ich immer fast einem Nervenzusammenbruch nahe komme. Jedes Jahr zu Weihnachten weiß ich nie im Voraus, ob wir sie besuchen können oder nicht. Das ist so zermürbend und hat mich richtig depressiv gemacht. Wie erklären Sie sich das Verhalten meines Mannes? Was ist der Grund warum er in diesem Punkt so reagiert?

                Zu Ihrer Einschätzung der Zwänge meines Sohnes:
                Heißt das also, dass die Beziehungssituation der Grund für die Zwänge meines Sohnes ist?
                Das wäre mir wichtig zu wissen, weil ich jahrelang mit großen Schuldgefühlen gelebt habe, da ich bis jetzt davon ausging, dass ich als Mutter alles falsch gemacht haben muss! Ich war in seiner Kleinkindzeit beruflich großem Stress ausgesetzt, war in einer Mobbingsituation, die mir schlimme psychische Belastungen abverlangt hat. Es ging und geht mir über lange Zeit sehr schlecht, auch gesundheitlich und ich dachte immer, dass das die Zwänge verursacht hat.

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                • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                  "dass die Beziehungssituation der Grund für die Zwänge meines Sohnes ist?"

                  Könnten Sie nicht mal eine Pause mit Ihren Besuchen bei Mann und Sohn einlegen?

                  Und auf keinen Fall sollten Sie Ihren Sohn überreden, bei Ihren Eltern zu sein, wenn er das absolut nicht will. Ganz unabhängig davon, ob das nicht der Einfluss seines Vaters ist.

                  Bei ausbleibender Konfrontation seiner Eltern, wird vermutlich ein Wandel der Symptomatik bei Ihrem Sohn eintreten. Erst dann kann man sicherer beurteilen, welche Behandlungsmodalitäten sinnvoll wären.

                  Eine systemische Familientherapie scheint ja organisatorisch schon nicht möglich, außerdem ist sicher nicht bei allen Beteiligten die nötige Einsicht und Motivation vorhanden.

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                  • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                    Das heißt, dass ich wo ich schon so viel aufgeben musste, damit sein Sohn seinen Wünschen entsprechend leben kann, nun noch weniger Kontakt zu ihm haben soll? Ich bin durch die für mich kaum erträgliche Situation schon längst am Limit des für mich Erträglichen und bereits depressiv geworden und denke ehrlich gesagt auch über Selbstmord nach.
                    Ich hab ja keine Lebensqualität mehr: mein Sohn lebt nicht mehr bei mir und ich vermisse ihn so wahnsinnig, dass ich kaum die drei vier Tage ohne ihn aushalten kann. Meine Familie, die sich so freute, dass ich ein Kind habe, kann so gut wie gar nicht an seinem Leben teilhaben. Meine Verwandten haben ihn nur einmal als Baby gesehen. Mein Mann behandelt mich extrem schlecht, beschimpft mich so gut wie immer. Letzte Woche hat er auch meinen Sohn ********* und Vollidiot genannt. Das tut er in letzter Zeit öfter.
                    Ich habe keine Perspektive. Es gibt keine Urlaube, keine gemeinsamen Unternehmungen, seit über 10 Jahren. Dann sollte ich in dieser Situation an den Wochenenden allein in meiner Wohnung bleiben. Wie soll ich die Wochenenden verbringen? Mit meinen Nachbarn, die mich dann ständig fragen würden, warum ich nicht bei meinem Kind bin? Es geht mir nur noch dreckig. Wenn ich auf noch mehr verzichten muss, dann will ich nicht mehr leben.

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                    • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                      Such dir Hilfe, professionelle Unterstützung, vielleicht auch eine ehrenamtliche Tätigkeit um die Leere zu füllen.

                      Suizidgedanken sind verständlich, aber auch da solltest du daran denken dass dein Sohn noch mehr leiden wird, das bekäme er nie wieder los.
                      Versuche im Sinne deines Sohne zu denken und zu handeln.

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                      • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                        Ich habe immer noch keine Antwort darauf, ob ich an allem schuld bin. Offenbar bin ich doch die einzige Schuldige und die ständigen Beschimpfungen durch meinen Mann, die mein Sohn schon als kleines Kind mit anhören musste und dass mich mein Mann wie ein Stück Dreck behandelt, haben keinen Einfluss auf seine Zwänge.
                        Verstehe ich das wenigstens richtig?

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                        • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                          Du bist nicht schuld, es ist ist die familiäre Situation und da scheint dein Mann das Problem zu sein.
                          Sun solltest ihm aber dennoch nicht die Schuld geben, Vorwürfe verkomplizieren das Ganze nur und verhindern dass er sich irgendwann vielleicht doch noch bemüht das Beste für euren Sohn zu tun.

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                          • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                            Ich denke mal dass Gespräche mit einem Psychotherapeuten für dich sehr wichtig wären, einmal um das alles besser einordnen zu können, besser damit umgehen zu können und vor allem um deine Schuldgefühle los zu werden.

                            Schuldig ist nur jemand der im vollen Bewusstsein jemanden schadet, bzw. nichts ändert sobald ihm bewusst wird dass etwas schief lief.
                            Aber nach deinen Schilderungen (du gehst auf die Nachfrage leider nicht näher ein), bekam dein Sohn erst Probleme als er in der Lage war die Situation zwischen deinem Mann und dir langsam zu erfassen, zu begreifen dass du laut deinem Mann minderwertig und schuldig bist.
                            Der respektlose Umgang ist das Problem.

                            Kommentar


                            • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                              "dass mich mein Mann wie ein Stück Dreck behandelt, haben keinen Einfluss auf seine Zwänge."

                              Wie kommen Sie zu diesem Schluss?

                              Ihre Partnersituation ist eindeutig pathogen und somit auch der Auslöser für die Störungen Ihres Kindes.

                              Außerdem ist es nicht hilfreich von "Schuld" zu reden, sondern von Ursachen.
                              Wenn Sie aber auf dem Terminus Schuld bestehen, dann steht der Ihrem Mann zu. Nicht Ihnen!

                              Kommentar


                              • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                                S.g. Herr Dr. Riecke,

                                danke für die Erläuterungen! Aber wie sollen wir und besonders mein Mann, den die Zwänge meines Sohnes am meisten treffen, mit den Zwängen künftig umgehen? Zur Zeit haben die Zwänge den Höhepunkt erreicht. Mein Sohn setzt meinen Mann extrem unter Druck, fragt ständig wegen seiner Muskeln und egal wie oft mein Mann beteuert, dass er super Muskeln hat und die auch nicht verliert, verneint mein Sohn das ständig und wirft ihm Lügen vor. Ein Teufelskreis, der meinen Mann und uns zermürbt. Wie soll mein Mann reagieren? Gar nichts mehr sagen, sich weigern sich den Zwängen hinzugeben? Was können wir akut tun, um aus dieser Situation rauszukommen oder sie zu verbessern?

                                Kommentar


                                • Re: Zwangsverhalten Sohn 12 J.

                                  Hallo Lilly,

                                  bis jetzt ging es um die Ursachen für die Störungen, jetzt steht die Frage nach Hilfe an.

                                  Hypothese: Wenn sich die Ursachen beseitigen ließen, Sie also als liebendes, wertschätzendes Paar harmonisch zusammen lebten, würden die störenden Symptome Ihres Sohnes allmählich nachlassen und später ganz aufhören.

                                  Aber, diese Möglichkeit entfällt (nach Ihren Schilderungen hat sie es ja nie gegeben), außerdem hörten die Zwänge Ihres Sohnes auch nicht plötzlich auf, da sie sich inzwischen "verselbständigt" haben.

                                  Prinzipiell wirkt am besten bei dieser Form der Zwänge eine kognitive Verhaltenstherapie (VT) durch einen Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten.

                                  Es gibt auch eine medikamentöse Variante, die aber nur als Überbrückung erwogen werden könnte. Sie ist auch weniger wirksam als die VT und wird von einem Kinder- und Jugend Psychiater durchgeführt.

                                  Bei der ersten Variante spielen Mitarbeit und Motivation eine wichtige Rolle. Aus Ihren Berichten geht aber nicht genau hervor, ob Ihr Sohn (sicher weniger als der Vater) überhaupt einen Leidensdruck hat.

                                  Diese Frage wäre wichtig.

                                  Beste Grüße

                                  Dr. Riecke

                                  Kommentar

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