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Demenz erben?

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  • Demenz erben?

    Sehr geehrter Herr Dr. Spruth,
    ich habe hier im Forum ja schon einiges von meinem Vater geschrieben.Leider habe ich immer noch den Eindruck, dass mein Vater gar nicht behandelt wird.Dazu gehört auch eine Aussage wie " solange ihr Vater so aggressiv ist können wir den nicht im Nachbargebäude untersuchen weil er könnte uns ja vor ein Auto laufen )
    Aber ich hätte einmal eine andere Frage.
    Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass ich als Sohn, auch an Demenz bzw. Alzheimer erkranke?

    Vielen Dank und schöne Grüsse
    Bernd S.


  • RE: Demenz erben?


    Kann man vorbeugende Massnahmen ergreifen, damit die Krankheit vielleicht später oder gar nicht ausbricht? Kann man vielleicht aber auch schon absehen, dass die Krankheit in 20-30 Jahren heilbar sein wird?

    Vielen Dank Gruss Bernd S.

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    • RE: Demenz erben?


      Lieber Bernd,

      das sagt Prof. J. Bauer, Freiburg und ist noch immer aktuell:
      ---
      Kindern von Alzheimer-Kranken kann man heute die klare und korrekte Auskunft geben, daß genetische Faktoren bei der Alzheimer-Demenz nur eine untergeordnete Rolle spielen. So finden sich bei über 90 Prozent aller Alzheimer-Patienten keine Hinweise auf eine familiäre Häufung, welche die Voraussetzung für einen autosomal dominanten Erbgang erfüllen würde.

      In letzter Zeit wird die Variante ApoE4 des Apolipoprotein-Gens vermehrt unter dem Gesichtspunkt der Vererblichkeit beachtet. Sie verlangt jedoch keine grundsätzlich andere Risikobewertung. ApolipoproteinE4 ist zunächst und in erster Linie ein Risikofaktor für die koronare Herzerkrankung und für zerebrovaskuläre Leiden. Personen mit ApoE4 müssen zunächst einmal das Risiko überleben, im 5. und 6. Lebensjahrzehnt an einem vaskulären Ereignis zu sterben, um erst dann dem erhöhten Risiko ausgesetzt zu sein, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken. Daher beträgt bei einer heute 35jährigen Person mit reiner (homozygoter) ApoE4-Ausstattung das Lebenszeitrisiko für eine Alzheimer-Demenz weniger als 7 Prozent. Vor diesem Hintergrund eignet sich die Bestimmung des ApoE4-Phänotyps nicht zur vorausschauenden Demenz-Diagnostik. Ein diesbezüglicher Untersuchungswunsch von Angehörigen sollte daher abgelehnt werden, da die Ergebnisse möglicher nur unnötige neurotische Konflikte heraufbeschwören.
      -----
      Würden Sie sich nicht auch verrückt machen, angenommen, Sie hätten eine erbliche Veranlagung ?
      Wer aber garantiert, dass man nicht vorher an einer anderen Krankheit oder Ursache sterben wird. Jeden Tag setzen wir uns in Autos. Die Gefahr einen Unfall zu haben, ist wesentlich höher.

      Wie man Prof. Bauer entnehmen kann, ist die Wahrscheinlichkeit gering, AD vererbt zu bekommen.

      Anders herum gesehen: Die Risikoquote an AD zu erkranken ist um so höher, je älter wir Menschen werden.
      Was soll man dagegen tun ?

      Gesunde, vitaminreiche Nahrung, wenig Stress, Bewegung und Beschäftigung, die beide Hirnhälften beanspruchen, sind derzeit die besten Mittel dagegen.

      Hin und wieder liest man interessante Forschungsergebnisse, zum Beispiel: Männliche Raucher bekommen weniger Alz...aber dafür Krebs ?
      Frauen mit Hormontherapie bekommen weniger oft Alz, ...aber dafür schwarze Haare auf der Oberlippe ?

      Ich halte davon eher weniger und verlässlich ist das auch nicht, immer nur eine Wahrscheinlichkeit und keine Garantie.

      Lieben Gruss
      Auguste D.

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      • RE: Demenz erben?


        Hallo Auguste,
        vielen Dank für die beruhigenden Worte.
        Die Mutter von meinem Vater starb 1983 auch an Demenz und seit dem hatte mein Vater auch Angst diese Krankheit zu bekommen. Jetzt steigere ich mich wohl auch in etwas rein,was gar nicht ist.
        Der Chefarzt in der Klinik Dr. Johannsohn, meinte nur wer unter 60 Jahren an Demenz erkrankt würde die Krankheit bei 5-7% vererben.Ausserdem meinte der Doktor, man solle Tanzen und ein Musikinstrument spielen, wäre sehr gut fürs Gehirn.Beides tue ich leider nicht.

        Danke Gruss Bernie

        Kommentar



        • Alzheimer erblich?


          Hallo,

          mein Vater hatte Alzheimer und hat all die Phasen durchgemacht, von der Vergeßlichkeit, die wir als Altersdemenz eingestuft haben, bis zur Aggresivität, die dann (nach Erkennung der eigentlichen Krankheit) mit Medikamenten behandelt wurde, bis zur absoluten Desorientierung und dem Ausfall der Kontrolle über seine Körperfunktionen.
          Letztendlich haben wir ihn in einem Pflegeheim untergebracht, weil seine Versorgung es zu Hause nicht mehr nöglich war.

          Ich komme gerade vom Begräbnis meiner Tante (der Schwester meines Vaters).
          Sie hat verschiedene leichte Schlaganfaälle erliitten und meine Cousinen sprechen mmer noch davon, daß sich dadurch ihr Verhalten so geändet hat.
          Ich denke, sie hatte Alzheimer in der reinsten Form, durch leichte Schlaganfälle vielleicht begünstigt, aber diese Wesensänderung, dass eine stille, sanfte Frau plötzlich nach ihrer Tochter tritt, Unflätigkeiten von sich gibt, von denen keiner vermutet hätte, das sie diese Worte überhaupt kennt, gibt mir doch zu denken.

          Wenn Sie sagen, der Erblichkeit liegt nur bei 5 -7% und ich habe 2 Betroffene in der Familie, kann ich das dann glauben?

          Und zur Frage der Ethik, kann man einen möglicherweise Betroffenen testen und ihm dann sagen, daß er gefährdet ist?

          Ja, das kann man, wenn die Altersgruppe stimmt.

          Ich bin 46 und ich wüßte gerne, wie meine Chancen sind, ich würde mch gerne testen lassen, was nichts an meinem leben ändern würde - ok, vielleicht würd ich schnell noch zu einem notar gehen und mein testament verfassen (was ich schon lange tun will), aber wegen dem zusatz "im vollbesitz meiner geistigen kräfte" und so...*lach*

          Wie und wo in Österreich kann ich mich testen lassen?



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          • RE: Alzheimer erblich?


            Hallo Shy,

            zu einer solchen Vermutung sollte die Diagnose vollkommen klar und ärztlich bestätigt sein.

            Übrigens nur der Pathologe bringt die letztendliche Gewissheit, das es wirklich AD war. Er ist der Arzt, der alles weiß und kann, nur wirklich immer zu spät kommt.

            Jedes grosse Klinikum unterhält in der Regel gentechnische Abteilungen, auch in Österreich.

            Eine Testament, noch besser ein Patientenverfügung zu
            gesunden Zeiten zu machen, ist nie verkehrt.

            Aber nochmals zur Untersuchung...sie spiegelt nur die Wahrscheinlichkeit, nicht die Garantie ein erbliche Krankheit auch tatsächlich zu bekommen.

            Lieben Gruss
            Auguste

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            • RE: Demenz erben?


              Hei Bernd,

              wie gesagt, Beschäftigung, die beide Hirnhälften durchbluten, sind gut.

              Wie wäre es mit Jonglieren ?

              Wie soll man diese Aussage verstehen ...nur wer unter 60zig ist, würde die Krankheit auch vererben ?

              Weil die Wahrscheinlichkeit sich fortzupflanzen und zu vererben über 60zig eher gering ist ?

              Nein, nein, ich verstehe schon diese These, aber die scheint nicht in Fachkreisen erwiesen zu sein.
              Davon höre ich zum ersten Mal, was zwar nichts heissen muss...aber ich lese viel.

              Lieben Gruss - Auguste

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              • RE: Demenz erben?


                Sehr geehrter Herr S.,

                viele Fragen wurden in den Antworten zu Ihrem Forumbeitrag angesprochen.
                Es gilt folgendes:
                in sehr, sehr seltenen Fällen liegt eine familiäre Alzheimer-Krankheit vor, d.h. ein Gendefekt, der dazu führt, dass es bei seinem Träger in jedem Fall zur Erkrankung kommt. In diesen Fällen kommt es aber zu einer ungewöhnlichen Häufung von Krankheitsfällen, oft erkranken die Partienten dabei auch in verhältnismäßig jungem Alter. Die Gendefekte lassen sich durch sehr langwierige und aufwändige molekularbiologische Untersuchungen nachweisen, sofern ein ausreichend großer Verdacht besteht und eine genetische Beratung stattgefunden hat.
                Bei der Mehrzahl der Alzheimer-Erkrankten (bei der sog. sporadischen Form) liegt demgegenüber eine multifaktorielle Genese, d.h. es gibt eine Vielzahl von Einflußfaktoren die das Auftreten der Erkrankung begünstigen, ohne, daß letztlich gesagt werden kann, welcher davon nun der Auslöser war. Hauptrisikofaktor ist dabei das Alter, ab dem 60. Lebensjahr steigt das Risiko in exponentieller Form an, der Krankenstand in der Bevölkerung verdoppelt sich alle 5 Jahre. ein weiterer Risikofaktor ist es, einen Angehörigen ersten Grades mit der Alzheimer-Krankheit zu haben, dies erhöht das individuelle Risiko, stellt aber, wie gesagt, nur einen Risikofaktor von mehreren dar, so daß eine Prognose im Einzelfall nicht möglich ist. Das Lebenszeitrisiko, hier muß ich Auguste D. erstmals ein wenig widersprechen, ist übrigens unabhängig vom ApoE-Genotyp höher als 7%. Bei diesem "Biomarker" handelt es sich im Übrigen ebenfalls nur um einen Risikofaktor von vielen, der Ihnen wiederum im Einzelfall keine sichere Prognose erlaubt, daher gehört seine Bestimmung auch nicht zur Routinediagnostik.
                Zum Thema Prophylaxe: hier gibt es vieles, was diskutiert wird, aber bisher nicht ausreichen gut belegt werden konnte. Was auf keinen Fall schadet ist, sich gesund und ausgewogen zu ernähren, Sport zu treiben und regelmäßig zum Arzt zu gehen. Daneben konnte ein protektiver Effekt für "soziokulturelle" Aktivitäten im weitesten Sinne nachgewiesen werden. Wenn Sie kein Instrument spielen wollen während Sie tanzen könnten Sie es z.B. erst einmal mit regelmäßigen Theaterbesuchen, Diskussionsrunden oder ehrenamtlichem gesellschaftlichem Engagement versuchen.
                Eine Therapie, die die Krankheit an Ihrer Wurzel packt, gibt es bisher nicht, einiges in dieser Richtung wird aber seit einiger Zeit erforscht und ich bin zuversichtlich, aber das ist meine persönliche Meinung, dass es in 20 Jahren tatsächlich eine solche Behandlungsmöglichkeit, wie Sie Ihnen vorschwebt, gibt.

                Mit freundlichen Grüssen,

                Spruth

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